Ob für Ekzemer, bei Hufproblemen oder während des Fellwechsels: Wenn Sie nach Tipps zum Umgang mit diesen Erscheinungen suchen, werden Sie immer wieder über Kieselgur für Pferde stolpern. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter, was bewirkt das Gesteinsmehl wirklich und wie kann es angewandt werden? Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten rund ums Thema!

Kieselgur vs. Kieselerde – wo liegt der Unterschied?

Nur allzu oft werden die Begriffe Kieselgur und Kieselerde synonym verwendet. Das ist allerdings falsch. Denn auch wenn der Wortstamm der gleiche ist, handelt es sich hier um zwei verschiedene Gesteinsarten. Ihre Gemeinsamkeit? Sie zählen zur Gruppe der Sedimente. Da hört es aber schon auf. Doch verdeutlichen wir die Unterschiede einmal:

Kieselgur Kieselerde
Erscheinungsform
  • aus Schalen fossiler Kieselalgen, welche pulverisiert werden
  • weißliche bis gräulich-rote Substanz
  • kein klar abgetrennter Begriff
  • beschreibt siliziumhaltige Mineralien und Sedimente (v.a. Mischungen mit Kieselgur und Kaolinit)
  • i.d.R. weißes bis bräunliches Pulver
Bestandteile
  • Hauptbestandteil: Kieselsäure/Siliciumdioxid (SiO2)
  • meist Kieselgur und Kaolinit
  • damit geringerer Anteil an Silizium
Anwendung
  • Stärkung von Knochen, Haut und Haaren
  • gegen Insekten
  • zur Entgiftung
  • Stärkung von Knochen, Haut, Haaren und Bindegewebe
Natürliches Aufkommen der Kieselerde und Kieselgur

Foto: © Adkan, Quelle: Adobe Stock

Das Problem ist, dass die eigentliche Kieselgur oft als Kieselerde bezeichnet wird. Letztere hat keine feste Definition und enthält im besten Falle einen hohen Anteil des eigentlichen Gesteinsmehls und somit auch jede Menge Silizium. Dieses ist eigentlich dafür verantwortlich, dass die Erde oft als Wundermittel für starke Nägel, reine Haut und volle Haare beim Menschen gehandelt wird. Gleichermaßen trifft das auf robuste Hufe und ein gesundes Fell beim Tier zu.

Jedoch sind das in Wirklichkeit Eigenschaften, von denen Sie profitieren, wenn Sie Kieselgur an Pferde füttern. Wollen Sie also auf der sicheren Seite sein, dann bestellen Sie besser direkt ein Produkt, das als solches ausgewiesen ist. Kaufen Sie die Erdvariante, kann die gewünschte Wirkung deutlich eingeschränkt sein oder ganz ausbleiben.

Kieselgur für Pferde – wann verfüttern?

Kieselgur für Pferde kann vielseitig eingesetzt werden. Das liegt daran, dass das enthaltene Silizium an vielen Prozessen im Körper beteiligt ist. So sorgt es für starke Knochen sowie ein festes Hufhorn. Gleichermaßen fördert es eine stabile Knochensubstanz und kräftigt die Haarstruktur. Im Magen bindet es Giftstoffe und äußerlich aufgetragen beruhigt es Hautreizungen. Diese vielseitigen Wirkprozesse machen das Gesteinsmehl zu einem festen Bestandteil vieler Stallapotheken.

Durch den Juckreiz scheuert sich das Pferd.

Foto: © madscinbca, Quelle: Adobe Stock

Silizium für Knochen, Haut und Horn

Silizium ist ein wichtiger Bestandteil aller Knochen, Knorpel, Hornsubstanzen sowie der Zähne, Haare und der Haut. Hierbei dient das Element vor allem der Stabilisierung. Darum können Sie Kieselgur bei Pferden vor allem in folgenden Fällen einsetzen:

  • Brüchige, spröde Hufe: Die Kieselgur stärkt das Hufhorn und erhöht gleichzeitig die Elastizität. Somit wird es belastungsfähiger und bricht seltener aus.
  • Stumpfes, glanzloses Fell und Probleme während des Fellwechsels: Das Silizium trägt, wie auch Biotin, beim Pferd zum Aufbau einer gesunden Haarstruktur bei.
  • Gelenkprobleme: Das Gesteinsmehl stärkt die Knochensubstanz. Somit kann das Abreiben durch die fehlende Gelenkflüssigkeit gemindert werden.
  • Juckende und gereizte Haut: Silizium stärkt das Bindegewebe und macht es widerstandsfähiger.

