Manchmal ist sie einfach unumgänglich: Während die Boxenruhe beim Pferd oft Langeweile zur Folge hat, ist das isolierte Stehen bei einigen Verletzungen notwendig. Doch wann ist das der Fall? Darf das Tier sich wirklich gar nicht bewegen? Und wie beschäftigen Sie es dann? Müssen Sie auch die Fütterung anpassen? Diesen und weiteren Fragen widmen wir uns in diesem Beitrag.

Was bedeutet Boxenruhe fürs Pferd?

Verordnet der Tierarzt eine Boxenruhe fürs Pferd, ist das meist nach einer OP oder einer schweren Verletzung der Fall. Denn hierbei handelt es sich wirklich nur um ein notwendiges Übel – wenn es irgendwie geht, sollte die Boxenruhe möglichst vermieden werden. Schließlich sind Pferde Herdentiere, die Isolation allein bekommt ihnen nicht allzu gut. Zudem sind sie in der freien Wildbahn täglich mehrere Kilometer unterwegs – der Stillstand geht also wider den natürlichen Instinkten.

Pferd mit Verletzung benötigt nach Behandlung eine Boxenruhe

Doch das ist längst nicht alles: Die Box wird den Tieren schnell langweilig. Die Energie kann nicht richtig abgebaut werde, der Kopf strengt sich nicht ausreichend an und so kommen einige Pferde auf Übersprungshandlungen. Sie beginnen zu Scharren und gegen die Türen zu treten. Auch mit Futtereimern und allem, was nicht festgenagelt ist, wird gern gespielt.

Um das zu verhindern, sollte eine Boxenruhe fürs Pferd nicht das bedeuten, was viele dahinter zuerst vermuten mögen: völliger Stillstand. Stattdessen kann das Pferd bei vielen Krankheiten durchaus bewegt werden. Das sollte aber nicht nur in Absprache mit dem Tierarzt stattfinden, sondern auch stark kontrolliert ablaufen. Soll Ihr Tier wirklich einmal weitestgehend still stehen, können Sie im Übrigen dennoch für eine mentale Auslastung in der Box sorgen – dazu aber gleich noch mehr.

Wann ist eine Boxenruhe notwendig?

Wir haben es eben schon erwähnt: In den meisten Fällen wird der Tierarzt eher ungern eine Boxenruhe fürs Pferd verschreiben. Doch es gibt einige Krankheiten und Verletzungen, bei denen diese Maßnahme einfach unumgänglich ist. Eine erste Übersicht haben wir hier einmal zusammengetragen:

  • Fissur
  • Gelenkentzündung (nur wenn diese sehr intensiv ist)
  • Gipsverbände
  • Hufabszess
  • Hufrehe (v.a. zu Beginn eines akuten Schubs)
  • Hohes Fieber
  • Nach einer OP (besonders an Gelenken bzw. Knochen)
  • Sehnenverletzung

Diese Verletzungen werden zudem nach dem Schweregrad abgewogen. Denn nicht immer ist gleich eine Boxenruhe fürs Pferd notwendig. Geht das Tier nur geringgradig lahm, kann das Pferd auf jeden Fall bewegt werden. Geht es im Schritt komplett lahmfrei, sollten Sie das auch unbedingt tun. Allerdings sollte das natürlich immer ohne die Gabe von Schmerzmitteln geprüft werden – schließlich existiert die Verletzung immer noch, auch wenn in dem Moment keine Symptome zu erkennen sind.

Pferd mit Sehnenverletzung in Boxenruhe

Übrigens: Bei einigen hochansteckenden Krankheiten (z.B. Druse) wird auch gern Boxenruhe verschrieben. Das liegt meist aber nicht an der Krankheit selbst, sondern einfach an den lokalen Gegebenheiten. Können Sie stattdessen einen Quarantänepaddock einrichten, ist das meist die bessere Variante, als die kranken Pferde in einer Box zu isolieren.

