Steht Ihr Pferd zähneknirschend vor Ihnen? Wird es unruhig, tänzelt oder rennt gar vor Ihnen weg? Ist es merklich angespannt, hat die Muskeln verkrampft und scheint allgemein nicht zur Ruhe zu kommen? All das sind Anzeichen für Stress beim Pferd. Doch was sind weitere Symptome? Was löst die Stimmungsveränderung eigentlich aus und wie können Sie Ihr Pferd beruhigen? Das und mehr verraten wir Ihnen jetzt!

Die Grundlagen von Stress: Zwei Formen unterscheiden

Bevor wir uns konkret dem Stress beim Pferd widmen, wollen wir einmal aufgreifen, was sich eigentlich hinter dem Wort verbirgt. Denn während wir es im Alltag relativ oft verwenden, um unseren eigenen Gemütszustand zu beschreiben, wissen wir doch eigentlich nur relativ wenig über das Phänomen.

Im Grunde handelt es sich hierbei um eine körperliche Reaktion (also z.B. Herzklopfen, Schweißausbrüche und Verspannungen) auf eine Bedrohung, die sowohl physisch als auch psychisch bedingt sein kann. Es ist eigentlich eine Gefahrenwahrnehmung – wir registrieren eine Bedrohung und reagieren darauf. Das ist bei Tieren nicht anders. Grundlegend unterscheiden wir darum zwei Arten von Stress bei Pferden:

Akuter StressChronischer stress
ZeitspanneKurzfristig (eine akute Bedrohung wird wahrgenommen)Langfristig (eine Bedrohung bleibt permanent bestehen)
ReaktionFlucht, Hormonausschüttung (Adrenalin und Noradrenalin) um Energiehaushalt zu stärkenDauerhafte Anspannung durch die erhöhte Aufmerksamkeit, Ergebenheitskomplex („fügen sich ihrem Schicksal“), Freisetzung des Stresshormons Cortisol
FolgenKurzzeitige Überlastung des Körpers, akute Symptome, die aber zurückgehen, sobald die Stressperiode vorbei istStörung des Immunsystems, gesundheitliche Schäden

Aus den Folgen können Sie es wahrscheinlich schon ablesen, aber wir wollen es an dieser Stelle noch einmal deutlich hervorheben: Leidet Ihr Tier unter Stress, sollten Sie schnellstmöglich handeln. Das heißt zuerst, dass Sie die Symptome wahrnehmen, die Quelle determinieren und dann entsprechend das Pferd beruhigen. Wie Sie das alles tun, erklären wir im Folgenden.

Stress bei Pferden erkennen

Pferde sprechen ihre ganz eigene Sprache, das ist den meisten Besitzern sowie Reitern klar. Doch nicht immer fällt es uns leicht, diese zu verstehen und richtig zu deuten. Darum haben wir hier einmal eine Liste an möglichen Symptomen für Stress zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen soll, festzustellen, ob Ihr Pferd gerade überfordert ist:

  • ständiges Schlagen mit dem Schweif
  • häufiges Wiehern
  • aufgeblähte Nüstern
  • mit den Zähnen knirschen
  • häufiges Gähnen
  • verkrampfter Kiefer
  • ständiges Ohrenbewegen
  • Falten an den Augen
  • ständiges Tänzeln bzw. allgemeine Unruhe
  • verkrampfte bzw. angespannte Muskeln
  • Zittern trotz äußerer Wärme
  • übermäßiges Schwitzen
  • Appetitlosigkeit bzw. ungewöhnliches Fressverhalten
  • schwaches Immunsystem bzw. ständige Erkrankungen
  • uncharakteristisches (ggf. aggressives, ruheloses) Verhalten

Treten mehrere dieser Anzeichen auf, ist es gut möglich, dass Ihr Pferd gestresst ist. Um diesen Verdacht zu bestätigen, können Sie gegebenenfalls auch ein Blutbild in Auftrag geben. Dieses lohnt sich aber eigentlich nur bei chronischem Stress, denn hier kann der Hormonhaushalt genau bestimmt werden und so auch die Ausschüttung von Cortisol. Adrenalin und Noradrenalin sind hingegen relativ kurzlebig und werden nur in akuten (wahrgenommenen) Gefahrensituationen ausgeschüttet.

Das Gähnen kann eine stressige Situation dieses Ponys bedeutet.

Pony gähnt. Es kann ein Zeichen von Stress sein.

