Akupressur & Akupunktur beim Pferd

Beim Menschen ist eine Behandlung mit den kleinen, dünnen Nadeln inzwischen keine Seltenheit mehr. Aber wussten Sie, dass die Akupunktur fürs Pferd ebenfalls ein sehr sinnvolles Instrument sein kann? Gerade bei chronischen Beschwerden kann die Methode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin helfen. Was sich dahinter überhaupt verbirgt, was der Unterschied zur Akupressur ist und wann die Techniken eingesetzt werden, verraten wir Ihnen jetzt! 

Traditionelle Chinesische (Tier-)Medizin: Das steckt dahinter

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) beschäftigt sich schon seit mehreren Jahrtausenden mit dem menschlichen sowie tierischen Körper. Die Erklärung der alten Heiler: Durch den Körper fließen verschiedene Leitbahnen, die sogenannten Meridiane, durch welche die Lebensenergie Qi transportiert wird. Sind diese frei, bleibt der Organismus gesund. Befindet sich an einer Stelle eine Blockade, äußert sich das in Schmerzen und anderen Krankheitssymptomen.

Das mag im ersten Moment etwas abstrus und unverständlich klingen – geblockte Energien führen zu Krankheiten? Doch tatsächlich wurden mit den Methoden der TCM große Erfolge erzielt. Vor allem die Akupunktur beim Pferd (genau wie beim Menschen auch) konnte sich seit den 1950ern immer mehr in der westlichen Heilkunde etablieren. Dabei haben sich im Wesentlichen folgende Anwendungsgebiete ergeben:

  • Probleme mit der Bewegung, z.B. Lahmheit durch Verletzungen, Hufrehe, Hufrolle, Verspannungen der Muskulatur, Arthrose, Blockaden der Wirbelsäule
  • Beschwerden der inneren Organe, u.a. Magengeschwür, Rosseprobleme, Bronchitis, Sommerekzem
  • Chronische Probleme, darunter Allergien, bestehender Durchfall / Kotwasser, wiederkehrende Infekte
  • Auffälligkeiten im Verhalten, beispielsweise Unlust beim Fressen, Headshaking, Stress bei Transport, Umzug und Co.

 Dabei wollen wir an dieser Stelle einmal betonen, dass die Akupunktur beim Pferd nicht als alleinige Behandlung eingesetzt werden sollte – bzw. nur selten. Vielmehr geht es darum ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln, welches das Tier bestmöglich unterstützt. Hat es akute Beschwerden, sollten Sie unbedingt Ihren Veterinär einschalten. Dieser entwickelt mit Ihnen zusammen einen Therapieplan. Zögern Sie aber auch nicht, sich nach alternativen Methoden, wie der TCM, zu erkundigen und diese begleitend einzusetzen. 

Kennen Sie unseren Onlineshop  schon? Hier finden Sie Pflegeprodukte und Zusatzfutter für Ihr Pferd.

Akupunktur beim Pferd: Wenn Nadeln heilen

Kommen wir nun zur Akupunktur im Konkreten. Denn die TCM an sich besteht aus vielen Facetten, unter anderem die Verwendung von Heilkräutern sowie Ernährungslehre, physischen Übungen und eben mechanischen Einwirkungen auf den Körper. Die Akupunktur beim Pferd zählt zu letzterer Kategorie. Der Name verrät schon, was sich dahinter verbirgt: „acus“ (lat. Nadel) und „punctio“ (lat. Stechen). Es wird also mit einer Nadel in die Haut gestochen, um verschiedene Ergebnisse zu erzielen. Nachgewiesen wurden in klinischen Studien folgende Wirkungen:

  • Entspannung der Muskulatur
  • Schmerzlinderung
  • Entzündungshemmung
  • Immunstärkung

Pferd wird bei der Akupunktur mit einer Nadel in die Haut gestochen

Hier wird mit einer Nadel in die Haut gestochen

Die verwendeten Punkte sind dabei keinesfalls beliebig. Sie befinden sich auf den oben schon erwähnten Meridianen. Das Pferd hat davon 12 Stück – Konkretes dazu später noch mehr. Entlang dieser kann es zu Blockaden kommen, so beispielsweise am Bein durch eine Verletzung oder im Magen durch falsches Futter. Hier staut sich das Qi, kann nicht weiterfließen und führt so zu weiteren Beschwerden. Um diesen Stau aufzulösen, werden die Akupunkturnadeln gezielt entlang der betroffenen Stelle gesetzt.

