Heu, Stroh, Silage, Früchte und, und, und… Bei der Pferdefütterung gibt es viele Optionen und eine Menge an Futterauswahl. So viel, dass man schnell den Überblick verlieren kann – gerade was die Futterration angeht. Damit Sie immer die richtige Futtermenge fürs Pferd finden und Ihnen keine groben Fehler unterlaufen, geben wir Hinweise und Tipps rund ums Pferdefutter.

Warum die Futtermenge berechnet werden sollte

Was bei der Rinder- und Schweinehaltung schon lange gang und gäbe ist, findet nur langsam Einzug in die Pferdehaltung: die Berechnung der Futterrationen. Bei Pferden wird oft nach Gefühl gefüttert – in vielen Fällen ist das kein Problem, vor allem, wenn sich Reiter und Pferd in- und auswendig kennen. Allerdings kann es dadurch auch schnell zu fütterungsbedingten Mängeln kommen, die oft leider erst zu spät bemerkt werden.

Je nachdem, welche körperliche Leistung das Pferd täglich erbringt, wie groß und schwer es ist und ob es vielleicht irgendwelche einschränkenden Krankheiten hat, weicht die Futtermenge ab. Um angemessene Portionen zu bestimmen, raten wir Ihnen eine genaue Rationsberechnung durchzuführen.

Die Futtermenge wird aus verschiedenen Faktoren bestimmt.

Schritt für Schritt zur richtigen Futterration

Wie schon angedeutet, ist die Futtermenge von verschiedenen Faktoren abhängig und sollte ausgeglichen sein. Der Energie- und Nährstoffbedarf sollte entsprechend der Haltungsbedingungen, Rasse, körperlichen Leistung und dem Temperament gedeckt werden.

Unterschied Erhaltungsbedarf und Leistungsbedarf

Grundsätzlich wird in der Pferdefütterung zwischen Erhaltungs- und Leistungsbedarf unterschieden. Aus diesen zwei Werten setzt sich dann die gesamte Futtermenge zusammen.

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Der Erhaltungsbedarf

Der Erhaltungsbedarf umschließt zum einen den Grundumsatz eines Pferdes – das heißt: der Energiebedarf, den das Pferd bei vollkommener Ruhe, in einer thermoneutralen Umgebung mit einem leeren Magen-Darm-Trakt hat. Zum anderen umfasst er vitale Funktionen (Atmung, Kreislauf, Futteraufnahme und Spontan-Bewegungen), die ein Pferd braucht. Der Erhaltungsbedarf lässt sich folgendermaßen bezeichnen:

0,6 MJ DE/kg x m ^0,75

(DE = Digestible Energy – verdauliche Energie, 0,6 MJ = 143 kcal
m = Gewicht Pferd)

Übersetzt heißt das also, dass ein Pferd je Kilo Eigengewicht 0,6 MJ verdauliche Energie benötigt. Dieser Wert wird dann noch hoch 0,75 genommen, um den Erhaltungsbedarf zu decken. Das Ergebnis (dann auch gern umgerechnet in kcal) gibt die Futtermenge für ein Pferd im Ruhezustand an. Wir haben hier ein paar Beispiele zusammengestellt:

Eigengewicht des PferdesErhaltungsbedarf
500 kg63,44 MJ DE
550 kg68,14 MJ DE
600 kg72,75 MJ DE
650 kg77,23 MJ DE
700 kg81,65 MJ DE

Der Leistungsbedarf

Zum Erhaltungsbedarf kommt dann noch der Leistungsbedarf um die richtige Futtermenge fürs Pferd zu bestimmen. Letzterer umschließt körperliche Anstrengungen, Trächtigkeit, Laktation und Wachstum. Er ist so angelegt, dass die Nährstoffmenge ausreicht, um eine vermehrte Belastung zu ermöglichen. Hier gibt es keine generelle Formel. Der Leistungsbedarf muss individuell nach Pferd berechnet werden.

Tipp! Für die Ermittlung der richtigen Futtermenge gibt es einige Rechner im Internet zu finden, die alle entscheidenden Faktoren abfragen. Gerade für den Leistungsbedarf kann das sehr nützlich sein.

Das braucht das Pferd

Grundsätzlich setzt sich das Pferdefutter aus den Grundnährstoffen Eiweiß und pflanzlichem Fett zusammen.

Eiweiße

Die in den Eiweißen enthaltenen Aminosäuren sind wichtig für das Pferd. Ein Vierbeiner im Hochleistungsbetrieb sollte Futter mit einem etwaigen Eiweißgehalt von 10 bis 16 Prozent zu sich nehmen. Ein Pferd im Erhaltungsbedarf dagegen benötigt nur 0,5 bis 1 Gramm verdauliches Protein je Kilogramm Körpermasse. Fohlen und säugende Stuten benötigen mehr Eiweiß als erwachsene Hengste. Für sie gibt es eiweißreiches Spezialfutter, welches den zusätzlichen Bedarf abdeckt.

Achtung! Ein Eiweißüberschuss kann sich negativ auswirken und steht zusammen mit anderen Faktoren im Verdacht Hufrehe auszulösen.