Pferde sind Gewohnheitstiere: Auslöser für Stress

Eigentlich haben wir mit dieser einen Aussage schon den bekanntesten Grund für Stress zusammengetragen: Veränderungen in der Routine. Denn Pferde gewöhnen sich schnell an einen Tagesablauf und erwarten dann auch, dass dieser gleich bleibt. Neue Einflüsse hingegen führen schnell zu Stress und Unruhe. Doch welche Faktoren können genau dafür verantwortlich sein?

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Verletzungen als Ursache von Stress

Verletzungen spielen in zweierlei Hinsicht eine Rolle für das Wohlbefinden des Pferdes: Zum einen akut durch Schmerzen, zum anderen durch die Folgen, die sie in der Behandlung erfordern. Widmen wir uns zunächst ersterem: Vor allem innere Verletzungen an den Gelenken, aber auch Krankheiten an Organen sind für uns Menschen nicht immer leicht zu erkennen, bereiten dem Pferd aber Beschwerden.

Die anhaltenden Schmerzen führen in der Regel dazu, dass der Fluchtinstinkt ausgelöst wird und damit eine Stressreaktion eintritt. Wichtig ist es also, dass Sie sich den Pferdekörper genau ansehen und am besten einmal abtasten. Reagiert Ihr Tier an einer Stelle besonders empfindlich? Könnte zum Beispiel der Sattel nicht mehr richtig sitzen? Oder scheuert die Trense etwas? Können Sie keinen eindeutigen Zusammenhang feststellen, sollten Sie den Tierarzt kontaktieren, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Stellt dieser eine Erkrankung oder Verletzung fest, ist nicht selten Stallruhe eine der Folgen. Während diese die Heilung fördert, führt sie beim Pferd auch oft zu Langeweile, Einsamkeit und Separationsängsten. Diese sind wiederum Stressfaktoren und können eine körperliche Reaktion nach sich ziehen. Ist es also möglich, sollten Sie Ihr Pferd dennoch viel beschäftigen und ihm Anreize bieten.

Ernährungsbedingter Stress

Damit der Pferdekörper richtig funktioniert, benötigt er einige Nährstoffe. Diese sollten in der Regel durch das Futter geliefert werden. Jedoch kann es zu bestimmten Jahreszeiten oder auch aufgrund der Futterqualität zu Mangelerscheinungen kommen, die sich als Stress äußern. Eine besonders wichtige Rolle spielt hierbei Magnesium, da es für die Reizweiterleitung verantwortlich ist.

Zudem ist es gemeinsam mit der Aminosäure L-Tryptophan an der Bildung des Hormons Serotonin beteiligt. Dieser Neurotransmitter sorgt im Körper für Wohlbefinden und Ruhe. Wird er also nur mangelhaft gebildet, kann beim Pferd Gereiztheit und Übersensibilität auftreten. Prüfen Sie also am besten einmal das Kraft- und Raufutter auf mögliche Mängel.

Ortswechsel sorgt oft für Unruhe

Ob nun zum Turnier oder für einen permanenten Ortswechsel: Neue Umgebungen sorgen bei den meisten Pferden für Stress. Schon allein die Fahrt im beengten Hänger mit den vielen Umgebungsgeräuschen, die für das Tier nicht zuordenbar sind, bringt oft Angst mit sich. Um das Pferd beruhigen zu können, helfen in dem Fall meist nur pflanzliche Mittel oder auch ein intensives Training.

Eine Turniersituation bringt zudem insofern Stress mit, dass das Pferd durchaus die Anspannung des Reiters spürt, sich in einer völlig neuen Umgebung befindet und unter Leistungsdruck steht. Da können die Nerven schon einmal verrücktspielen. Die große Belastung, die außerdem auf den Pferdekörper ausgeübt wird, ist ein zusätzlicher körperlicher Reiz, dem es ausgesetzt wird.

Beim Umzug hingegen ist es nicht nur die neue Umgebung, sondern in der Regel auch neue Artgenossen. Das Pferd muss sich dann in der Herde erst neu etablieren und seinen Platz in der Rangordnung finden. Auch dieses Beweisen bzw. Fügen ist ein Stressfaktor. Führen Sie Ihr Tier darum am besten langsam an die neue Situation heran.

Neue Umgebungen sorgen bei den meisten Pferden für Stress. Ein Stallwechsel ist erst mal immer mit Stress verbunden.

Pferd wird durch streicheln beruhigt. Es hat Stress durch einen Stallwechsel.

