Kennen Sie das auch: Die Sonne prallt nur so vom Himmel und man selbst kann es kaum erwarten, das klimatisierte Büro oder das kühle Nass zu erreichen? Das geht nicht nur uns Menschen so. Auch Pferde & Hitze sind nicht die beste Kombination. Im Gegenteil: Unsere Vierbeiner leiden noch mehr unter den heißen Temperaturen als wir. Wie Sie Hitzeprobleme zuverlässig erkennen und Ihrem Liebling am besten helfen können, erfahren Sie bei uns!

Pferde & Hitze: Probleme frühzeitig erkennen

Wussten Sie schon? Pferde schwitzen deutlich mehr als Menschen und laufen dadurch auch schneller Risiko zu überhitzen. Das liegt daran, dass der Pferdekörper einen deutlich höheren Prozentsatz an Muskeln hat, wenn man ihn mit dem Menschen vergleicht. Kommt dann noch zusätzliche Belastung und/oder pralle Sonne hinzu, kann es schnell zum Hitzestau kommen. Die Wohlfühltemperatur hingegen bewegt sich zwischen -7 und 25°C.

Das A und O, damit Sie Ihrem Vierbeiner rechtzeitig unter die Arme greifen können, ist es also, mögliche Hitzeprobleme früh zu erkennen. Dabei gibt es einige Symptome, auf die Sie achten sollten. Am gravierendsten ist dabei die Dehydration. Übersteigen die Temperaturen 25°C, fangen die Tiere wie beschrieben an stark zu schwitzen und trocknen förmlich aus. Dabei können sie mehr als 10 % ihres Eigengewichtes verlieren. Durch den Flüssigkeitsverlust verdickt sich das Blut, was dazu führt, dass die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Über einen längeren Zeitraum kann das sogar lebensgefährlich werden.

Eine relativ leichte Methode, um Dehydration beim Pferd festzustellen, ist es am Pferdehals mit den Fingern eine kleine Falte zusammenzudrücken. Ist Ihr Tier gut hydriert, sollte sie sich sofort wieder glätten. Bleibt sie hingegen bestehen, ist das ein deutliches Anzeichen von Wassermangel. Zudem gibt es noch viele weitere Symptome dafür, dass das Pferd die Hitze nicht gut verträgt. Diese haben wir hier einmal in einer Übersicht zusammengefasst:

  • Leistung nimmt ab
  • Erholungsphasen werden länger
  • Übermäßiger Schweißfluss
  • Pferd taumelt, stolpert, wird bewusstlos
  • Tier verhält sich apathisch
  • Puls ist schwach oder schnell
  • Atmung ist oberflächlich und schnell, erweiterte Nüstern
  • Erhöhte Körpertemperatur
  • Kolik-ähnliche Symptome
  • Schleimhäute sind dunkel verfärbt
  • Probleme mit dem Verdauungstrakt

Ein Pferd kann unter Kolik-ähnlichen Symptome bei starker Hitze leiden.

Was ist ein Hitzeschlag beim Pferd?

Ein Hitzschlag beim Pferd kommt immer dann zustande, wenn das Pferd zu lange den heißen Temperaturen ausgesetzt war und über einige Zeit dehydriert bleibt. Durch den Flüssigkeitsmangel und die verlangsamte Blutzirkulation erleidet es einen Wärmestau. Die Organe werden unterversorgt und im Gehirn sammelt sich zu viel Blut. Das Ergebnis: ein Kreislaufschock.

Ist dieser Extremfall bei Ihrem Pferd eingetreten, ist es unbedingt an der Zeit den Tierarzt zu kontaktieren. Denn allein bekommen Sie Ihren Vierbeiner nur selten wieder aufgepäppelt, da er meist zu schwach ist, um selbstständig Flüssigkeit aufzunehmen. Der Spezialist hingegen kann eine Infusion legen oder durch eine Nasensonde das Pferd mit den lebenswichtigen Elektrolyten versorgen.

In der Regel wird der Tierarzt dazu vorher eine Blutabnahme durchführen, um genau feststellen zu können, welche Nährstoffe im Blut fehlen. Die Kochsalzlösung wird dann entsprechend angepasst, um das Pferd möglichst schnell wieder auf die Beine zu bekommen. Zudem kann vor allem bei alten oder schwachen Tieren die Gabe von speziellen Medikamenten sinnvoll sein, welche den Kreislauf und die Herzmuskulatur anregen.

Hitzeschlag vs. Sonnenstich: Was ist der Unterschied?

