Fieber beim Pferd tritt ähnlich auf, wie bei uns Menschen. Es ist eine Reaktion auf eine Infektion oder Entzündung. Doch wissen Sie eigentlich, wie Sie die erhöhte Temperatur erkennen? Und wie Sie sich dann am besten verhalten? Sollte Fieber bekämpft werden? Wann müssen Sie den Tierarzt aufsuchen? Diese und viele weitere Fragen klären wir jetzt.

Symptome: Fieber beim Pferd erkennen

Bei Menschen ist der Fall klar: Hand auf die Stirn und zum Fieberthermometer gegriffen. Doch wie können Sie Fieber beim Pferd feststellen? Dafür müssen Sie zunächst den Ausgangszustand kennen. Wenn Sie sich gut mit Ihrem Tier vertraut machen, werden Sie Veränderungen schnell feststellen und entsprechend handeln können. Typische Anzeichen für eine erhöhte Temperatur sind unter anderem:

  • Apathisches, teilnahmsloses Verhalten
  • Anhaltendes Schwitzen
  • Warme Ohren
  • Bewegungsunlust
  • Lautes Atmen, Husten
  • Geschwollene/angelaufene Beine
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • Seltenes Trinken
  • Dunkler Urin

Stellen Sie eines oder mehrere dieser Symptome fest, kann das ein deutlicher Hinweis auf Fieber sein. Um diese Diagnose aber wirklich sicher stellen zu können, müssen Sie die Temperatur messen. Wie das genau geht, verraten wir im Folgenden.

Diagnose: Fieber messen beim Pferd

Ein völlig gesundes Pferd hat eine Körpertemperatur zwischen 37 und 38,2 °C. Ab 38,5 °C sprechen wir von Fieber, ab 41 °C bewegt es sich in einem gefährlichen Bereich. Dabei ist übrigens immer die innere Temperatur gemeint und entsprechend sollte sie auch gemessen werden. Konkret bedeutet das, dass ein Fieberthermometer in den After eingeführt wird. Hier gilt es einiges zu beachten.

Stellen Sie sich seitlich neben die Hinterbeine um die Temperatur des Pferdes zu messen.

Wie messen Sie Fieber beim Pferd?

Die meisten Pferde werden erst einmal unruhig reagieren, wenn Sie versuchen Fieber zu messen. Darum ist es wichtig, dass Sie sich immer seitlich neben die Hinterbeine stellen. Sollte das Tier ausschlagen, sind Sie so nicht in der Gefahrenzone. Suchen Sie sich am besten zudem einen Helfer, der Sie unterstützt. Dieser stellt sich an den Kopf und hält das Halfter fest. Er kann auch mit Streicheleinheiten und einer beruhigenden Stimme für Ablenkung sorgen.

Wollen Sie nun das Fieberthermometer einführen, gehen Sie dabei auf jeden Fall ruhig vor. Am besten nutzen Sie etwas Wasser oder Pflanzenöl, um Verletzungen zu vermeiden und das Ganze etwas angenehmer zu gestalten. Ist es einmal drin, halten Sie das kleine Gerät unbedingt gut fest – vor allem, wenn Sie ein herkömmliches Modell für Menschen verwenden. Es kann sonst schnell in den Darm geraten und muss dann operativ entfernt werden.

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Wann sollten Sie (nicht) Fieber messen?

Hat das Fieberthermometer einen Wert ausgegeben, sollten Sie diesen am besten immer ein zweites Mal auf Richtigkeit prüfen. Dafür warten Sie einfach einige Minuten. So können Sie Messfehler ausschließen. Außerdem sollten Sie bedenken, dass die Temperatur in manchen Situationen automatisch ansteigt.

Das ist zum Beispiel, wie bei Menschen auch, abends der Fall. Um also Fieber beim Pferd sicher festzustellen, messen Sie am besten abends. Zudem kann ein anstrengendes Training auch dazu führen, dass die Körpertemperatur erhöht ist. Warten Sie also mindestens eine Stunde, bevor Sie zum Thermometer greifen. Allgemein sind bei Fohlen höhere Werte normal – auch 38,5 °C sind hier noch nicht bedenklich. Ab etwa 39 °C erst spricht man dann von Fieber.

Übrigens: Die Temperatur kann fälschlicherweise auch niedriger wahrgenommen werden. Das ist zum Beispiel häufig nach rektalen Untersuchungen der Fall. So etwa bei dem Verdacht auf Kolik oder Trächtigkeit. Warten Sie nach einer solchen am besten eine Viertelstunde, um ein zuverlässiges Ergebnis zu erzielen. Außerdem bekommen viele Pferde Fieberschübe. Messen Sie darum am besten mehrmals am Tag und über mehrere Tage hinweg – so können Sie sicherstellen, dass es sich nicht nur zwischen zwei Temperaturhochs befindet.

Ursachen: Was bedeutet Fieber beim Pferd?

Fieber beim Pferd ist keine eigenständige Krankheit, vielmehr handelt es sich um ein Symptom einer solchen. Denn der Körper erhöht die eigene Temperatur, um eine Infektion oder eine Entzündung zu bekämpfen. Um also die Werte wieder zu senken, gilt es zunächst die Ursache ausfindig zu machen – und davon gibt es einige.