Auf den Eiweißgehalt sollte im Futter geachtet werden.

Proteinüberschuss im Futter

Es ist besonders wichtig, dass der Energiebedarf des Pferdes abgedeckt wird. Leider haben die meisten Futter einen relativ hohen Protein-Energie-Quotienten (PEQ). Der PEQ gibt dabei einen Wert von verdaulichem Eiweiß (in Gramm) je MJ verdauliche Energie an. Da er meist zu hoch ist, bedeutet das, dass es hier oft zu Eiweißüberschüssen kommt. Betrachtet man den PEQ von Hafer (7,3 : 1) oder Ballensilage (10 : 1) sieht man, dass diese stark vom Wunschwert (5 : 1) abweichen. Futterstroh mit einem PEQ von 1,7 : 1 dagegen ist sehr geeignet für die Energieaufnahme, sollte allerdings nicht alleinig gefüttert werden.

Eine Ausnahme bilden Fohlen und säugende Stuten. Diese brauchen einen PEQ von 9,5 : 1. Hier bieten sich eiweißreiche Futter wie Sojaschrot mit einem PEQ von 28 : 1 als Ergänzung an.

Pflanzliche Fette und Öle

Sie sind die Energieträger, denn sie enthalten freie Fettsäuren, welche eine entzündungshemmende Wirkung haben, und Vitamine. Um das Futter aufzuwerten, empfehlen sich dabei besonders Maiskeim- und Sonnenblumenöl.

Futtermittel

Machen wir das Ganze ein wenig spezifischer. In der folgenden Tabelle haben wir die häufigsten Futtermittel und deren Futtermenge und wichtigsten Bestandteile zusammengestellt.

FuttermittelFuttermenge je 100 kg KörpermasseWichtige Bestandteile
Heu2,5 – 3 kgRaufaserreich, viele Ballaststoffe
Grassilage2 – 4 kgViele Vitamine (mehr als Heu)
Maissilage2 – 4 kgStärkereich, proteinarm
Hafer0,5 kgStärkereich, Mineralien, Vitamine, protein- und kolenhydratarm (ähnlich der Maissilage)
Luzerne, Klee1 – 4 kgProteinreich, leicht verdaulich, viel Kalzium und Magnesium
Gerste (gequetscht)0,5 kgStärkereich, mittleres Eiweiß, wenig Fett
Leinsamen0,1 kgVitamine, Mineralstoffe, Omega 3 und 6 Fettsäuren
Leinsamen0,2 kgVerdauungsanregend
Achtung! Nur angefeuchtet füttern

Das heißt, dass der Tagesbedarf eines Pferdes mit 600 kg Körpermasse bei mittlerer Arbeit mit folgender Futtermenge befriedigt werden kann: 5,5 kg Wiesenheu, 1,5 kg Futterstroh und 2,5 kg Hafer. Zusätzlich könnten Sportpferden 2 kg Ergänzungsmittel und 0,05 kg Mineralfutter gegeben werden.

Verhältnis Raufutter und Kraftfutter

Kraftfutter ist generell energiereicher als das Raufutter Heu. Das bedeutet, dass schwer arbeitende Pferde mehr Kraftfutter benötigen als meist ruhende Senioren. Ist ein Pferd im Ruhezustand kann es durchaus mit 100% Raufutter gefüttert werden. Alternativ können auch 10% durch Kraftfutter ersetzt werden.

Pferde, welche leichter Arbeit ausgesetzt sind, werden mit einem Raufutter-Kraftfutter-Anteil von 75 zu 25 gefüttert. Hart arbeitende Pferde dagegen erhalten ein Verhältnis von bis zu 55 zu 45. Bei besonders großer, intensiver körperlicher Aktivität kann das Verhältnis auch gern mal ausgeglichen ausfallen.

Achtung! Zu wenig Raufutter (Heu, Stroh, Heulage) kann Magen-Darm-Erkrankungen und Magengeschwüre befördern.

Pferde die mehr leisten, benötigen auch mehr Futter.

Fazit: Keine reine Bauchentscheidung!

Die richtige Futtermenge fürs Pferd zu finden ist also durchaus eine anspruchsvolle und auch wichtige Thematik. Es können aber quasi keine pauschalen Aussagen getroffen werden. Futtermenge-Rechner aus dem Internet sind hilfreich. Ansonsten ist Ihr Tierarzt natürlich auch immer ein guter Ansprechpartner, um abzuklären, ob Ihrem Liebling etwas in der Ernährung fehlt oder es ihm vielleicht doch “zu gut schmeckt”.

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Quellen

www.landwirt.com/Pferdefuetterung-Wie-viel-Futter-braucht-mein-Pferd,,10670,,Bericht.html
www.landwirtschaftskammer.de/…/futterrationen-berechnen.htm
www.pferdchen.org/…/Ration-berechnen.html
www.cavallo.de/…/pferdefutter-richtig-rationieren-wie-viel-futter-brauchen-pferde-taeglich.631930.233219.htm