Lange Ausritte im Gelände, hohes Gras auf der Koppel und gemütliche Spaziergänge am Feldrand entlang – klingt hervorragend, nicht? Was für Pferde und deren Besitzer die kleinen Highlights des Alltags sind, kann schnell gefährlich werden. Denn nicht selten verbirgt sich gerade in den hohen Gräsern und kleinen Büschen diverses Ungeziefer. Darunter unter anderem die Zecke, welche nicht nur dem Menschen, sondern auch seinem Tier gefährlich werden kann. Wie Sie also Krankheiten wie die Borreliose beim Pferd erkennen und dem bedrohlichen Biss vorbeugen? Das und mehr erklären wir jetzt!

Rund um die Zecke beim Pferd: Was Sie wissen müssen

Nicht nur am Pferd sind Zecken Plagegeister. Die kleinen Parasiten saugen sich an allen möglichen Wirbeltieren fest und ernährt sich von deren Blut. Dieses brauchen sie unter anderem für ihre Entwicklung von der Larve zur ausgewachsenen Milbe. Zum anderen wird es für die Fortpflanzung benötigt. Denn wie es für die Ernährung typisch ist, zieht das Ungeziefer daraus seine Energie.

Jedoch ist der Parasit nicht wegen des Blutsaugens so verrufen. Da die Zecke ihrem Wirt nur wenige Milliliter entzieht, ist das für ihn in der Regel kein Problem. Das eigentliche Risiko verbirgt sich im Biss an sich. Denn je nachdem, auf wem oder was die Milbe zuvor saß, kann sie verschiedene Krankheiten in sich aufgenommen haben und diese weitergeben.

3 Zecken nebeneinander auf einem weißen Hintergrund

Foto: © H. Brauer, Quelle: Adobe Stock

In Deutschland begegnen Ihnen nach aktuellen Erkenntnissen fünf Zeckenarten, welche wiederum verschiedene Krankheitserreger in sich tragen können:

Zeckenart Vorkommen Typische Krankheitserreger
Gemeiner Holzbock
  • in ganz Deutschland und Europa
  • i.d.R. März bis Oktober aktiv
  • v.a. in Wäldern und Gärten
Borrelien, FSME-Viren
Auerwaldzecke
  • überwiegend im Osten bis Südwesten Deutschlands
  • meist Februar bis Mai und August bis November aktiv
  • vorwiegend in Wäldern, Wiesen und feuchten Gebieten (z.B. Moore und Überschwemmungsgebiete)
Babesien
Igelzecke
  • in ganz Europa
  • März bis November aktiv
  • hauptsächlich in Wäldern und Gärten
Borrelien, FSME-Viren
Schaf- / Frühjahrswaldzecke
  • seltener im Süden Deutschlands
  • Februar bis September aktiv
  • v.a. sonnige Lichtungen und Wiesen
Q-Fieber, Tularämie, sibirisches Zeckenbissfieber
Taubenzecke
  • deutschlandweit
  • März bis Oktober aktiv
  • warme, trockene Standorte (u.a. in Gebäuden)
keine bekannten

Außerdem, allerdings nur sehr selten, treten hierzulande die Hyalomma- sowie die Braune Hundezecke auf. Letztere befällt in der Regel jedoch, wie der Name schon impliziert, hauptsächlich Hunde und nur in Ausnahmen unsere Huftiere.

Borreliose beim Pferd: Zeckenbiss mit schweren Folgen

Am häufigsten werden also Borrelien durch Zeckenbisse übertragen. Die sogenannte Lyme-Borreliose kann Pferden, Menschen und anderen Wirbeltieren gefährlich werden. Das Stichwort ist hierbei “kann”. Denn zum einen ist nicht jede Milbe infiziert und zum anderen ist die körpereigene Abwehr oft auch in der Lage, den Ausbruch zu verhindern. Dazu aber jetzt mehr!

Eine Zecke sitzt auf einem Grashalm

Foto: © Oleksandr, Quelle: Adobe Stock

Definition: Was sich hinter Borreliose verbirgt

Die Borreliose bei Pferden und anderen Wirbeltieren wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi, den sogenannten Spirochäten, ausgelöst. Im konkreten handelt es sich dabei um eine bakterielle Infektion, die nach und nach den gesamten Organismus befällt. So kann sie die Ursache für diverse Folgeerkrankungen sein.

Übertragen wird die Borreliose unter anderem durch Zecken. Dazu müssen die Bakterien zunächst in den Organismus der Milbe geraten. Der Parasit nimmt sie über das Blut von Mäusen auf. Anschließend kann der Biss des Ungeziefers die Krankheit auch an die folgenden Wirte übergeben.

