Der Sommer ist eigentlich doch eine der schönsten Jahreszeiten, um zu Pferd unterwegs zu sein, finden Sie nicht auch? Doch die Freude legt sich schnell, wenn Sie feststellen, dass das Tier Scheuerstellen oder gar Wunden hat, für die Sie nicht so leicht eine Erklärung finden. Schuld daran ist häufig das Sommerekzem – eine Allergie gegen den Speichel verschiedener Insekten. Was Sie dagegen tun können, wie Sie Symptome lindern und alles, was Sie sonst noch wissen müssen, erfahren Sie hier!


Sommerekzem – was ist das eigentlich?

Beim Sommerekzem handelt es sich eigentlich um eine allergische Reaktion auf Mückenspeichel (meist von Gnitzen, Stech- und Kriebelmücken). Es ist eine der am weitesten verbreiteten Hautkrankheiten bei Pferden, die sich vor allem dann symptomatisch zeigt, wenn das Immunsystem schon geschwächt ist.

Die Erkrankung tritt besonders häufig bei nordischen Rassen auf – Isländer, Norweger und Friesen sind oft betroffen. Das liegt daran, dass es in der Heimat dieser Pferde eigentlich so gut wie keine Mücken und Gnitzen gibt – dafür ist es zu kalt. Darum sind sie evolutionsbedingt nicht auf die Stiche eingestellt und haben oft keine Abwehrstoffe gegen das Sommerekzem entwickelt.

Das bedeutet auch, dass die Anfälligkeit für das Ekzem vererbbar ist. Meist tritt eine allergische Reaktion nach dem Erst- oder Zweitkontakt mit der Speichel des Ungeziefers auf. Anfälligkeiten können bei Verdacht jedoch schon zuvor über einen Bluttest herausgefunden werden. Dennoch heißt das Vorhandensein des Gens noch nicht, dass die Allergie auch tatsächlich ausbrechen muss.

Sommerekzem erkennen: Symptome

Meist lassen sich die Symptome vor allem auf Grund des übermäßigen Juckreizes eines Pferdes feststellen. Wurde Ihr Liebling von Culicoides Mücken gestochen und wandelt dieser Stich sich hin zu einem Ekzemer, werden Sie häufig folgende Symptome feststellen können:

  • Pusteln und Hautausschlag
  • Übermäßiges Scheuern bis zur Haarlosigkeit
  • Unruhe
  • Offene / blutige Stellen
  • Verdickungen der Haut
  • Schuppenbildung / Verkrustungen
  • Nässende Wunden ggf. mit Sekundärinfektionen
  • Papeln

Oft treten diese Anzeichen an Stellen mit aufrechter Behaarung auf, denn diese sind von den Mücken leicht zu erreichen. Achten Sie also bei Kontrollen v.a. auf den Mähnenkamm, die Schweifrübe und die Bauchnaht. Beobachten Sie eben diese Symptome, heißt es möglichst schnell handeln, um den Ausbruch der Allergie vorzubeugen.

Hautwunden beim Pferd mit Sommerekzem

Symptome nicht verwechseln!

Nur die wenigsten Pferde zeigen schon als Jungtiere Anzeichen eines Sommerekzems. Stattdessen äußert sich die Allergie meist zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr. Vermuten Sie, dass Ihr Pferd an dem Ekzem leiden könnte, sollten Sie unbedingt den Tierarzt konsultieren. Denn die beschriebenen Anzeichen können auch anders erklärt werden und müssten entsprechend behandelt werden.

Gerade wenn sich Ihr Pferd wundgescheuert hat, können die eindringenden Pilze und Parasiten Schuld an anderen Symptomen sein. Milben, Haarlinge und Läuse rufen beispielsweise ein ähnliches Krankheitsbild hervor wie das Sommerekzem. Auch bei einer Fadenwurm-Infektion zeigen sich oft ähnliche Anzeichen.

Pferd hat einen geschwollenen InsektenbissGeschwollener Insektenbiss bei einem Pferd mit Sommerekzem

Ursache: Mückenstich

Die Ursache für ein Sommerekzem beim Pferd sind häufig die Gnitzen (auch: Culicoudes Mücken). Auch Kriebelmücken (Simulium), Bremsen und Stechmücken können Auslöser der Allergie sein. Ihr Speichel enthält nämlich ein Eiweiß, auf welches sensible Pferde reagieren.

Erste Symptome zeigen sich meist in der Mückensaison, also von April bis Oktober. Vor allem in der Nähe von Abfällen, Gewässern und Wälder halten sich die Übeltäter oft auf. Doch die eigentliche Ursache liegt in der Sensibilisierung der Tiere – werden sie einmal gestochen, bilden sich Antikörper, die bei folgenden Stichen die allergischen Reaktionen auslösen.

Bis heute ist noch nicht ganz klar, wodurch die Sensibilisierung genau (jedes Jahr aufs Neue) ausgelöst wird. Klar ist jedoch, dass ein effektives Fernhalten der Stechinsekten hilft ein Sommerekzem vorzubeugen. Die Ernährung, der Lebensraum sowie Stress sind scheinbar zusätzliche Faktoren.

