Raufutter ist die Basis der Pferdeernährung – das ist wahrscheinlich jedem Besitzer klar. Doch wenn Zahnprobleme oder Allergien ins Spiel kommen, ist die Aufnahme von Heu, Stroh, selbst Heulage nicht immer leicht. Heucobs zu füttern, kann dann eine gute Alternative sein. Wann Sie also die Pellets geben, was genau sich dahinter verbirgt und alles, was Sie sonst noch zum Thema wissen müssen, lesen Sie hier!

Definition: Was sind Heucobs eigentlich?

Bevor Sie mit dem Heucobs-Füttern beginnen, wollen wir diese Pellets einmal näher ansehen. Hierbei handelt es sich im Grunde um getrocknetes Gras, welches fest zusammengepresst wird. Dabei bleibt die faserige Struktur erhalten. Vor der Gabe sollten sie eingeweicht werden. Dadurch quellen sie wieder auf und bieten eine Alternative zu anderen Raufuttern.

Einige Heucob-Pellets in Nahaufnahme

Foto: © Martins Vanags, Quelle: Adobe Stock

Der Vorteil der Heucobs besteht aber nicht nur bei Pferden mit besonderen Bedürfnissen – dazu gleich mehr. Auch die Herstellung ist teils um einiges unkomplizierter als bei anderen Varianten. Während ein zusätzlicher Schritt benötigt wird – das Pressen zu Pellets –, findet der Prozess völlig wetterunabhängig statt. Das bedeutet: Bei der Heuproduktion darf das Gras erst geschnitten werden, wenn danach eine längere Trockenphase angekündigt wurde.

Das kann bedeuten, dass Sie Ihr Heu frühzeitig schneiden müssen und so ein besonders eiweißreiches Ergebnis erhalten. Oder Sie mähen spät und die Halme sind schon relativ grob und starr, was zu Verdauungsproblemen führen kann. Das Gras für Heucobs hingegen wird genau zum passenden Zeitpunkt eingeholt und dann schonend nach dem Warmluftverfahren getrocknet. Anschließend muss es nur noch gepresst werden.

Ein Pferd frisst Heu

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Heu vs. Heucobs füttern: Was ist besser?

Klingt soweit alles gut und schön? Dennoch sollten Sie in der Regel nur Heucobs füttern, wenn es dafür auch einen konkreten Anlass gibt. Denn für gesunde Tiere ist getrocknetes Gras die beste Quelle an Rohfasern. Warum diese so wichtig für die Verdauung sind und welche Aufgaben sie im Körper übernehmen, lesen Sie in unserem Beitrag zum Heu für Pferde.

Eins sollte aber klar sein: Heu liefert nicht nur essenzielle Energie, es ist auch an anderen Prozessen beteiligt. So muss es aufgrund seiner Struktur ausgiebig gekaut werden und regt somit die Speichelproduktion an. Dieser wiederum neutralisiert Magensäure und kann somit Krämpfen in dem Bereich sowie Verstopfungen vorbeugen. Gleichzeitig brauchen Pferde relativ lang, um die Gräser zu fressen. Das vermindert die Gesamtmenge und hemmt die übermäßige Gewichtszunahme.

Wollen Sie Heucobs füttern, sollten Sie diese Aspekte unbedingt im Hinterkopf behalten. Denn die eingeweichten Pellets werden deutlich schneller aufgenommen und regen den Speichel geringer an. Zudem gehen durch das Trocknungsverfahren wichtige Vitamine und Fettsäuren verloren. Dafür sind sie meist staubfrei und weniger empfindlich gegenüber Schimmel. Auch die platzsparende Lagerung ist in einigen Ställen ein wichtiger Punkt.

Ein Pferd hustet

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Gründe: Wann sollten Sie Heucobs füttern?

Wie so oft im Leben können wir nicht nur zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Schlecht unterscheiden. Vielmehr befinden wir uns in einem Zwischenbereich. Wer Heucobs füttern möchte, sollte dafür unbedingt einen konkreten Grund haben. Wir empfehlen die kleinen Pellets konkret in folgenden Fällen.

Gesundheit: Heucobs füttern bei Zahnproblemen und Co.