Wichtig! Nicht nur Zecken können zu Borreliose beim Pferd führen. Das Bakterium wurde inzwischen auch bei Fliegen und Mücken nachgewiesen. Hingegen nicht übertragbar ist es vom Menschen auf das Pferd oder andersherum.

Eine Ärztin hält eine Spritze in der Hand, während sie vor einem Pferd steht

Foto: © H_Ko, Quelle: Adobe Stock

Symptome: Wie Sie Borreliose beim Pferd erkennen

Die Borreliose an sich kann sich mit unterschiedlichen Symptomatiken äußern. Ist das Immunsystem stark, findet in der Regel eine Infektion ohne Ausbruch statt. Werden die Bakterien hingegen aktiv, sind die Anzeichen meist unspezifisch und unterscheiden sich je nach Stadium:

  1. Frühstadium – Infektionsphase (erste Wochen nach dem Biss): Rötung der Bissstelle, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, ggf. leichtes Fieber und angeschwollene Lymphknoten, in einigen Fällen zusätzlich Lahmheit
  2. Stadium II – akute Phase (mehrere Wochen bis Monate nach Infektion): anhaltende Lahmheit und Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Fieber, Muskelverspannungen
  3. Stadium III – chronische Phase (mehrere Monate bis Jahre nach Infektion): Rheuma, Organschäden, chronische Entzündungen der Muskeln und Gelenke, Hufrehe, Ataxie, Headshaking

Sie sehen, wie vielseitig das Krankheitsbild aussieht. Darum ist es auch besonders wichtig, eine eindeutige Diagnose zu stellen. Diese findet in der Regel durch einen Antikörper-Test statt, welchen der Tierarzt durchführt. Jedoch hat dieser allein eine geringe Aussagekraft. Denn selbst wenn der Titer nachgewiesen wurde, bedeutet das noch nicht, dass das Pferd akut infiziert ist. Eine erneute Untersuchung einige Wochen später ist darum unabdinglich. Ist der zweite Wert höher als der erste, ist das ein deutlicher Hinweis.

Für eine akute Feststellung der Borreliose beim Pferd kann auch eine Blutuntersuchung sowie ein Erregernachweis durchgeführt werden. Dadurch grenzen Sie die Infektion von weiteren Krankheiten ab, die eine ähnliche Symptomatik aufweisen. So zum Beispiel Hufrehe und das Equine Cushing Syndrom.

Eine Akupunkturnadel wird am Rücken eines Pferdes angewandt

Foto: © Roland Gruenewald, Quelle: Adobe Stock

Behandlung: Was Sie tun können

Wird die Borreliose beim Pferd nicht behandelt, kann sie schwerwiegendere Folgen haben. Die Bakterien beginnen über die Zeit die inneren Organe und Nervensysteme anzugreifen. Hirnhaut- sowie Nervenwurzelerkrankungen, Lähmungen, Herzrythmusstörungen und mehr sind teils auf eine Infektion aus dem Zeckenbiss zurückzuführen. Sie sollten aber dennoch von anderen Ursachen abgegrenzt werden.

Wichtig ist vor allem, dass Sie so früh wie möglich handeln. Finden Sie eine Zecke auf Ihrem Pferd, behalten Sie die Bissstelle am besten im Blick. Wird der Erreger festgestellt, kann Ihr Veterinär ein Antibiotikum (i.d.R. Tetracyclin oder Doxycyclin) verordnen. Dieses hilft jedoch nur während der Wachstumsperiode der Bakterien. Auch eine gezielte Akupunktur beim Pferd unterstützt das Immunsystem und kann vorm Ausbrechen der Krankheit schützen.

Viel entscheidender als die Behandlung an sich ist aber das Vorbeugen. Denn ein gesundes und fittes Pferd hat in der Regel genügend Abwehrkräfte, um gegen die Borreliose anzukämpfen. Bei dieser Aufgabe unterstützen Sie unter anderem unsere hochwertigen Ergänzungsfutter für das Immunsystem.

Weitere Krankheiten durch Zecken beim Pferd

Zecken beim Pferd können auch Auslöser für andere Erkrankungen sein. Zunächst ist da die Anaplasmose abzugrenzen. Deren Symptomatik ist eingangs der Borreliose relativ ähnlich.  Jedoch neigen die Tiere außerdem zu hohem Fieber, Apathie und Blutungen an den Schleimhäuten. Diese ebenfalls parasitäre Infektion sollte frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden, um einer Schädigung des Zentralen Nervensystems vorzubeugen.

