Ständig von einem Bein auf das andere treten, den Kopf im Takt mit hin- und herwerfen, mit der Zunge spielen – kennen Sie das auch? Das sind Anzeichen, dass Ihr Pferd webt. Doch was bedeutet das eigentlich und was steckt hinter der Verhaltensstörung? Kann es behandelt werden und ist es eigentlich ansteckend? Das und mehr beleuchten wir in diesem Beitrag.

Definition: Wie sieht es aus, wenn ein Pferd webt?

An sich versteht man unter dem Weben erst einmal eine Verhaltensstörung, die unterschiedliche Ursachen haben kann – dazu aber gleich noch mehr. Beobachtet wird sie bei verschiedenen Tierarten, die in Gehegen, Ställen und Käfigen gehalten werden. So können Sie das Phänomen zum Beispiel auch bei Bären und Elefanten wahrnehmen. Die Symptomatik ist dabei immer ähnlich:

  • das Tier tritt ständig von einem Vorderbein auf das andere
  • der Kopf wird in einem gleichmäßigen Rhythmus hin und her geschwungen (abzugrenzen vom Headshaking)
  • die Vorderbeine werden weit auseinandergespreizt oder überkreuzt
  • die Tiere spielen mit der Zunge und lecken sich die Lippen
  • der Schweif bzw. Schwanz bleibt ständig in Bewegung

Wichtig: Nicht alle Anzeichen müssen zwangsweise gleichzeitig oder überhaupt auftreten. Das Weben beim Pferd bezeichnet an sich erst einmal die ständig wechselnde Belastung der Vorderhände. Die weiteren Symptome treten meist beim Fortschreiten der Störung zutage, müssen es aber auch nicht. Allgemein wirkt das Tier jedoch besonders unruhig und unzufrieden.

Jemand tastet die Fessel eines Pferdes ab

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Diagnose: Wann wird das Verhalten kritisch?

Es kann immer mal wieder vorkommen, dass ein Pferd webt. Dieses Verhalten ist an sich noch kein Grund zur Sorge und kann Teil einer normalen Reaktion sein. So tritt es manchmal auf, wenn Ihr Tier verunsichert ist. Testen Sie zum Beispiel im Gelände eine neue Strecke oder haben Sie den Stall gewechselt, sorgt das oft für Stress und kann ein entsprechendes Gebaren hervorrufen.

Jedoch sollten Sie am besten immer einen kritischen Blick auf die Ausdrucksweise Ihres Pferdes werfen. Denn treten die Verhaltensmuster immer häufiger auf, kann es sich um eine Störung handeln, die es zu erkunden gilt. Wir unterscheiden hierbei drei Stadien:

  1. Kurze Episoden des Webens, die sich aber relativ oft wiederholen (in Begleitung: oft Schlafstörungen)
  2. Das Pferd webt über längere Zeiträume, dafür aber seltener (in Begleitung: oft Schlafmangel und Konzentrationsprobleme)
  3. Das Verhalten zeigt sich fast ständig und kann nur noch durch äußere Einflüsse unterboten werden (in Begleitung: oft Schlafmangel, Futterverweigerung und gestörtes Sozialverhalten)

Um also das Fortschreiten der Störung zu stoppen und so auch Folgeschäden vorzubeugen, sollten Sie den Veterinär bereits bei den ersten Anzeichen zurate ziehen. Dieser wird Ihr Tier eingehend untersuchen und andere externe Faktoren ausschließen. Anschließend gilt es, die Ursache für das Weben beim Pferd ausfindig zu machen und diese nach Möglichkeit zu behandeln.

Ursachen: Warum weben Pferde?

Das Problem mit Verhaltensstörungen wie dem Headshaking, Koppen und auch Weben beim Pferd ist, dass ihre Ursachen meist vielseitig und unspezifisch sind. Neben einer genetischen Veranlagung spielt vor allem die Überreizung eine wichtige Rolle.

Ein Fohlen liegt neben seiner Mutter im Stroh

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Genetik: Ist das Weben vererbbar?

An sich kann jedes Pferd weben. Die Verhaltensstörung lässt sich nicht auf eine bestimmte Rasse beschränken. Jedoch haben Studien gezeigt, dass Vollblüter deutlich öfter zu dieser Auffälligkeit neigen. Kaltblüter hingegen sind am seltensten betroffen. Gleichzeitig scheint das Weben in gewissem Maße vererbbar zu sein.

Allerdings heißt das längst nicht, dass nur weil eines der Pferdeeltern webt, das Jungtier zwangsweise auch dazu neigt. In der Regel braucht die Veranlagung trotzdem einen Auslöser, um sich zu zeigen – dazu aber gleich noch mehr. Generell können Sie das Phänomen außerdem deutlich häufiger bei Dressur- und Rennpferden beobachten. Endurance-Reiter hingegen werden mit der Verhaltensstörung viel seltener konfrontiert.

Ein Pferd steht in einer Box und schaut nach draußen

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Stress, Frustration und Langeweile: Was sind noch Auslöser?

Als Hauptursache für das Weben beim Pferd nennen Tierärzte heute eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Diese kann durch unterschiedliche Reize ausgelöst werden und tritt ausschließlich bei Tieren auf, die von Menschen gehalten werden. In freier Wildbahn sind keine Fälle bekannt. Diese Erkenntnis allein kann schon etwas Aufschluss über die Ursachen dieses Verhaltens geben.