Was Sie unbedingt bedenken sollten

Unser wichtigster Rat: Hören Sie auf Ihren Tierarzt! Denn dieser kennt Ihr Pferd und seine individuellen Umstände am besten. Verordnet dieser also eine Boxenruhe, halten Sie sich bitte auch daran. Sagt er hingegen, dass Sie Ihr Tier ruhig bewegen können oder gar sollten, befolgen Sie auch diesen Rat. Sprechen Sie auch Maßnahmen mit Ihrem Veterinär ab, die Sie zusätzlich treffen wollen – wie jene, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen. Dieser gibt Ihnen dann vielleicht noch weitere Vorschläge oder erarbeitet gar mit Ihnen gemeinsam einen Plan.

Beachten Sie das, wollen wir Ihnen nun einige allgemeine Hinweise zur Boxenruhe beim Pferd geben. Wie gesagt: Hier gilt immer etwas Vorsicht, denn natürlich kennen wir Ihr Pferd und die konkreten Umstände nicht. Meist gilt aber:

  • Bewegung ist förderlich für die Heilung: Bei zu langem Stehen kann der Bewegungsapparat ggf. zusätzlich geschädigt werden, da die Durchblutung sowie der Lymphabfluss nicht optimal funktioniert. Folgeerkrankungen können hier die Auswirkungen sein.
  • Schwächerwerden der Muskeln, Gelenke, Bänder und Sehnen: Durch den Stillstand bauen die meisten Pferde ab. Eine kontrollierte Bewegung und ein gutes Aufbautraining nach der Genesung kann entgegenwirken.
  • Mentale Auslastung ist wichtig: Die richtige psychische Verfassung ist nicht nur für den Menschen wichtig. Auch die Heilungsprozesse beim Pferd profitieren davon. Stellen Sie also sicher, dass es regelmäßig Kontakt zu Artgenossen (z.B. in der Nachbarbox) hat, beschäftigt ist und sich wohlfühlt.
  • Pflege als das A und O: Das ständige Stehen in der Box erhöht das Risiko für z.B. Strahlfäule. Halten Sie die Box also sauber und trocken. Zudem sollten die Hufe täglich geprüft und ausgekratzt werden.
  • Fütterung muss angepasst werden: Fehlende Bewegung und Langeweile lassen das Pferd schnell auch das Futter ansetzen. Im schlimmsten Fall kann das sogar zu einer Verstopfungskolik führen.

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Bewegen: Was ist während der Boxenruhe beim Pferd möglich?

Wie Sie in diesen verschiedenen Aspekten der Boxenruhe beim Pferd genau vorgehen und wie Sie Langeweile und weiteren Krankheiten vorbeugen, werden wir nun einmal im Detail betrachten. Beginnen wollen wir dabei mit der Bewegung. Denn schließlich erscheint diese auf den ersten Blick vielleicht konträr zum eigentlichen Zweck der Boxenruhe.

In vielen Fällen ist es jedoch durchaus richtig und wichtig, dass das Pferd bewegt wird. Darunter verstehen wir allerdings nicht den gemeinsamen Weidegang mit der ganzen Herde – hier gibt es viel zu viele Risikofaktoren und Ungewissheiten. Stattdessen sollten Sie einen auf Ihr Pferd abgestimmten Trainingsplan ausarbeiten. Dieser kann zum Beispiel Folgendes umfassen:

  • (Schritt-)führen an der Hand
  • Bewegung auf dem Laufband
  • Training in der Führanlage
  • Gang im Aquatrainer
  • Ggf. Anmeldung im Pferde-Rehazentrum

Bewegung auf dem Laufband

Das Wichtigste ist bei allen Varianten, dass Sie Ihr Tier stets im Auge haben und auf seine Körpersprache hören. So können Sie das Training immer situativ anpassen. Die Dauer und die Intensität ist immer von der Krankheit, deren Schwere und Stadium abhängig. Vor dem ersten Koppelgang nach einer Boxenruhe, sollte das Pferd dann unbedingt etwas Energie rauslassen können. So vermeiden Sie weitere Verletzungen durch Übermut.

Fütterung: Was darf ein Pferd in Boxenruhe bekommen?