Deutlich seltener noch tritt die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auf. Dabei handelt es sich um ein Virus, das etwa 1 bis 5 % der Zecken im Süden Deutschlands in sich tragen. Während sie also relativ unwahrscheinlich ist, hat sie in der Regel einen schweren Verlauf und endet häufig tödlich. Typische Anzeichen sind:

  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Fieber
  • Schreckhaftigkeit
  • Zähneknirschen
  • Krampfanfälle, Zittern

Nach der Infektion gilt es in diesem Fall die Symptome zu bekämpfen. Dann kann es sein, dass das Pferd die Erkrankung übersteht. Während es für Menschen einen Impfschutz gibt, wurde dieser bisher für Pferde noch nicht entwickelt.

Zeckenschutz fürs Pferd: Wie Sie dem Ungeziefer vorbeugen

Wir haben eben schon die Impfung erwähnt. Während diese bisher nicht für FSME verfügbar ist, können Sie der Borreliose beim Pferd seit 2015 so vorbeugen. Das Besondere daran ist, dass der Stoff über Oberflächenproteine direkt in den Parasiten gelangt. Somit wird in diesem das Bakterium unschädlich gemacht, noch bevor es das Pferd erreicht.

Außerdem können Sie verschiedene Mittel einsetzen, um Zecken bei Pferden zu vermeiden. Denn wie Mücken fokussieren sich die Parasiten vor allem auf den Geruch. „Stinkt“ ein Tier ihrer Meinung nach, ist es unwahrscheinlicher, dass sie sich daran festsaugen. Äußerlich können Sie so zum Beispiel Kokos- oder Schwarzkümmelöl auftragen sowie zitrische Essenzen. Auch das Bestäuben mit Kieselerde ist unter Umständen sinnvoll. Achtung! Bei solchen Anwendungen sollten Sie offene Wunden und gereizte Stellen selbstverständlich aussparen.

Zudem kann der Zeckenschutz über die Nahrung aufgenommen werden. Dann wird der abwehrende Geruch in der Regel über die Hautdrüsen nach außen getragen. In unserem Magazin haben wir bereits beschrieben, wie Schwarzkümmelöl, Knoblauch oder Bierhefe dabei unterstützend wirken. Suchen Sie das passende Ergänzungsfutter? Dann schauen Sie am besten einmal in unserem Shop vorbei!

Aus dem Fell wird eine Zecke mit einer Zange entfernt

Foto: © DoraZett, Quelle: Adobe Stock

Zecken beim Pferd erkennen und entfernen

Ist es doch einmal passiert und Sie haben die Milbe am Pferd gefunden, sollten Sie möglichst schnell handeln. Denn es braucht einige Zeit, bis das Bakterium sich auf das Tier überträgt. Darum sprechen wir davon, dass ein Parasit innerhalb von 24 Stunden entfernt werden sollte. Dazu verwenden Sie am besten eine Zeckenzange, -karte oder -schlinge und setzen diese möglichst nah an der Haut an.

Wichtig ist dabei, dass Sie den Körper nicht quetschen. Das kann sonst dazu führen, dass die Zecke mehr Speichel abgibt und somit die Infektion beschleunigt wird. Sollten Sie den Kopf nicht entfernt bekommen, behalten Sie die Stelle am besten im Auge. In der Regel wird er von der Haut selbst abgestoßen. Entzündet sich das Ganze allerdings, ziehen Sie am besten einen Tierarzt zurate.

Zecken und Borreliose beim Pferd: kurz zusammengefasst

Immer wieder hört man, dass sich Zecken von Bäumen abseilen und so an die Körper von Wirbeltieren gelangen. Während sie zwar zu den Spinnentieren zählen, fühlen sie sich im hohen Gras und niedrigen Büschen deutlich wohler. Bewegen Sie sich also mit Ihrem Tier in einem solchen, sollten Sie sich beide danach am besten einmal gründlich absuchen. Vor allem die Schleimhäute sowie Körperfalten sind gern Verstecke des Ungeziefers.

Haben Sie eine Zecke gefunden, gilt es diese möglichst schnell zu entfernen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Behalten Sie danach die Einbissstelle am besten im Blick. So können Sie Borreliose beim Pferd sowie weitere Krankheiten frühzeitig erkennen. Das verbessert die Heilungschancen immens.

Weiterführende Links
www.zecken.de/de/die-zecke
www.zecken.de/de/wie-viele-zeckenarten-gibt-es
www.tiergesund.de/…/borreliose/
www.tierarzt-onlineverzeichnis.de/blog/die-borreliose-bei-pferden/
www.pferde.de/magazin/borreliose-beim-pferd-7-fakten-die-du-kennen-solltest/
www.parasitenportal.de/…/zecken-beim-pferd/
www.st-georg.de/wissen/gefaehrliche-blutsauger-zecken-am-pferd/
www.tsk-sachsen.de/…/191-die-borreliose-eine-bedrohung-fuer-pferde