Wenn der Sommer langsam seinen Höhepunkt erreicht, die Hitze beinahe unerträglich wird und die Sonne erbarmungslos auf die Erde prallt, decken sich viele Menschen mit Sonnencreme ein. Doch nicht nur wir leiden darunter, sondern auch unsere Vierbeiner. Wir wollen Ihnen darum in diesem Beitrag erklären, wie Sie den Sonnenbrand beim Pferd erkennen, was Sie dagegen tun können und wie Sie ihm vorbeugen. Erfahren Sie hier mehr!


Was ist Sonnenbrand eigentlich?

Bevor wir uns konkret mit dem Sonnenbrand beim Pferd beschäftigen, wollen wir das Phänomen einmal näher untersuchen. Denn wissen Sie, wie und warum die Haut eigentlich „verbrennt“? Im Grunde handelt es sich dabei erst einmal um eine Entzündung der Haut, welche dann auftritt, wenn zu viel UV-B-Strahlung auf diese trifft.

Die UV-B-Strahlung an sich macht nur einen geringen Teil des ultravioletten Lichts in einem Spektrum von 280 nm bis 315 nm aus. Diese kurzwellige Strahlung kann, wenn sie intensiv genug ist, die Hautzellen beschädigen und löst eine akute Entzündung aus. Meist geht das auch mit einer Rötung einher, welche ausgelöst wird, wenn sich die Blutgefäße um die entzündete Stelle herum weiten. Allgemein werden die Flächen stärker durchblutet, weswegen ein Sonnenbrand oft auch warm und leicht geschwollen ist.

Übrigens: Die Intensität der UV-B-Strahlung variiert je nach Standort sowie Jahres- und Tageszeit. Besonders stark ist sie im Sommer, in hohen Lagen, nahe reflektierender Oberflächen wie beispielsweise Wasser, am Äquator und zur Mittagszeit. Umso mehr dieser Faktoren zusammenkommen, desto höher ist auch das Risiko für einen Sonnenbrand beim Pferd.

Sonnenbrand bei Pferden erkennen

Leider bleibt der Sonnenbrand bei Pferden häufig unentdeckt, denn die betroffenen Hautstellen werden oft von Fell überdeckt. Bemerkt der Reiter doch eine Rötung, wird sie relativ oft einer allergischen Reaktion oder einem Ausschlag zugeschrieben. Wie Sie also erkennen können, ob sich Ihr Tier verbrannt hat, erklären wir jetzt!

Symptome richtig deuten

Sonnenbrand bei Pferden kann sich ganz unterschiedlich äußern. Dabei wird grundsätzlich in drei Stufen unterschieden. Je nachdem, wie lange das Tier der intensiven Sonnenstrahlung ausgesetzt war und wie empfindlich seine Haut ist, kann die Schwere der Verbrennung variieren. Grob werden sie folgendermaßen unterschieden:

  • 1. Grad: leichte Hautrötung, Schmerzen bei Berührung der betroffenen Stellen
  • 2. Grad: sehr starke Hautrötung und Blasenbildung
  • 3. Grad: großflächige Rötung, schuppige, schälende Haut und Blasen

Während Sie einen leichten Sonnenbrand (Grad 1) auch gut selbst behandeln können, sollten Sie sich besser an einen Tierarzt wenden, sobald Sie Bläschen feststellen. Unbedingt behandelt werden sollte eine Verbrennung der dritten Stufe, denn diese kann auch mit einer Entzündung und gar Fieber einhergehen.

Wo tritt er am häufigsten auf?

Der Sonnenbrand beim Pferd betrifft besonders jene Hautareale, die nur gering pigmentiert sind und/oder Stellen, an denen kaum Fell wächst. Konkret bedeutet das, dass der Kopf besonders gefährdet ist. Sonnenbrand kann an den Nüstern, um die Augen, an Blessen und auf der Stirn auftreten. Aber auch die Kuppe, der Schweifansatz, der Rücken und die Fesselbeuge sind nicht selten betroffen.

Einige Pferderassen sind dabei deutlich häufiger von einem Sonnenbrand betroffen als andere. So sind vor allem jene gefährdet, deren Haut sehr hell, schon fast rosa unter dem Fell ist. Sogenannte Cremello, Smokey Cream oder Perlino Pferde werden oft auch für Albinos gehalten, weil ihre Haut so hell ist. Jedoch haben sie blaue Augen.

Hingegen ist es ein Mythos, dass Schimmel leichter einen Sonnenbrand bekommen als Rappen oder Braune. Die Hautfarbe unter dem Fell ist nämlich bei den weißen Pferden durchaus fast schwarz und sehr stark pigmentiert. Bei diesen Rassen ist die Anfälligkeit also gleich und vor allem von den Umgebungsfaktoren abhängig.

Sonnenbrand auf den hellen Nüstern kommen häufiger vor.

Pferde mit heller Haut erleiden schneller einen Sonnenbrand.

Haut verbrannt – und jetzt?

Haben Sie bemerkt, dass sich die Haut Ihres Pferdes verbrannt hat? Dann ist es an der Zeit Ihrem Tier helfend zur Seite zu stehen. Im Grunde gehen Sie hierbei ähnlich vor, wie Sie es bei einem Menschen auch tun würden. Essentiell sind:

  • Kühlung: Wie bei jeder Verbrennung hilft diese die Haut zu beruhigen.
  • Wasser: Nach einem Sonnenbrand hat das Pferd einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf.
  • Schatten: Weitere Sonne sollte unbedingt gemieden werden.
  • Cremes: Zur Regeneration der Haut empfehlen sich Wundheilsalben (keine fetthaltigen Cremes, diese behindern die Wärmeabgabe).