Infektionen und andere Erkrankungen

Am häufigsten ist Fieber beim Pferd auf eine Infektion zurückzuführen. Hierbei dringen Erreger wie Viren, Bakterien, Pilze oder auch Parasiten in den Körper ein. Die erhöhte Temperatur soll dann dafür sorgen, diese abzutöten. In der Regel muss sie dann auch nicht behandelt werden und sinkt mit der Genesung von selbst wieder ab. Vorbeugend ist es selbstverständlich wichtig, regelmäßig eine Wurmkur durchzuführen.

Eine erhöhte Temperatur ist meist auf eine Infektion zurück zu führen. Beispielsweise Viren.

Neben Infektionen können auch Allergien Fieber auslösen. Denn der Körper erkennt spezifische Stoffe hier als Krankheitserreger und reagiert entsprechend. Ähnlich verhält es sich auch bei Giftstoffen, welche durch die erhöhte Temperatur zersetzt werden sollen. Seltener sind es Tumore, die diese Reaktion auslösen. Sie können nämlich sogenannte Pyrogene erzeugen, welche dem Körper signalisieren, dass er wärmer werden soll.

Übrigens: Auch Verstopfungen können zu einer erhöhten Körpertemperatur führen. Diese ist aber meist regional begrenzt und dient dazu, den feststeckenden Kot zu lösen. Hierbei handelt es sich also nicht um Fieber im eigentlichen Sinn.

Hitzschlag & hohe Belastung

Nicht selten wird auch ein Hitzschlag als Fieber beim Pferd diagnostiziert. Das stimmt so aber eigentlich nicht, denn hier ist keine Infektion oder Ähnliches die Ursache. Stattdessen ist es wirklich die Temperatur selbst, die gefährlich wird. Liegt ein Tier zu lange in der prallen Sonne oder wird es beim Training überlastet, kann die Körpertemperatur gefährlich hoch werden. Wichtig ist es hier, schnell zu handeln und für Abkühlung zu sorgen, da ein Hitzschlag unbehandelt tödlich enden kann.

Aber Achtung! Eine gewisse Erhöhung der Körpertemperatur ist beim Training auch normal. Bis zu 40 °C können dem Stoffwechsel zugeschrieben werden. Denn hier wird viel Energie produziert, welche zu Teilen in Wärme umgesetzt wird. Ab 41 °C jedoch überschreitet es einen kritischen Wert und es wird von einem Hitzschlag gesprochen.

Können Sie das Fieber nicht direkt einem Auslöser zuordnen und steigt es über 40 °C, gilt es schnellstmöglich den Tierarzt zu rufen. Denn eine schnelle Behandlung ist vor allem bei Vergiftungen, aber auch beim Hitzschlag und Co. wichtig. Steigt die Temperatur nur leicht, beobachten Sie diese. Meist handelt es sich dann nur um einen kleinen Infekt. Haben Sie dennoch Bedenken, gehen Sie aber immer lieber auf Nummer sicher!

Behandlung: Wie senken Sie Fieber beim Pferd?

Während das Fieber im Grunde erst einmal eine ganz natürliche und auch sinnvolle Reaktion des Körpers ist, kann es langfristig gefährlich werden. Denn meist nehmen die Tiere vermindert Wasser und Nahrung auf. Das kann zu Verdauungsstörungen und Dehydration führen. Diese wiederum können Koliken, Nieren- und Herzprobleme zur Folge haben. Darum ist es wichtig, dass Sie bei anhaltendem Fieber etwas dagegen unternehmen:

  1. Tierarzt rufen: Dieser kann Krankheiten feststellen und eine Therapie vorschlagen.
  2. Kühlen: Suchen Sie einen schattigen, kühlen Ort. Legen Sie ggf. eine Abschwitzdecke auf, falls Ihr Pferd stark transpiriert.
  3. Ruhe geben: Bei Fieber ist Ausruhen wichtig. Am besten gewähren Sie dem Pferd etwas Boxenruhe oder einen abgetrennten Paddock – aber immer so, dass es die Artgenossen noch sieht und riecht.

Um das Pferd zu kühlen wird der Schweiß abgewaschen.

Haben Sie diese ersten Schritte ausgeführt, gilt es das Pferd bestmöglich zu unterstützen. Besonders wichtig ist, dass es viel Wasser zu sich nimmt. Denn durch das Ausschwitzen verliert es viel Flüssigkeit. Möchte es nicht trinken, können Sie auch etwas Apfel- oder Bananensaft hinzugeben. Auch Hausmittel, die Sie vielleicht von sich selbst kennen, können bei Pferden helfen, die Temperatur zu senken:

  • Kalte Beinwickel: Einige Geschirr- oder Handtücher in kühles Wasser tränken und mit einem Verband am Bein befestigen.
  • Abduschen: Waschen Sie Schweiß ab und kühlen Sie den Körper dadurch gleichzeitig leicht ab (Achtung: Kein kaltes Wasser verwenden!)

Messen Sie weiterhin die Temperatur regelmäßig. In der Regel sollte sich innerhalb weniger Tage eine Besserung verzeichnen lassen. Ist das nicht der Fall, kontaktieren Sie (erneut) den Tierarzt. Eventuell wird dieser auch Medikamente wie Antibiotika verschreiben.

Weiterführende Links
https://www.tiergesund.de/krankheiten/pferd/fieber-erkennen
https://www.tierspital.uzh.ch/de/Pferde/Pferdemedizin/Dienstleistungen/Infektionen/1-Fieber.html
https://www.reiterrevue.de/ausbildung-und-praxis/gesundheit/neun-fakten-zum-fieber-beim-pferd-alles-auf-abwehr-9186778.html