Die Boxenruhe für Pferde bedeutet immer, dass es zu einem Energieüberschuss kommt. Schließlich können die aufgenommenen Kohlenhydrate kaum umgewandelt werden, da der Körper stillsteht. Darum ist es auch so wichtig, dass Sie das Futter entsprechend der aktuellen Umstände anpassen – und das am besten schon an Tag Eins.

Sie sollten also entsprechend des Erhaltungsbedarfs füttern. Dieser deckt, wie auch in unserem Beitrag zur Futtermenge beschrieben, die Minimalanforderungen ab (also Wärmeregulation, Verdauung und Muskeltätigkeit). In der Regel bedeutet das, dass Sie auf die Gabe von Kraftfutter bzw. Getreide während der Boxenruhe beim Pferd vollkommen verzichten können.

Stattdessen empfiehlt sich, mit gezielten Ergänzungsfuttern die Heilungsprozesse noch zu unterstützen. Dabei können Sie zum einen auf vorgefertigte Mischungen zurückgreifen, sich Ihre eigene aber zum anderen auch selbst zusammenstellen. Wichtig ist dabei, dass Sie das Futter auf die Erkrankung bzw. den betroffenen Bereich abstimmen. Folgende Inhalte können sinnvoll sein:

  • Kräuter: Abgestimmt auf das Körperteil können Kräuter die Heilung unterstützen
  • Magnesium u.a. aus Traubenkernextrakt: Gut für die Muskeln und das Immunsystem
  • Mash mit z.B. Weizenkleie: Regt die Verdauung an und kann Koliken vorbeugen
  • Mineralien (u.a. Mangan, Kupfer, Calcium und Phosphor): v.a. zuträglich bei der Heilung von Knochenbrüchen
  • Omega-3-Fettsäuren aus z.B. Leinöl: Durch den Mangel an Raufutter entstehen während der Boxenruhe oft Defizite
  • Selen: Sinnvoll bei Sehnenschäden (besonders in der Kombination mit Magnesium, Mangan und Vitamin E)
  • Zink: Unterstützt bei der Wundheilung und stärkt das Immunsystem

Beschäftigung fürs Pferd in Boxenruhe: Tipps und Tricks

Haben Sie die Fütterung angepasst und halten sich an die Verordnungen Ihres Tierarztes bezüglich der Bewegung, kann es durchaus trotzdem vorkommen, dass sich Ihr Pferd langweilt. Dann ist es an der Zeit, für etwas Ablenkung und Beschäftigung in der Box zu sorgen. Am besten eignen sich dafür mentale Aufgaben, die die grauen Zellen in Bewegung kommen lassen. Hier finden Sie einige erste Ideen:

  • Heunetz mit engen Maschen aufhängen
  • Ast zum Knabbern in der Box anbringen
  • Bürsten zum Schubbern an der Wand montieren
  • Bodenarbeitsübungen im Stillstand (z.B. schaukeln, Beine kreuzen, Clickern)
  • Ausgiebiges Wellnessprogramm einlegen (langes Putzen gefällt den meisten Pferden, aber achten Sie auf die verletzten Bereiche und sparen Sie diese ggf. aus)
  • Massagen und Akupunktur (lassen Sie sich das am besten erst einmal vom Profi zeigen)
  • Balancepads einsetzen
  • Apfelfischen (Äpfel in einen mit Wasser gefüllten Eimer geben)
Gegen Langeweile hilf Pferden ein Spielball

Spielball für Pferde gegen Langeweile

Brauchen Sie noch mehr Inspiration? Dann schauen Sie einmal in unseren Beitrag zum Pferde-Spielzeug. Hier haben wir einige tolle Varianten zusammengetragen, die gar nicht erst Langeweile aufkommen lassen.

Weiterführende Links
https://www.propferd.at/main.asp?VID=1&kat1=96&kat2=643&NID=2671
https://www.pferdefluesterei.de/pferd-boxenruhe/
https://www.wehorse.com/de/blog/pferd-beschaeftigung-boxenruhe/
https://www.pferderevue.at/magazin/haltung_fuetterung/2019/bye-bye–boxenruheblues.html
https://alifewithhorses.de/blog/2017/01/25/wie-boxenruhe-ertraeglich-wird/