Verschiedene Einschränkungen können dazu führen, dass ein Pferd die groben Fasern des Heus kaum noch ordentlich aufnehmen kann. Zahnschmerzen sind eine typische Ursache. Fehlen die entsprechenden Zähne, fällt das Kauen schwer und es werden weniger bis keine Gräser mehr gefressen. Um dem Gewichtsverlust entgegenzuwirken und die Nährstoffaufnahme dennoch zu gewährleisten, ist es dann sinnvoll, Heucobs zu füttern.

Ganz besonders gilt das übrigens bei Senioren. Hier sind nicht nur die Zähne oft brüchig und abgemahlen, auch die Kiefermuskulatur bildet sich mit dem Alter zurück. Die eingeweichten Pellets sind dann eine leichtverdauliche Alternative. Anders sieht es bei Pferden mit Husten- und Asthmaerkrankungen aus. Denn hier ist nicht das Kauen das Problem, sondern die staubige Beschaffenheit des Heus. Um das Reizen der Atemwege zu vermeiden und die Lunge zu schonen, können Sie zum einen Heulage oder Silage geben, zum anderen aber auch Heucobs füttern.

Wussten Sie, dass den meisten Tieren die eingeweichten Pellets zudem besser schmecken? Darum eignen sie sich auch gut, um darin Medikamente zu verstecken. Gleichzeitig wird Heucobs auch empfohlen, um Kotwasser beim Pferd zu mindern. Der feuchte Brei ist in der Regel leichter verdaulich und kann das Symptom mindern. Jedoch ist es dennoch entscheidend, seine Ursache ausfindig zu machen.

Futteraufwertung: das Mehr für die Ernährung

Neben gesundheitlichen Vorteilen können Sie auch aus anderen Gründen Heucobs füttern. Einen Aspekt haben wir zuvor schon angedeutet: Die Heuherstellung ist aufwendig und gelingt nicht immer ideal. Um also eine schlechte Fuhre aufzuwerten oder auch einfach für den Fall gewappnet zu sein, dass ein Ballen einmal verschimmelt ist, empfiehlt es sich eine Tüte der Pellets parat zu haben. Diese ist platzsparend und lange haltbar.

Außerdem ist der eingeweichte Brei eine gute Möglichkeit, die Flüssigkeitszufuhr zu regulieren. Einige Pferde neigen einfach dazu, zu wenig zu trinken. Die Gründe dafür sind mannigfaltig – niedrige Rangordnung und dadurch kaum Zugang zum Wasser, erhöhter Stresspegel oder einfach Vergesslichkeit. Bemerken Sie also, dass Ihr Tier dazugehört, stellen Sie eine zusätzliche Quelle für Flüssigkeit bereit, indem Sie Heucobs füttern.

Übrigens: Ein weiterer versteckter Vorteil eröffnet sich durch die Pellets noch. Leidet Ihr Tier unter Futterneid, könnte die Gabe helfen. Denn während die anderen Pferde ihr Kraftfutter bekommen, reichen Sie den Brei. So quengelt Ihr Vierbeiner nicht, nimmt aber auch keine unsinnigen Zusatzstoffe auf.

Ein Stapel an Heucobs vor einem schwarzen Hintergrund

Foto: © Martins Vanags, Quelle: Adobe Stock

Zubereitung & Dosierung: Wie lassen sich Heucobs einweichen?

Auf einigen Packungen finden Sie einen Hinweis, dass Heucobs trocken gefüttert werden können. Während das im Prinzip möglich ist, raten wir davon ab. Denn wenn Sie einmal beobachten, wie stark die Pellets beim Kontakt mit Wasser aufquellen, können Sie sich vielleicht schon vorstellen, wie dieser Prozess im Magen ablaufen könnte. Im schlimmsten Falle entstehen so Schlundverstopfungen und Sie müssen den Veterinär kommen lassen.

Besser ist es darum, wenn Sie die Heucobs einweichen. Das geht so:

  1. Geben Sie die gewünschte Menge Heucobs in eine Futterschüssel.
  2. Gießen Sie nun Wasser darüber. Am besten richten Sie sich nach den Mengenangaben des Herstellers. In der Regel sprechen wir von ca. 2 bis 3 l Flüssigkeit auf 1 kg Pellets.
  3. Lassen Sie den Heucobs nun Zeit, sich komplett aufzulösen.
  4. Rühren Sie ggf. ab und zu um, um die Konsistenz zu prüfen.