Abzugrenzen ist der Hitzeschlag übrigens vom Sonnenstich. Hierbei wird vor allem der Kopf der Sonne zu lange ausgesetzt und beschränkt sich auch in den Symptomen meist auf diesen Bereich. Denn die Ursache ist hier, dass die Hirnhäute durch die heiße Sonneneinstrahlung gereizt werden und sich dadurch entzünden. Der Hirndruck steigt an und das Pferd bekommt Kopfschmerzen.

Um einen Sonnenstich zu erkennen, sollten Sie unbedingt die Haut am Kopf und Hals des Pferdes prüfen. Ist sie gerötet und verbrannt, kann das ein deutlicher Hinweis sein. Kommt Übelkeit und Schwindel hinzu, besteht erhöhter Verdacht. Sie sollten das Pferd nun schnellstmöglich aus der Sonne nehmen. Was Sie konkret gegen den Sonnenbrand unternehmen können, haben wir in einem separaten Beitrag für Sie zusammengefasst.

Das Pferd bei Hitze richtig unterstützen

Kündigt der Wetterbericht eine erneute Hitzewelle an, fragen sich viele Pferdebesitzer, wie sie ihrem Liebling am besten helfen können. Das Abkühlen und Schützen vor der Sonne ist nämlich nicht immer ganz einfach. Wir haben darum für Sie einige Tipps zusammengetragen, mit denen Sie Ihren Vierbeiner gezielt unterstützen können.

Das A und O: Trinken!

Sie kennen es sicherlich von sich selbst: Bei höheren Temperaturen haben wir mehr Durst. Das ist auch kein Wunder, schließlich verlieren wir große Mengen an Flüssigkeit über den Schweiß. Beim Pferd ist das nicht anders. Darum sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Ihr Tier zu jeder Zeit Wasser zur Verfügung hat.

Am besten eignet sich übrigens relativ kühles Wasser (zwischen 15 und 20°C). Das sorgt für eine effektivere Abkühlung und Erfrischung. Auch ein Eiswürfel zum Lecken kann gelegentlich eine gute Idee sein. Steht die Flüssigkeit aber bei Hitze draußen, erwärmt sie sich – vor allem in kleinen Behältern – sehr schnell. Am besten ist es darum, wenn Sie sie regelmäßig wechseln. Das regt auch das Pferd eher zum Trinken an.

Apropos anregen: Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Tier zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt? Dann gibt es einige Varianten, um es zu motivieren. So können Sie zum Beispiel das Heu mit etwas Salzwasser tränken oder auch vermehrt Mash und Obst anbieten. Achten Sie aber immer darauf, dass diese feuchten Speisen schnell verbraucht werden, sonst kann sich Schimmel bilden.

Auch Pferde haben bei höheren Temperaturen mehr Durst.

Warum das Pferd Salz braucht

Meist wird Salz ja dafür verurteilt, dass es Flüssigkeiten „aufsaugen“ würde. Das ist so aber nicht ganz richtig. Denn gerade wenn das Pferd Hitze bekämpft, sind die Elektrolyte, die aus dem Mineral gewonnen werden, entscheidend, um die Flüssigkeit auch im Körper zu halten.

Besonders wichtig für unsere Vierbeiner: Natrium, Chlorid und Kalium. Diese können Sie beispielsweise über spezielles Ergänzungsfutter geben oder über einen Salzleckstein anbieten. Der Verlust, den ein Pferd also durch das Schwitzen verzeichnet, lässt sich so wieder ausgleichen.

Pferde nehmen Elektrolyte über Salze auf.

Immer ein schattiges, luftiges Plätzchen

Ob nun auf der Weide oder im Stall: Das Pferd braucht ausreichend Luft und ein schattiges Plätzchen, um nicht zu überhitzen. Konkret bedeutet das, dass Sie auf der Koppel Schattenplätze schaffen sollten. Dabei kann es sich um einen Unterstand, ein Sonnensegel oder auch einige Bäume handeln. Achten Sie darauf, dass mehrere solcher Plätze zur Verfügung stehen. Ansonsten kann es passieren, dass die rangniedrigsten Pferde immer in der Sonne stehen müssen.

Und auch wenn Sie diese Schatteninseln geschaffen haben, sollte das Pferd bei über 30°C besser in den kühlen, luftigen Stall geholt werden. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet werden kann. Ideal ist es, wenn Sie also auf beiden Seiten der Stallgasse eine Tür oder zumindest einige Fenster öffnen können. So kann die erwärmte Temperatur austreten. Ist das nicht möglich oder wollen Sie den Luftaustausch zusätzlich begünstigen, können Sie auch einen Ventilator installieren. Hier ist es nur wichtig, dass keines der Tiere im direkten Zug steht.