Klingt Ihnen das zu abstrakt? Nachdem die westliche Medizin erkannt hat, dass die Nadeln zu helfen schienen, hat sie das Verfahren genauer unter die Lupe genommen. Dabei wurde festgestellt, dass durch die Behandlung der Neurotransmitter Serotonin sowie körpereigene Morphine ausgeschüttet wurden. Zudem können die naheliegenden Organe durch die Reizung stimuliert werden. So tritt die oben beschriebene Wirkung ein. 

Die Akupunktur beim Pferd – so läuft es ab

Entscheiden Sie sich dafür, Akupunktur beim Pferd einzusetzen, sollten Sie sich unbedingt die Hilfe eines ausgebildeten Therapeuten suchen. Denn bei dieser Prozedur wird die Hautbarriere durchstochen. Passiert dies willkürlich, kann das schwere Folgen haben. Ein Akupunkteur hingegen wird Ihr Tier entsprechend abtasten, um seinen Gesundheitszustand beurteilen zu können. Auch Informationen zu vorliegenden Verletzungen, chronischen Erkrankungen und zurückliegenden Beschwerden sind für ihn wichtig.

Erst dann wird er mit einem Diagnosestäbchen die Leitbahnen abtasten. Ein komplett gesundes Pferd sollte dabei keine Reaktion zeigen. Weicht das Tier jedoch aus oder fühlt sich sichtlich unwohl, deutet das auf eine Blockade hin. Der Akupunkteur dokumentiert diese Schmerzpunkte und trägt daraus eine Karte der zu behandelnden Stellen zusammen.

Wie lange die nachfolgende Behandlung andauert, liegt ganz daran, um welche Art von Beschwerden es sich handelt. Bei einer akuten Verletzung bzw. Krankheit kann schon nach wenigen Sitzungen das gewünschte Ergebnis erzielt werden. Bei chronischen Problemen hingegen ist es meist ein langwieriger Prozess, der der Linderung der Symptome gilt. Hier werden in festgelegten Intervallen immer wieder Behandlungen durchgeführt werden. 

Mit Diagnosestäbchen werden die Leitbahnen abgetastet

Mit Diagnosestäbchen werden die Leitbahnen abgetastet

Akupressur: stimulierende Druckpunkte

Nachdem wir die Grundlagen der Akupunktur beim Pferd vorgestellt haben, wollen wir diese Behandlung einmal von der Akupressur differenzieren. Der Ansatz ist dabei Grundlegend der Gleiche: Das gestaute Qi auf den Meridianen soll gelöst werden. Aber statt hierbei mit einer Nadel zu arbeiten, wirken Sie gezielt auf die betroffenen Stellen Druck aus.

Dabei reicht es oft schon aus, wenn Sie Ihren Finger nutzen, um einen der sage und schreibe 265 Heilpunkte anzuregen. Da sie hier weniger invasiv vorgehen, ist es durchaus auch für Laien möglich, eine Akupressur-Behandlung vorzunehmen. Wichtig ist, dass Sie sich zuvor gut mit dem Körper, den Meridianen und den speziellen Druckpunkten auseinandergesetzt haben. Ein Lehrgang zum Thema kann dabei sehr hilfreich sein. Wir können an dieser Stelle natürlich nur einen ersten Einblick geben. 

