Wie die meisten Tiere wechseln auch Pferde jahreszeitabhängig ihr Fell. Jedoch ist ihr Rhythmus etwas ungewöhnlich, denn der Fellwechsel beim Pferd beginnt meist schon im Januar bzw. im Juni. Warum das so ist und wie Sie Ihren Liebling am besten in dieser Zeit unterstützen, zeigen wir Ihnen hier.

Die Auslöser für den Fellwechsel

Für Pferde ist nicht (nur) die Temperatur ausschlaggebend für den Fellwechsel, sondern vor allem das Tageslicht. So ist mit dem Winteranfang Mitte Dezember und dem damit kürzesten Tag im Jahr der Fellwechsel schon komplett abgeschlossen. Ebenso ist es auch Mitte Juli zum Sommeranfang mit dem längsten Tag des Jahres.

Die Zirbeldrüse – das Steuerzentrum des Fellwechsels

Pferde nehmen die Veränderung im Tageslicht durch die Zirbeldrüse wahr. Das ist – wie bei uns Menschen auch – eine Hormondrüse, die dem Gehirn angegliedert ist. Sie ist für die Produktion von Melatonin zuständig und steuert damit unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Fortpflanzung und eben auch den Fellwechsel.

Wenn also die Tage im Januar länger werden, gibt die Zirbeldrüse das Signal, dass der Winter kurz vor dem Ende steht und das dicke Winterfell langsam abgeworfen werden kann. Andersherum wird im August das Zeichen gegeben, dass der Winter naht und mit der Produktion des Winterfells so allmählich begonnen werden muss.

Pferd mit teilweise ausgefallenem Winterfell

Fellwechsel beim Pferd – Pferdekopf

Die Temperatur – ein untergeordneter Faktor

Neben der Tageslicht-Einstrahlung spielt durchaus auch die Temperatur für den Fellwechsel eine wichtige, wenn auch eher untergeordnete Rolle. Wenn sie sich einem Extrem nähert, kann der Fellwechsel pausiert oder beschleunigt werden. Außerdem ist die Temperatur ausschlaggebend für die Länge und Dichte des Fells. Damit scheint es nur logisch, dass Boxen-Pferde meist ein dünneres, kürzeres Fell haben als Offenstallpferde.

Dauer des Fellwechsels

Die Dauer des Fellwechsels kann variieren. Jedoch lässt sich grob sagen, dass der Fellwechsel im Frühjahr länger dauert als im Sommer/Herbst. Wechselt ein Pferd von Winter- auf Sommerfell, kann sich das mehrere Wochen hinziehen. Die Haare werden dabei nach und nach abgeworfen – zuerst die langen Oberhaare und dann die dicke Unterwolle.

Von Sommer- auf Winterfell ist die Zeit, in der die Pferde haaren wesentlich kürzer. Während das leichte Sommerfell abgeworfen wird, wächst das dichte Winterfell überall gleichmäßig nach. Wie schnell das geht, ist abhängig von den Temperaturen – ist es relativ kalt, wächst es schneller, als wenn noch sommerliche Temperaturen herrschen.

Der Fellwechsel: Eine anstrengende Zeit für jedes Pferd

Für Pferde ist es ein wahrer Kraftakt das neue Fell zu produzieren und dann nach einem halben Jahr wieder abzuwerfen. Vor allem das ständige Anpassen an die schwankenden Temperaturen kann sich als schwierig erweisen. Wenn es im Herbst noch sommerlich warm ist, freuen sich die Menschen vielleicht über das T-Shirt-Wetter. Pferde aber fangen unter ihrem bereits gewachsenen Winterfell an zu schwitzen und die Thermoregulierung wird stark beansprucht.

Belastung für Kreislauf und Immunsystem

Durch diese ständige Regulierungsarbeit und die Fellproduktion werden Kreislauf und Immunsystem des Pferdes stark belastet. Es ist also kein Wunder, dass sich Pferde während des Fellwechsels oft schlapp fühlen – das kann sich auch beim Reiten äußern. Triezen Sie Ihr Pferd also während dieser Zeit nicht zu sehr.

So geht’s: Das Pferd richtig unterstützen

Damit unser Liebling nicht unter dem anstrengenden Fellwechsel leidet machen wir ihm diese Zeit so leicht wie möglich. Das kann bedeuten, dass die Futterrationen erhöht werden muss, denn manche Pferde neigen dazu während des Fellwechsels an Gewicht zu verlieren. Außerdem bietet sich Zusatzfutter an.

Turnierpferde mit glänzendem Fell

Solcher Glanz auf dem Pferdefell lässt Reiterherzen höher schlagen

Welches Futter beim Fellwechsel?

Da der Fellwechsel viel Energie frisst, mangelt es dem Pferd in dieser Zeit an einigen Spurenelementen. Zusatzfutter mit Eiweißen, Vitaminen, Fettsäuren, Kupfer, Mangan, Selen, Folsäure und Biotin sind deshalb sehr empfehlenswert. Besonders wichtig ist aber die zusätzliche Fütterung von Zink. Das wird gebraucht um Keratin, den Hauptbestandteil des Haares, zu bilden.

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Weitere sinnvolle Ergänzungen sind Magnesium und Vitamin E, um die generelle Hautdurchblutung anzuregen. Ebenfalls gut sind Schwefel und Silizium, um die Haar- und Hautentwicklung zu fördern. Omega-3-Fettsäuren, zum Beispiel in Form von Lein- oder Hanföl, fördern zudem das Immunsystem und hemmen bzw. beugen Entzündungen vor.

Immer schön schrubben

Um das abgeworfene Fell schnell loszuwerden, hilft es das Pferd ausführlich zu putzen und zu striegeln. Hier darf auch gern zur Kunststoff-, Gummi- oder Metallbürste gegriffen werden, um große Haarbüschel auszubürsten. Bei langem Teddyfell hilft auch der Federstriegel. Sie werden sehen, dass Ihr Liebling jede dieser Pflegeeinheiten genießen wird – das lose Fell juckt schließlich unangenehm auf der Haut.

Pferd wird mit Gummistriegel geputzt

Bürsten, putzen, striegeln – im Fellwechsel

Neben dem Pferd sollten auch die Box, die Weide und der Paddock regelmäßig geschrubbt und gesäubert werden. Hier wälzen sich die Pferde gern, um sich selbst von überschüssigen Haaren zu befreien. Damit das abgelegte Fell nicht wieder an die Haut gerät, muss es regelmäßig entfernt werden.

Quellen
https://360gradpferd.de/beginn-fellwechsel/ 
www.dr-susanne-weyrauch.de/…/den-fellwechsel-richtig-unterstuetzen
www.tipps-zum-pferd.de/
www.pferdefluesterei.de/a-z/fellwechsel/