Bevor Sie die Heucobs füttern, sollten Sie penibel darauf achten, dass auch wirklich alle festen Stücken verschwunden sind. Sonst kann es zu oben genannten Problemen kommen. Für viele Sorten reicht eine Quelldauer von etwa einer Stunde. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, können Sie die Portionen auch einfach einen Abend vorher bewässern.

Ein Schimmel frisst aus einem Futtereimer

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Dosierung: Wie viel Heucobs füttern ist sinnvoll?

Wie viele Heucobs Sie füttern, hängt von dem Grund ab. Sollen sie lediglich das Raufutter ergänzen oder es fast vollständig ersetzen? Dann muss die Menge entsprechend angepasst werden. Generell sprechen wir davon, dass das Verhältnis zwischen Heu und den Pellets 1:1 ist. Den Bedarf Ihres Tieres müssen Sie also individuell errechnen. Als Hilfestellung dient Ihnen unser Beitrag zur Futtermenge für Pferde.

Wichtig! Der Brei sollte niemals komplett das Raufutter ersetzen. Denn wie oben schon beschrieben, gehen beim Trocknungsverfahren wichtige Vitamine verloren. Auch ist der Kauprozess eingeschränkt. Ergänzen Sie ihn darum am besten dennoch durch andere Raufasern. Bei Allergikern können zum Beispiel Heulage oder auch bedampfte Gräser eine gute Variante sein. Generell gilt aber: Je nachdem, wie viel Raufutter Sie so abdecken, müssen die Portionen mehr oder weniger über den Tag verteilt werden.

Lagerung: Wie bleiben Heucobs lange haltbar?

Ob Sie nun eine Notfallration parat haben wollen oder täglich Heucobs füttern: Die Lagerung ist entscheidend. Denn wie bei anderen Futtermitteln passiert es sonst schnell, dass sich Schimmel bildet oder sich Ungeziefer einschleicht. Das A und O ist darum ein trockenes Behältnis, am besten eine Futtertonne.

Im besten Falle sorgen Sie für einen luftdicht verschlossenen Container. So sind Sie wirklich auf der sicheren Seite. Pappen eigenen sich hingegen weniger, da sie schnell Wasser aufnehmen und an die Nahrung weitergeben. Doch auch wenn Sie scheinbar den perfekten Platz gefunden haben, sollten Sie Ihre Pellets vor dem Verfüttern immer prüfen. Sind schon einige aufgequollen oder riechen sie muffig bis süßlich? Entdecken Sie Maden oder anderes Ungeziefer? Dann lieber weg damit!

Tierärztin untersucht ein Pferd

Foto: © 135pixels, Quelle: Adobe Stock

Fazit: Ist es sinnvoll, Heucobs zu füttern?

Die Antwort lautet, wie so oft: Jein. Denn es ist absolut davon abhängig, in welcher Situation Sie sich befinden. Ist Ihr Pferd gesund, spricht nur selten etwas für eine Gabe der eingeweichten Pellets. Leidet es hingegen unter Zahn- oder Atemwegsproblemen? Dann können sie eine sinnvolle Ergänzung sein und dazu beitragen, die körpereigenen Systeme am Laufen zu halten.

Wichtig ist dabei jedoch immer, dass die Heucobs nie hundertprozentig die Raufuttergabe ersetzen. Besonders entscheidend ist das, wenn Sie zu gemahlenen Varianten, z.B. den Luzerne- oder Grünmehlpellets, greifen. Denn diese enthalten kaum bis keine Fasern und werden somit zu schnell gefressen. Doch auch reguläre Heucobs regen die Speichelbildung unzureichend an. So schonen Sie zwar Zähne und Co., können aber auf die Dauer Magenproblemen beim Pferd dadurch provozieren.

Weiterführende Links
www.futterfuerpferde.de/heucobs/
www.ehorses.de/magazin/heucobs-eine-gute-alternative-zu-heu/
www.cavallo.de/medizin/sind-heucobs-eine-gute-alternative/
www.pferdefutter-heucobs.de/