Akupressur beim Pferd

Akupressur: Hier reicht es oft schon aus, wenn Sie Ihren Finger nutzen

Akupunkturpunkte beim Pferd erkennen und nutzen 

Wir haben es eben schon erwähnt: Die Heilpunkte sind bei der Akupressur und der Akupunktur beim Pferd die gleichen. Wir sprechen davon, dass sich im Pferdekörper 12 Hauptleitbahnen befinden, die auf beiden Körperseiten symmetrisch verlaufen. Sie sind folgendermaßen unterteilt:

  • Blasenmeridian (Bl)
  • Dickdarmmeridian (Di)
  • Dünndarmmeridian (Dü)
  • Dreifacher-Erwärmer-Meridian (3E)
  • Gallenblasenmeridian (Gb)
  • Herzmeridian (He)
  • Lebermeridian (Le)
  • Lungenmeridian (Lu)
  • Magenmeridian (Ma)
  • Milz-Pankreas-Meridian (MP)
  • Nierenmeridian (Ni)
  • Pericardmeridian (Pc)

Wie bei der Akupunktur beim Pferd auch, können Sie damit beginnen, die Meridiane entlangzustreichen. Beobachten Sie dabei genau die Reaktion Ihres Pferdes und legen Sie an den jeweiligen Druckpunkten ein bisschen mehr Spannung auf. Diese Stellen lassen sich mit ein wenig Übung relativ leicht ausfindig machen, da es sich hierbei um kleine Kuhlen unter der Haut handelt.

Haben Sie einen ersten Eindruck gewonnen, wo Blockaden vorliegen könnten. Dann gilt es nun diese zu stimulieren. Dazu legen Sie einfach den Finger auf und pressen ihn für 30 Sekunden bis 2 Minuten in die Haut. Zur eingehenden Mobilisierung reicht eine halbe Minute konstanter Druck. Eine starke, beruhigende Behandlung umfasst 2 Minuten. Zum Austesten und Ausgleichen wenden Sie kreisende Bewegungen um den Punkt an und erhöhen Sie den Druck über eine Minute. 

Konkret: Was bewirkt Akupunktur beim Pferd?

Wir haben jetzt erklärt, warum die Akupunktur beim Pferd sinnvoll sein kann, wie Sie die verschiedenen Punkte finden und wie sie behandelt werden. Doch nun wollen wir einmal auf konkrete Beispiele zu sprechen kommen, damit Sie eine bessere Vorstellung bekommen, wann Sie eine solche Behandlung wie einsetzen können. 

Akupressur für den Bewegungsapparat

Viele Symptome sind ursprünglich in Problemen mit dem Pferderücken verankert. So kann eine Verspannung zum Beispiel generelles Unwohlsein, Trägheit und Probleme mit der Rittigkeit hervorrufen. Auch können sich Rückenschmerzen über Husten und Magenprobleme zeigen. Darum liegt ein guter Anfangspunkt der Behandlung hier.

Wollen Sie eine professionelle Akupunktur beim Pferd durchführen lassen oder sich selbst an die Akupressur des Rückens wagen, müssen Sie dabei verschiedene Meridiane und deren Akupunkturpunkte beachten. Wo Sie diese finden und was sie bewirken, haben wir in folgender Tabelle zusammengefasst:

Meridian & AkupunkturpunktLageAnwendung
Blasenmeridian 13 – Bl 13Hinter dem Schulterblatt, ca. 10 cm unterhalb der WirbelsäuleBei Lahmheit in der Vorderhand, Atemwegsproblemen (weiter zu Lu 7)
Blasenmeridian 23 – Bl 23Zwischen dem zweiten und dritten LendenwirbelSchmerzen im Sprunggelenk (weiter zu Ni 3)
Blasenmeridian – Bl 40Kniekehle des HinterbeinsBei Problemen mit Rücken und Hüfte
Nierenmeridian 3 – Ni 3Innenseite des Sprunggelenks

