Haben Sie schon einmal gehört, dass sich Pferde in der Theorie ausschließlich von Heu ernähren können. Bei hochwertigen Produkten stecken hier nämlich eine große Menge an Mineralien und Vitaminen in den Fasern. Warum es also nicht nur im Winter eine sinnvolle Ergänzung zum Futterplan sein kann, warum Heu für Pferde so wichtig ist und welche Arten und Alternativen es gibt, erfahren Sie hier!

Warum ist Heu für Pferde wichtig?

Viele Pferdebesitzer stellen spätestens im frühen Herbst eine Heuraufe auf Koppel oder Paddock mit zur Verfügung. Denn zu dieser Zeit werden die Wiesen langsam kahler und die Zufuhr an Raufasern aus dem Gras spärlicher. Das Heu gilt dann sozusagen als Ersatz für die Winterzeit. Doch aufgrund des guten Nährstoffgehalts kann es durchaus sinnvoll sein, Heu das ganze Jahr über bereitzustellen – vor allem, wenn die Tiere viel Zeit auf dem Paddock oder in der Box verbringen.

Heu wird auf der Koppel zusätzlich für die Pferde bereit gestellt.

Ein wahrer Vitamincocktail

Pferde brauchen unterschiedliche Vitamine, Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Spurenelemente, Mineralstoffe und auch Zucker, damit ihr Körper seinen Grundfunktionen ohne Probleme nachkommen kann. Diese sind in qualitativ hochwertigem Heu – was das genau heißt, werden wir später noch klären – zur Genüge enthalten.

Besonders entscheidend ist für die Pferdefütterung der Anteil an Rohfasern im Heu. Denn diese strukturierenden Kohlenhydrate werden erst im Dickdarm zersetzt und liefern dem Pferd Energie. Das steht im Kontrast zum Menschen oder anderen Omni- bzw. Carnivoren. Denn bei diesen sollten Rohfasern eine möglichst kleine Rolle in der Ernährung spielen, da sie von uns nicht verdaut werden können.

Aus der Verdauung der Rohfasern gewinnt ein Pferd dann zum einen Energie und zum anderen werden freie Fettsäuren freigesetzt. Von diesen profitiert sowohl die Darmschleimhaut, als auch die Leber. Zudem entstehen im Verdauungsprozess Hemicellulos, Hecosane und Beta-Glukane, welche wichtige Rollen im Körper einnehmen und insgesamt zur Gesundheit und einem stabilen Immunsystem beitragen.

Auf den Pferdekörper abgestimmt

Fragen Sie sich jetzt, warum Sie statt Heu zu füttern, nicht auch einfach auf spezifisches Kraftfutter zurückgreifen können, welches eben diese Inhaltsstoffe enthält? Diese Überlegung ist durchaus berechtigt, denn schließlich gibt es heutzutage auf dem Markt ganz unterschiedliche solcher Mischungen, die den Vitamin- und Mineralhaushalt eines Tieres komplett decken können. Doch für Heu sprechen mehrere Argumente.

Zuerst sollten Sie wissen, dass Heu für Pferde am nächsten an ihre ursprüngliche Ernährung herankommt. Denn in den Steppen wurde hauptsächlich gegrast. Sie sind somit von Natur aus schon Raufutterfresser und entsprechend ist ihr Körper auch konstruiert. Die Nährstoffe werden dabei langsam aufgenommen und über einen längeren Zeitraum verdaut und verwertet.

Zudem sind die Tiere in freier Natur eigentlich den ganzen Tag lang mit Fressen beschäftigt. Daher tut es dem Körper auch nicht gut, über lange Zeit Fresspausen zu haben. Im Gegenteil: Hier entsteht über kurz oder lang ein Überschuss an Magensäure, der gravierende Folgen haben kann. Steht hingegen 24 Stunden lang Heu bzw. ein anderes Raufutter zur Verfügung, kann dieser Zustand verhindert werden.

Übrigens: Damit trotzdem kein Übergewicht zustande kommt, kann ein Heunetz helfen – dieses haben wir in einem anderen Beitrag genauer betrachtet.