Oft basiert die Auffälligkeit auf Haltungsfehlern. Das bedeutet allerdings nicht, dass, nur weil Ihr Pferd webt, Sie gleich alles umstellen müssen. Im Gegenteil, das kann sogar den konträren Effekt haben und beim Tier mehr Stress auslösen, was den Verlauf verschlimmert. Denn Stress gilt als Hauptgrund für die Erkrankung.

Dieser wiederum kann verschiedene Ursachen haben, hier nur einige Beispiele:

  • kein Zugang zur Herde (z.B. bei Boxenhaltung oder während der Quarantäne)
  • langer Pausen zwischen der Fütterung
  • nicht genügend Auslauf
  • frustrierendes Training, undeutliche Signale
  • Ortswechsel

Kann das Pferd seinem Bewegungsdrang nicht nachgehen, mag es auch versuchen, über das Weben die Energie abzubauen. Gleichzeitig beginnen viele Tiere unruhig in der Box hin und her zu laufen. Wird es dann noch sehr energiereich gefüttert, wird es allgemein eher angespannt und beginnt im gegebenen Falle zu weben.

Entlang einer Stallgasse gucken einige Pferde aus ihren Boxen

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Ansteckung: Weben Pferde, wenn sie das Verhalten beobachten?

Eins vorweg: Nein, das Weben beim Pferd ist nicht ansteckend. Während die Herdentiere in der Regel durchaus dazu neigen, sich bestimmte Verhaltensmuster von ihren Artgenossen abzuschauen, tun sie das in der Regel nur, wenn es einen Nutzen hat. Da dieses spezifische Verhalten aber dem Abbau eines Energieüberschusses dient oder Symptom einer Reizüberflutung ist, wird es nicht übernommen.

Dennoch beobachten Sie vielleicht, dass in Ihrem Stall mehrere Pferde weben. Die Ursache dafür ist, dass die Haltungsbedingungen wahrscheinlich die gleichen sind. Das bedeutet, dass auch diese Tiere z.B. wenig Kontakt zu Artgenossen haben oder unter Bewegungsmangel leiden. Das kann dann dazu führen, dass diese auch die gleichen Muster an den Tag legen.

Allerdings heißt das wiederum nicht, dass jedes Pferd, dass unter diesen Bedingungen lebt, zu weben beginnt. Wir haben oben schon beschrieben, dass hierbei einerseits die Genetik eine große Rolle spielt. Andererseits haben sie alle ihr individuelles Wesen und sind mehr oder weniger anfällig für Stress, Frustration und Langeweile.

Therapie: Was tun, wenn ein Pferd webt?

Leider gibt es bis heute keine einschlägige Behandlung. Vielmehr verhält es sich ein wenig so, wie wenn ein Mensch in Psychotherapie geht. Oft gilt es dabei zunächst die Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten ausfindig zu machen und diese dann entsprechend zu beheben oder aus einer anderen Sicht zu betrachten. Um zu verstehen, warum Ihr Pferd webt, versetzen Sie sich also am besten einmal in seine Rolle.

Beobachten Sie, was ein Auslöser für das Verhalten sein könnte, und ziehen Sie vielleicht auch einen Tierarzt, Physiotherapeuten oder Pferdeflüsterer zurate. Gerade außenstehenden Personen fällt es manchmal leichter, die Situation aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Probieren Sie dann Stück für Stück neue Ansätze aus.

Gegen Langeweile:

  • Abwechslung beim Training (z.B. Stangen mit einbauen, ohne Sattel reiten, Bodenarbeit)
  • Anreize zum Bewegen auf der Koppel schaffen (z.B. Paddock Trail)
  • für Beschäftigung in der Box sorgen (z.B. Bälle, Pferde-Spielzeug)

Gegen Stress:

  • viel Zuneigung geben
  • Regelmäßigkeiten und Routinen einführen
  • Futter zur Beruhigung (z.B. mit Baldrian, Melisse)

Wichtig! Testen Sie am besten immer eine Idee nach der anderen aus und geben Sie ihnen jeweils etwas Zeit. Meist brauchen die Tiere eine Weile, um sich an Neues zu gewöhnen. Nur wenn Sie diese einräumen, erkennen Sie, wann sich Ihr Pferd wohlfühlt und wann ein Ansatz nichts gebracht hat.

Eine Herde Isländer futtert aus einer Heuraufe

Foto: © Ingairis, Quelle: Adobe Stock

Fütterung: Wovon profitiert das Pferd?

Wir haben die Fütterung gerade schon ganz kurz angerissen. Wichtig ist hierbei im Allgemeinen natürlich, dass der Grundbedarf entsprechend gedeckt wird. In unserem Beitrag zur Futtermenge erklären wir, wie Sie diesen berechnen und auf Ihr Pferd anpassen. Wenn das Pferd webt, ist es außerdem wichtig, dass Sie auf ein energiearmes Müsli zurückgreifen. Alles andere würde den Bewegungstrieb noch ankurbeln.

Ist Stress die Ursache für die Verhaltensauffälligkeiten, können Sie zu speziellen Ergänzungsfuttern zur Beruhigung greifen. In unserem Online-Shop finden Sie eine große Auswahl an diesen, die Sie genau auf Ihre Situation abstimmen können. Sie alle sind mit hochwertigen Kräutern angereichert und dafür ausgelegt, das Nervengerüst zu stärken.

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Weiterführende Links
www.wikipedia.org/wiki/Weben_(Pferd)
www.ehorses.de/magazin/weben-pferd/
www.st-georg.de/wissen/das-pferd-webt-alles-was-sie-ueber-die-verhaltensstoerung-wissen-muessen/
www.mein-pferd.de/pferdegesundheit/frage-des-monats-weben/