Probleme des Sprunggelenks, bei Mattheit und einem schwachen Immunsystem
Dünndarmmeridian 3 – Dü 3Auf dem GriffelbeinBei Muskelverspannungen im Genick sowie Rücken (weiter zu Ni 3)
Dickdarmmeridian – Di 4Innenseite des Vorderbeins, einige Zentimeter unter dem KarpalgelenkBei Schmerzen in der Vorderhand und/oder im Genick sowie bei Allergien und Atemwegsbeschwerden
Gallenblasenmeridian – Gb 32Kniescheibenhöhe am Hinterbein

Bei Beschwerden im Kniebereich

Akupressur für das allgemeine Wohlbefinden

Neben konkreten Problemen lässt sich die Akupressur beim Pferd auch vorbeugend einsetzen. Damit können Sie beispielsweise das Immunsystem stärken, die Muskulatur stimulieren oder auch für allgemeine Beruhigung sorgen. Hierfür gibt es ebenfalls spezifische Akupunkturpunkte am Pferd:

Meridian und AkupunkturpunktLageWirkung
Blasenmeridian – Bl 10Auf dem Atlasflügel, etwa 10 cm unter dem MähnenkammKonzentrationsfördernd, Lösen von Genickschmerzen
Lungenmeridian 7 – Lu 7Innenseite des Vorderbeins, ca. 10 cm über dem KarpalgelenkBeruhigend und stärkend, bei Atemwegsproblemen
Magenmeridian – Ma 36Äußeres Hinterbein, ca. 10 cm unter dem KarpalgelenkStärkung des Immunsystems, Appetitanregung, bei Atemwegsproblemen
Herzmeridian – He 7Am äußeren ErbsenbeinBeruhigung bei Herzrasen

Am Tag sollten nicht mehr als fünf Punkte akupressiert werden. Alles andere würde zu einer Überforderung führen. Konzentrieren Sie sich also am besten auf akute Beschwerden oder stimmen Sie die Behandlung auf konkrete Situationen ab. Steht zum Beispiel eine stressige Situation bevor, eignen sich Lu 7 und He 7. Zieht der Herbst ein und der Fellwechsel beginnt? Dann ist Ma 36 zur Stärkung des Immunsystems ein guter Start. 

Blockaden lösen: Für 30 Sekunden bis 2 Minuten die Finger in die Haut pressen.
Akupressur beim Pferd

Achtung: Fehler bei der Akupressur

Wir haben es eingangs schon erwähnt, wollen es hier aber noch einmal betonen: Führen Sie eine Akupunktur beim Pferd niemals selbstständig durch, wenn Sie darin nicht ausgebildet sind. Hier sollten Sie sich immer die Unterstützung eines Veterinärs oder Physiotherapeuten suchen. Bei der Akupressur hingegen ist das etwas anders.

Bei dieser Technik können Sie sich ein wenig ausprobieren. Unsere Empfehlung: Beginnen Sie mit einem sehr leichten Druck. So stärken Sie die Verbindung zu Ihrem Pferd und gewinnen sein Vertrauen. Haben Sie die richtigen Punkte gefunden, können Sie beginnen, diese sanft zu behandeln. Beobachten Sie Ihr Tier dabei genau und prüfen Sie seine Reaktion.

Leidet Ihr Pferd unter chronischen Beschwerden, kann die regelmäßige Akupressur helfen, um die Symptome zu mildern. Unterstützen Sie es zusätzlich durch hochwertiges Mineralfutter und einen abgestimmten Trainingsplan, kann das die Lebensqualität um ein Vielfaches steigern.

Weiterführende Links
https://www.mein-pferd.de/pferdegesundheit/akupunktur-heilende-nadeln/
https://www.dr-heike-koelle.de/show_content_119.1.Akupunktur.html
https://360gradpferd.de/akupressur-fuer-pferde/
http://www.pferde-pferderassen.de/pferde-akupressur.php
https://www.animal-inhalation.de/akupressur-pferde-atemwegsbeschwerden/
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-Akupunktur-und-Akupressur-bei-Schmerzen-helfen,akupunktur136.html

 

Keine Kommentare zu “Akupressur & Akupunktur beim Pferd”

Die Kommentarfunktion wurde geschlossen.