Tipp! Der Unterschied zwischen Kühlmittel und Haut sollte nicht zu intensiv sein. Eis eignet sich zum Beispiel nicht, denn dadurch riskieren Sie eher eine Kälteschädigung. Stattdessen arbeiten Sie am besten mit einem sehr sanften Wasserstrahl, kühlenden Gels oder feuchten Umschlägen. Sind letztere stark erwärmt, ist es an der Zeit sie auszuwechseln.

Sonnenbrand beim Pferd vorbeugen

Vorsicht ist besser als Nachsicht, so sagt man ja immer. Und auch beim Sonnenbrand ist das auf jeden Fall wahr. Schon mit einigen kleinen Maßnahmen können Sie Ihr Pferd erfolgreich vor der schmerzhaft verbrannten Haut schützen. Wie das genau geht und was Ihre Möglichkeiten sind, erfahren Sie jetzt!

Immer ein schattiges Plätzchen

Ob nun auf der Weide, im Stall oder auch beim Training: Gönnen Sie Ihrem Pferd etwas Schatten. Denn das ist die beste Variante, um es vor einem Sonnenbrand zu schützen. Bäume sind dabei der natürlichste Weg und sind idealerweise ohnehin auf und um die Koppel herum zu finden. Ist bei Ihnen diese Möglichkeit nicht gegeben, können Sie zum Beispiel ein Sonnensegel spannen, um so eine schattige Fläche zu schaffen.

Aber Achtung! Auf einer Weide sollte es mehrere schattige Bereiche geben. Denn sonst kann es passieren, dass die Tiere, die in der Rangfolge weit unten stehen, dauerhaft vertrieben werden und in der brennenden Sonne stehen müssen.

Der Schattenplatz für Pferde kann auch unter Bäumen sein.

Wichtig ist der Schattenplatz für die Pferde. Bäume dienen dazu auch sehr gut.

Decken, Netze und Co.

Inzwischen gibt es einige Lösungen, die einen Sonnenschutz direkt auf das Pferd bringen. So können Sie beispielsweise zu Halftern greifen, welche mit einem feinen Netz bespannt sind und so den Kopf vor Sonne schützen sollen, ohne die Sicht groß einzuschränken. Jedoch werden diese leider nicht von allen Pferden akzeptiert und haben überhaupt nur einen relativ geringen UV-Schutz.

Um den Sonnenbrand beim Pferd an den Fesseln vorzubeugen, eignen sich Bandagen und Springglocken. Achten Sie hierbei unbedingt darauf, dass das Material auch wirklich UV-beständig ist.

Zudem kann es bei besonders empfindlichen Hauttypen auch sinnvoll sein, den ganzen Körper zu schützen. Dafür können Sie Ganzkörperdecken einsetzen. Diese sind bestenfalls lichtundurchlässig und haben eine reflektierend Oberfläche, behindern aber die Wärmezirkulation kaum. Oft trifft das auch auf Ekzemerdecken zu. Was Sie sonst bei der Auswahl beachten müssen, haben wir in einem anderen Beitrag über Fliegendecken festgehalten.

Ein Pferd mit Fliegendecke

Die Fliegendecke für Pferde dient auch als Sonnenschutz. Die Maske schützt das Gesicht.

Sonnencreme fürs Pferd

Wenn Sie sich selbst vor Sonnenbrand schützen wollen, werden Sie wohl in der Regel zur Sonnencreme greifen. Solche Mittel gibt es auch speziell für Pferde. Sie sind dann – im Gegensatz zu vielen menschlichen Produkten – frei von Duft- und Konservierungsstoffen und so für die Haut, aber auch die Nase und das Fell besonders leicht verträglich.

Doch worauf gilt es beim Sonnenschutz fürs Pferd zu achten? Wie bei uns Menschen wird dieser in unterschiedliche Lichtschutzfaktoren untergliedert. Diese bedeuten aber nicht, wie leider oft fälschlicherweise angenommen, dass eine Creme mehr UV-B-Strahlen abblockt, sondern sagt etwas über die Länge des Schutzes aus. So wird die Eigenschutzzeit mit dem Lichtschutzfaktor multipliziert. Kann die Haut also selbstständig der Sonne für 10 Minuten standhalten, kann sie es mit einer Creme mit LSF von 15 für 2,5 Stunden (10*15 = 150 Minuten).

Das bedeutet für Sie: Ein höherer LSF ist nicht zwingend besser. Denn wenn das Pferd eh nur 2,5 Stunden am Stück draußen verbringt, braucht es auch keine intensivere Creme. Diese kann nämlich im Gegenteil auch die Haut reizen. Schließlich wurde hier eine höhere Konzentration des Schutzkonzentrats verarbeitet, auf welches eine empfindliche Haut reagieren kann. Prinzipiell verwenden Sie die Präparate aber wie beim Menschen auch: Einfach auf die empfindlichen Stellen auftragen, einreiben und etwas einziehen lassen. So ausgestattet kann der sommerliche Ausritt wieder voll genossen werden.

Quellen
https://www.netdoktor.de/hautpflege/lichtschutzfaktor/
https://www.tipps-zum-pferd.de/sonnenbrand-beim-pferd_tipp_48.html
http://www.das-eigene-pferd.de/2017/08/16/pferd-sonnenbrand/
https://pferde.world/sonnenbrand-bei-pferden/