Heu ist nicht gleich Heu

Wollen Sie Ihrem Pferd Heu füttern und von den positiven Eigenschaften des Raufutters profitieren? Dann gilt es zunächst, sich genau mit dem Endprodukt auseinander zu setzen. Denn nicht nur die Qualität ist entscheidend, sondern auch welche Art von Heu Sie füttern. Was also die grundlegenden Unterschiede zwischen Heu, Silage und Heulage sind und wie Sie deren Qualität bestimmen, erfahren Sie jetzt.

Typisch: Heu für Pferde

Unterscheiden wir zunächst einmal Heu und Stroh, denn diese Begriffe werden Ihnen in der Regel am häufigsten begegnen. Während Heu aus getrockneten Gräsern und Kräutern besteht, wird Stroh aus Getreidehalmen gewonnen. Bei letzterem handelt es sich sozusagen um das getrocknete Abfallprodukt aus der Getreideernte. Darum sind in ihm auch fast keine Vitamine und Nährstoffe enthalten, die sich hingegen im Heu zur Genüge finden.

Die Qualität des Heus hängt dabei sehr stark vom Zeitpunkt der Ernte sowie der Lagerung ab. Am besten gemäht wird das Gras im Frühsommer (meist Juni), wenn die Felder blühen und die meisten Nährstoffe im Gras zu finden sind. Danach sollte das Gras über einige Tage an Ort und Stelle getrocknet und anschließend an einem luftigen Ort gelagert werden. Nach sechs bis acht Wochen ist es dann zum Verfüttern bereit, denn nach dieser Zeit sind bei ordnungsgemäßer Lagerung alle Keime und andere Mikroorganismen abgestorben.

Das frisch gemähte Gras liegt zum trocknen noch ein paar Tage bevor es zu Heuballen verarbeitet wird.

Bei qualitativ hochwertigem Heu für Pferde sind noch etwa 15% Feuchtigkeit enthalten. Denn umso mehr Feuchtigkeit, desto besser die Nährstoffgewinnung. Aber auch die Gefahr für Schimmelbildung steigt dadurch. Dieser Mittelwert bezieht sich also auf ein ausreichend trockenes, aber dennoch sehr vollwertiges Heu. Um ohne eine Laborprobe zu prüfen, ob Ihr Heu gut ist, nehmen Sie folgende Tests vor:

Sehen

  • Grün bis gelb: hoher Nährstoffgehalt, gute Lagerung
  • Gelb bis braun: geringerer Nährstoffgehalt, leicht bis stark überhitzte Lagerung
  • Grau bis weiß: von Schimmel befallen, auf keinen Fall verfüttern!

Riechen

  • Intensiver Gras-/Kräutergeruch: hoher Nährstoffanteil, gut gelagert
  • Geruchlos bis leicht rauchig: geringerer Nährstoffanteil, wurde lange bzw. zu warm gelagert
  • Faulig bis muffig: von Schimmel befallen, auf keinen Fall verfüttern!

Fühlen

  • Weich bis fein: hoher Eiweiß- und Nährstoffgehalt, blattreich und stängelarm
  • Rau und leicht sperrig: niedriger Eiweiß-, aber hoher Rohfasergehalt, stängelreich und blattarm
  • Sehr sperrig bis holzig: geringe Verdaulichkeit, sehr stängelreich
  • Klamm bis feucht: hohes Risiko für Pilzbefall, besser nicht füttern!

Allergikerfreundlich: Heulage

Heulage wird ebenso wie herkömmliches Heu aus Gräsern und Kräutern gewonnen. Der Unterschied liegt hier in der Weiterverarbeitung. Denn Heulage bringt eine sehr viel höhere Restfeuchtigkeit (zwischen 40 und 50 Prozent) mit. Das ist vor allem für Pferde mit Stauballergien oder auch Erkrankungen der Atemwege von großem Vorteil, da hierbei der Staub besser gebunden wird. Somit kann er beim Fressen auch nicht so stark eingeatmet werden.