Aus diesen Gebieten leiten sich einige Krankheiten ab, für welche die Gabe von Kieselgur an Pferde prädestiniert ist. Zuerst sind hier Gelenkerkrankungen wie Arthrose zu nennen. Hierbei wird der Knochen und Knorpel mit der Zeit abgetragen, was zu Schmerzen im betroffenen Bereich führt. Die Fütterung des Gesteinsmehls hingegen sorgt für eine stabilere Knochensubstanz, die sich weniger leicht abnutzt. Somit kann die Degeneration entschleunigt werden.

Sie können die Kieselgur auch äußerlich bei Mauke einsetzen, um das Hufhorn während und nach der Erkrankung entsprechend zu stärken. Außerdem wenden Sie das Gesteinsmehl zum Beispiel beim Sommerekzem an. Das Auftragen kann dem Jucken, welches durch die Allergie auf das Gift der Kriebelmücken ausgelöst wird, entgegenwirken.

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Der Pferdedarm ist in einer schematischen Grafik hervorgehoben

Foto: © SciePro, Quelle: Adobe Stock

Kieselgur für Pferde zur Entgiftung

Neben seiner Rolle in den Knorpelsubstanzen des Körpers ist Silizium zum Beispiel auch im Verdauungstrakt sehr wichtig. Denn die Kieselgur ist stark porös und hat damit ein enormes Wasserbindevermögen. Das bedeutet wiederum, dass Sie das Gesteinsmehl füttern können, um Schadstoffe im Darm zu absorbieren.

Diese Toxine werden dann einfach ausgeschieden. Damit werden gleichermaßen andere Organe (z.B. Leber und Niere) entlastet, deren Aufgabe die Filterung sonst gewesen wäre. Besonders wenn also diese Bereiche überlastet oder erkrankt sind, ist die Zugabe von Kieselgur bei Pferden eine gute Idee. Gleichzeitig können Sie sich die bindende Funktion zunutze machen, wenn Ihr Tier unter Durchfall leidet. Denn das Entziehen der Flüssigkeit sorgt für einen festeren Kot.

Eine Zecke hat sich im an einem Pferde festgesaugt

Foto: © GarkushaArt, Quelle: Adobe Stock

Kieselgur gegen Insekten und Parasiten

Wir haben oben schon beschrieben, dass die Kieselgur Pferde mit dem Sommerekzem unterstützen kann. In dem Falle wird es vor allem eingesetzt, um die Haut vorsorglich zu stärken und somit resistenter gegen die Bisse der Kriebelmücke zu machen. Das gilt natürlich gleichermaßen auch für andere Insektenstiche und -bisse.

Zusätzlich eignet es sich aber auch, wenn Sie einen Befall durch Flöhe, Läuse oder Milben feststellen. Reiben Sie in dem Fall Ihr Tier gut mit der Kieselgur ein. Die bindende Eigenschaft führt dazu, dass die Parasiten dehydrieren und innerhalb von ein bis drei Tagen absterben. Das gilt übrigens auch bei einem Zeckenbiss. Jedoch sollten Sie in einem solchen Fall die Zecke am besten zuvor entfernen, um das Risiko einer Erkrankung an Borreliose zu vermindern.

Dosierung – das Gestein richtig angewendet

Kieselgur für Pferde lässt sich sowohl innerlich über das Futter als auch äußerlich als eine Art Creme anwenden. Wofür Sie sich entscheiden, hängt vom Einsatzgebiet ab. Wollen Sie gereizte Haut beruhigen, können Sie die Kieselgur einfach mit etwas Wasser andicken und direkt in die betroffenen Bereiche einreiben.

Geben Sie das siliziumhaltige Gestein über das Futter, halten Sie sich unbedingt an die Herstellerangaben. In der Regel werden hier etwa 10 bis 20 g täglich, verteilt über zwei Mahlzeiten, empfohlen. Allerdings sollte die Kieselgur bei Pferden immer als eine Art Kur betrachtet werden (i.d.R. ca. 8 Wochen).

Die dauerhafte oder übermäßige Zugabe führt zu einer erhöhten Absetzung von Kot. Zudem bindet die Kieselgur gleichzeitig auch wertvolle Spurenelemente, die der Organismus zum Leben braucht. Infolgedessen können also weitere Mangelerscheinungen auftreten. Haben Sie einen solchen Verdacht, prüfen Sie vor allem die Mangan-, Kupfer- und Zinkwerte.

Weiterführende Links
www.kieselgurwissen.de/kieselgur-und-kieselerde/
www.wikipedia.org/wiki/Kieselgur
www.wikipedia.org/wiki/Kieselerde
www.st-georg.de/wissen/unterstuetzer-im-fellwechsel-bei-pferden-bierhefe-und-co-fuettern/