Den ganzen Tag im Stall verbringen klingt für Sie traurig? Das muss auch nicht sein. Vielmehr geht es wirklich darum, die Pferde vor Hitze zu bewahren. Das bedeutet, dass die Weidezeiten angepasst werden sollten. Im Sommer lassen sie sich eher abends, nachts und morgens verorten. Dann sind die Temperaturen noch gemäßigt.

Ein luftiger und schattiger Unterstand auf der Weide ist optimal.

Fell und Haut schützen

Um das Pferd vor Überhitzung zu schützen, kann es zudem sinnvoll sein, sich mit dem Fell etwas näher zu befassen. Denn vor allem Tiere, die besonders dicke und dichte Haare haben oder am Cushing leiden, werden unter der Hitze mehr leiden. Hier kann es sinnvoll sein, sie zu scheren. Mähne und Schweif zu flechten hingegen ist nicht immer die beste Idee. Denn die Haare sind gleichzeitig eine natürliche Fliegenabwehr.

Es ist nicht nur die Hitze an sich, die das Pferd belastet, sondern auch die damit oft einhergehende direkte Sonneneinstrahlung. Denn wie Sie in unserem Blogbeitrag zu Pferden und Sonnenbrand nachlesen können, können sie auch einen solchen bekommen. Umso wichtiger ist es, die entsprechenden Vorkehrungsmaßnahmen zu treffen und zum Beispiel mit Sonnencreme oder einer Decke zu arbeiten.

Reiten bei Hitze: ja, nein, vielleicht?

Die Antwort auf die Frage, ob Reiten bei Hitze erlaubt ist, hängt immer von den individuellen Umständen ab. Macht Ihrem Pferd Hitze scheinbar nichts aus, kann es durchaus bewegt werden. Am besten sollte das aber am kühleren Morgen oder Abend stattfinden. Merken Sie, dass Ihr Tier sehr zu schwitzen beginnt, sollten Sie die Trainingszeit reduzieren. Eine gute Alternative kann auch das Reiten in der Halle, im Wald oder am Wasser sein. Hier ist es in der Regel nicht so warm.

Pferde, die unter Vorerkrankungen leiden, schon mit dem Kreislauf zu kämpfen haben oder alt sind, sollten hingegen lieber geschont werden. Sie fühlen sich wohler, wenn sie den Tag an kühlen, schattigen Plätzen verbringen dürfen.

Übrigens: Ob nun nach dem Reiten oder auch nach dem Koppelgang – hat das Pferd viel geschwitzt, kann es kurz geduscht werden. Das entfernt nicht nur den salzhaltigen Schweiß, sondern bietet auch eine Erfrischung. Am besten verwenden Sie dazu lauwarmes Wasser und arbeiten sich von den Beinen langsam nach oben hoch. Zum Schluss rubbeln Sie das Fell etwas mit einem Handtuch ab oder führen das Tier trocken.

Reiten am Abend wenn die Temperaturen etwas abgekühlt sind.

Fazit: So stehen Sie Ihrem Pferd zu Seite

Pferde neigen deutlich leichter zur Überhitzung als wir Menschen. Gerade darum ist es wichtig, die Tiere entsprechend zu unterstützen und ihnen beim Runterkühlen zur Seite zu stehen. Ob Sie nun einen weiteren Schattenplatz anbieten, die Weidezeiten anpassen oder auch eine gelegentliche Dusche zur Verfügung stellen: Mit all diesen Methoden helfen Sie Ihrem Liebling im Sommer!

Quellen
https://www.cavallo.de/medizin/heiss-auf-eine-abkuehlung/
https://www.atm.de/blog/redaktionelles/hitzschlag-beim-pferd-erkennen-helfen-vermeiden
https://www.br.de/radio/bayern1/sonnenstich-100.html#:~:text=Ein%20Hitzschlag%20komme%20zwar%20recht,Kopfschmerzen%20k%C3%B6nnen%20Sie%20Schmerzmittel%20nehmen.
https://www.reiterrevue.de/ausbildung-und-praxis/gesundheit/hitze-gefaehrlich-fuer-pferde-9495822.html
https://www.tipps-zum-pferd.de/pferd-sommer-hitze_tipp_380.html