Um diese erhöhte Feuchtigkeit zu erreichen, ohne dass das Heu für Pferde schimmelt, wird es nach einer nur sehr kurzen Trocknungsphase luftdicht verpackt. So werden Kräuter und Gras milchsauer vergoren. Dabei wird ein pH-Wert um die 4,2% angestrebt, bei welchem Bakterien und Krankheitserreger sowie auch Schimmelpilze absterben. Essentiell für ein Gelingen der Heulage ist dabei, dass keine Luft herankommt.

Wollen Sie die Fütterung auf Heulage umstellen, gilt es einiges zu beachten. Zunächst sollte eine Eingewöhnungsphase eingeplant werden – ähnlich wie beim Anweiden – in der Sie genau beobachten, ob Heulage Ihrem Pferd bekommt. Zudem sollten Sie die Ballen vor dem Verfüttern immer noch einmal genau prüfen: Riechen sie faulig? Ist das Heu an einigen Stellen grau? Dann hat sich Luft eingeschlichen und die Heulage ist geschimmelt, im schlimmsten Fall kann sogar ein totes Tier eingeschlossen worden sein. Das kann gravierende Folgen bis hin zu Botulismus haben. Lassen Sie die Hände von solchen Ballen!

Für empfindliche Pferde: Silage

Bei Silage handelt es sich im Grunde um eine noch feuchtere (55 bis 65 %) Heulage. Dieses Futter ist sehr sauer, um den schimmelbildenden Bakterien entgegenzuwirken. Während Silage für Allergikerpferde eine gute, proteinreiche Variante sein kann, sollten Sie diesen Tieren unbedingt zusätzlich Kraftfutter geben. Dieses sollte spezifisch darauf abgestimmt sein, einer Übersäuerung vorzubeugen.

Die Qualität der Silage hängt stark mit der Lagerung zusammen. Die Ballen sollten unbedingt luftdicht verschlossen aufbewahrt werden, damit sich hier keine Bakterien bilden. Ein pH-Wert unter 4,2 % ist ideal. Finden Sie einen Riss in der Folie oder stellen Sie beim Öffnen durch die oben beschriebenen Tests fest, dass sich Bakterien und/oder Schimmelpilze gebildet haben, entsorgen Sie die Ballen lieber.

Silage muss luftdicht verpackt sein.

Heubedarf vom Pferd, oder: Wie viel soll’s sein?

Wie viel Heu für Pferde die richtige Menge ist, hängt zum einen vom Körpergewicht Ihres Tieres ab und zum anderen von der Art, die Sie wählen. Im Grunde spricht man davon, dass je 100 kg Eigengewicht etwa 1,5 bis 2 kg Raufutter benötigt werden. Dieser Wert bezieht sich allerdings auf den Trockenmassegehalt des Futters und variiert dadurch je nach Sorte. Wir haben darum hier eine kleine Übersicht für Sie zusammengestellt:

HeuartTrockenmassegehaltFuttermenge für ein 600 kg Pferd
Heu85 %12 bis 14 kg
Heulage50 bis 60 %17 bis 21 kg
Silage35 bis 45 %22 – 30 kg

Die Werte aus der Tabelle beziehen sich dabei auf Pferde, die ausschließlich von der jeweiligen Form ernährt werden. Steht zusätzlich noch frisches Gras zur Verfügung, sollten Sie entsprechend weniger füttern. Zudem können individuelle Bedürfnisse, wie etwa eine Diät oder eine Hochleistungsphase, den Bedarf heben oder senken.
Wie Sie erkennen, ob Ihr Pferd beispielsweise an Übergewicht leidet, können Sie auch in einem separaten Beitrag nachlesen.

 

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Quellen
https://www.st-georg.de/wissen/heu-das-a-und-o-in-der-pferdefuetterung/
https://www.pferdefluesterei.de/heu-qualitaet-pferd/
https://www.pferderevue.at/magazin/haltung_fuetterung/2015/09/gesundheitsrisikoheuwarumdieheuqualitaetimmerhaeufigerschwaechel.html