Weitere Ursachen für Stress beim Pferd

Neben diesen Auslösern gibt es noch viele weiter Möglichkeiten, was Stress beim Pferd auslösen kann. So sind zum Beispiel tragende Stuten besonders anfällig, da sich ihr Hormonhaushalt während der Schwangerschaft verschiebt. Für einige Pferde ist zudem auch der Besuch des Tierarztes oder des Hufschmieds eine Herausforderung. Das kann zum einen daran liegen, dass das Tier negative Erfahrungen damit verbindet, zum anderen kann es auch einfach die fremde Person sein, die angsteinflößend wirkt.

Auch besonders intensive Trainingseinheiten, die zu körperlicher Erschöpfung führen sowie Veränderungen im Trainingsplan können bei sensiblen Pferden Stress nach sich ziehen. Umschwünge im Wetter, laute Geräusche und Schwankungen in der Temperatur sind ebenfalls oft Auslöser. In jedem dieser Fälle werden Sie unterschiedliche Maßnahmen ergreifen, um Ihr Pferd beruhigen zu können.

Das Pferd beruhigen: So gehen Sie vor

Wir haben bereits versucht Ihnen Anreize zu geben, wie Sie Ihr Pferd beruhigen, wenn der Stress in einer Situation akut wird. Diese wollen wir an dieser Stelle noch einmal näher betrachten und ergänzen. Eins vorab: Wichtig ist, dass Sie Geduld mitbringen und sich nicht selbst von Ihrem Tier stressen lassen. Denn das wird in der Regel den gegenteiligen Effekt haben.

Körpersprache beachtenLesen Sie die Körpersprache Ihres Pferdes – wo könnte es Schmerzen haben? Wo reagiert es empfindlich? Ist am Gang etwas zu erkennen? Ist ein bestimmter Bereich des Körpers besonders beschäftigt? Dann leiten Sie darauf abgestimmt Maßnahmen (Tierarztuntersuchung, gezieltes Training) ab.
Belohnend ArbeitenIntegrieren Sie regelmäßiges Training für bestimmte Situationen (z.B. Hänger) mit in den Ablauf und belohnen Sie auch kleine Schritte (z.B. Nähern an den Hänger ohne Scheuen).
Ruhe und GelassenheitBewahren Sie selbst die Ruhe und vermeiden Sie das Training, wenn Sie sich gestresst oder nervös fühlen – Pferde spüren das und werden Ihre Stimmung widerspiegeln.
Routinen bildenLegen Sie einen konkreten Tagesablauf fest und halten Sie sich daran – das ist vor allem nach einem Umzug wichtig, damit das Pferd eine Konstante hat, an der es sich orientieren kann. Das ist ein guter Beitrag, um das Pferd zu beruhigen.
Herdenzusammenhalt fördernPferde fühlen sich unter Artgenossen am wohlsten – die Kraft liegt für sie tatsächlich in der Menge. Achten Sie darum darauf, dass sich Ihr Pferd in der Herde wohl fühlt und mit seinen Nachbarn gut auskommt. Notfalls gilt es die Zusammenstellung der Herde zu ändern oder gar den Stall zu wechseln.
Beschäftigung und AbwechslungLangeweile ist oft ein Auslöser für Stress. Ist das Pferd nicht beschäftigt, kommt es auf dumme Ideen. Bieten Sie ihm darum Beschäftigungsmöglichkeiten (z.B. Spielzeuge, Paddock Trail und Co.)
Nährstoffreiche FütterungAchten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, die alle wichtigen Nährstoffe umfasst. Spezielle Ergänzungsfutter können beim Pferd Beruhigen zusätzlich helfen.

Handelt es sich um eine akute Stresssituation, können Sie zudem zu leichten Beruhigungsmitteln fürs Pferd greifen. Diese sollten möglichst pflanzlich zusammengesetzt sein, damit sie vom Körper besonders leicht aufgenommen werden. Typisch ist zum Beispiel der Zusatz von Hanföl, Lavendel oder Bach-Blüten, um das Pferd beruhigen zu können. Auf lange Dauer sollten Sie aber mit Training arbeiten, um das Tier ausgeglichener werden zu lassen.

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Quellen

https://www.netdoktor.at/krankheit/was-ist-stress-5266

https://www.cavallo.de/medizin/was-aufgeregten-pferden-natuerlich-hilft/

https://www.feinehilfen.com/gestresstes-freizeitpferd/

https://www.pferderevue.at/magazin/ausbildung/2015/10/cool_down_so_werdenausheissenoefenentspanntereitpferde.html