Pferd mit Sommerekzem leidet unter Juckreiz durch den Speichel eines Mückenstiches.

Pferd mit Sommerekzem. Juckreiz durch den Speichel der Mücke.

Sommerekzem beim Pferd vorbeugen

Klar, das Gen, welches für das Sommerekzem verantwortlich ist, können Sie nicht loswerden. Doch es gibt durchaus Möglichkeiten, die Intensität und vor allem die Häufigkeit des Juckreizes durch die Allergie vorzubeugen. Maßgeblich für die Prävention sind dabei Disziplin und Kontinuität bei der Behandlung.

Kontakt mit Insekten verhindern

Es ist unwahrscheinlich, dass Sie Stiche völlig vermeiden können, jedoch können Sie einiges tun, damit sie nicht mehr so häufig auftreten. Die erste Maßnahme ist dabei der Einsatz von speziellen Pflegeprodukten, die Mücken abwehren. Auch eine Ekzemerdecke ist ein guter Schutz! Wie genau und wann sie verwendet wird, haben wir übrigens in unserem Beitrag über den Sommer mit Pferd erklärt.

Außerdem ist es wichtig Orte zu meiden, an denen sich die Mücken bekanntlich tümmeln. Dazu zählen sowohl stehende, als auch fließende Gewässer, Misthaufen und Wald(-ränder). Auch sind die Zeiten wichtig zu denen Sie ausreiten – im Morgengrauen und in der Dämmerung sind die Stechinsekten besonders aktiv.

Reiten Sie also am besten – wenn die Temperaturen es zulassen – zwischen 9 und 16 Uhr aus, da ist die Sonne im Sommer besonders hoch. Auch ist es gut, wenn Ihr Pferd nur zu diesen Zeiten auf der Weide steht, da es hier ebenso von Mücken angegriffen werden kann.

Haut- und Fellpflege

Ebenfalls wichtig um dem Sommerekzem vorzubeugen, ist die richtige Pflege von Fell und darunterliegender Haut. Diese hilft nicht nur dabei den Juckreiz zu lindern, sondern regt auch zur Regeneration an und macht das Pferd weniger anfällig für Stiche. Pflegende Öle helfen zum Beispiel, Hautschuppen und Verkrustungen zu lösen.

Beginnen Sie mit diesen Prozeduren am besten schon vor der Mückensaison. So beugen sie bei sensibilisierten Pferden dem Ausbrechen des Ekzems vor. Kämmen Sie auch Mähne und Schweif regelmäßig und lassen Sie es Teil der täglichen Pflege werden. So entfernen sie effektiv den für die Mücken attraktiven Schlamm und Schmutz.

Weitere Maßnahmen

Beim Weiden kann neben der Ekzemdecke auch ein Kopfschutz sehr hilfreich sein, denn so bieten Sie den Mücken möglichst wenig Angriffsfläche. Achten Sie außerdem darauf, dass der Stall über Nacht möglichst sauber ist. Denn zu Misthaufen fühlt sich das Ungeziefer förmlich hingezogen.

Auch die Ernährung kann einen Unterschied machen. Bei Ekzemen empfiehlt sich eine möglichst eiweißarme Nahrung. Vor allem beim Zusatzfutter sollten Sie darum auf die Inhaltsstoffe achten.

Pferd trägt Ekzemerdecke. Leidet unter Sommerekzem.

Pferd leidet unter Sommerekzem und trägt eine Ekzemerdecke mit Kopfschutz

Fazit: Sommerekzem beim Pferd – was hilft wirklich?

Ist das Sommerekzem-Gen bei Ihrem Pferd vorhanden, heißt es schnell handeln. Beugen Sie dem Ausbruch der Allergie möglichst effizient vor, indem Sie Ihr Pferd vor Insektenstichen schützen. Das bedeutet, dass Sie dem Pferd möglichst tagsüber viel Auslauf gewähren und es während dieser Zeit aber von Insekten-Hotspots fernhalten.

Helfen können Sie Ihrem Liebling außerdem, indem Sie Symptome lindern. Dafür ist vor allem die richtige Fell- und Hautpflege wichtig. Nutzen Sie außerdem spezielle Cremes, die beruhigend auf das Sommerekzem beim Pferd wirken. Hier sind Mittel zur Linderung von Juckreiz und zur schnellen Heilung (offener) Wunden hilfreich. Dann steht auch einem genussvollen Sommer nichts mehr im Wege!

Quellen
https://vtg-tiergesundheit.de/Pferd/Krankheiten/Sommerekzem
https://vtg-tiergesundheit.de/Pferd/Behandlung/Behandlung-Sommerekzem-aus-Sicht-Tierarzt
https://360gradpferd.de/hilfe-bei-sommerekzem/
https://www.st-georg.de/wissen/zum-aus-der-haut-fahren-sommerekzem-bei-pferden/
https://kultreiter.de/sommerekzem-pferd/