Damit sich ein Pferd wohlfühlt und frei bewegen kann, ist die Gelenkgesundheit entscheidend. Denn schließlich stellen diese knorpeligen Verbindungen sicher, dass sich der Körper strecken und beugen kann. Doch die Gelenke beim Pferd sind oft überlastet und Erkrankungen werden häufig zu spät erkannt. Wie du dem vorbeugen kannst und worauf du besonders achten solltest, liest du hier!
Anatomische Grundlagen: Gelenke der Pferde
Im Grunde funktionieren die Gelenke beim Pferd nicht anders als beim Menschen auch. Ihre Hauptaufgabe ist das Beugen und Strecken der Gliedmaßen. Während das natürlich den ganzen Körper (z.B. Hals-, Kopf- und Rückengelenke) betrifft, sind vor allem die Verbindungen im Bein recht häufig von Erkrankungen betroffen. Darum wollen wir uns im Folgenden einmal darauf konzentrieren.

Der Grundaufbau: So funktioniert das Gelenk
Die Grundbausteine eines Gelenks sind Knochen, Muskeln, Sehnen und der Gelenkknorpel. Diese spielen auf einzigartige Weise zusammen, damit ein bewegliches Körperteil entsteht. Doch wie sieht das genau aus? Treffen an einer Stelle zwei Knochen zusammen, bildet sich darum in der Regel ein Gelenk. Dabei ist ein Knochen abgerundet geformt, der sogenannte Gelenkkopf, der andere hingegen ist nach innen etwas eingehölt – die Gelenkpfanne. Durch diese spezielle Beschaffenheit passen die Knochen ineinander.
Wie funktioniert eigentlich der restliche Körper? Hier erfährst du mehr zur Anatomie des Pferdes!
Um die einzelnen Knochenteile (also Kopf und Pfanne) herum bildet sich zudem der Knorpel. Dieser sorgt dafür, dass die Knochenmasse beim Aufeinandertreffen nicht abgerieben wird. Zusätzlich befindet sich zwischen den beiden Enden die Gelenkflüssigkeit (auch lateinisch Synovia). Diese ist sozusagen das Öl der Gelenke. Erst durch sie wird das Gebilde wirklich beweglich. Gleichzeitig stellt sie aber auch das Nährmaterial für den Knorpel bereit.
Um hieraus nun ein vollständiges und funktionierendes System zu gestalten, wird das Ganze durch die Gelenkkapsel eingeschlossen. Diese dünne Wand sorgt dafür, dass die Flüssigkeit an Ort und Stelle bleibt. Ringsherum befinden sich dann Muskeln, Nerven, Sehnen und Bänder. Erst diese übertragen die Signale vom Gehirn und sorgen dafür, dass sich die Gliedmaßen entsprechend bewegen.

Die wichtigsten Gelenke beim Pferd
Im Grunde sind natürlich alle Gelenke für das Wohlbefinden und die Beweglichkeit wichtig. Jedoch sind es vor allem jene, die sich in bzw. an den Beinen befinden, welche die meiste Last abfedern müssen. Denn zum einen lastet auf ihnen das restliche Gewicht des Pferdes (und ggf. Reiters), zum anderen werden sie auch am häufigsten bewegt. Das führt sozusagen zu einer doppelten Belastung.
Schauen wir uns also einmal die wichtigsten Gelenke beim Pferd an:
- Schultergelenk: liegt über dem Vorderbein
- Ellbogengelenk: Verbindung zwischen Oberkörper und Beinen
- Karpalgelenk: in der Mitte des Vorderbeins angesiedelt
- Hüftgelenk: befindet sich über den Hinterbeinen
- Kniegelenk: entspricht dem Ellbogengelenk im Vorderbein
- Sprunggelenk: entspricht dem Karpalgelenk im Vorderbein
- Fesselgelenk: verbindet das Röhr- und Fesselbein
- Krongelenk: mittleres Zehengelenk
- Hufgelenk: äußerstes Zehengelenk

Unsere Zusatzfutter für Pferde-Gelenke unterstützen die normale Körperfunktion – jetzt bei Equidocs bestellen!
Gelenkentzündung des Pferdes: Was steckt dahinter?
Eine Gelenkentzündung beim Pferd, auch unter der Fachbezeichnung Arthritis bekannt, kann unterschiedliche Ursachen haben. Zum einen ist eine traumatische Arthritis möglich, welche beispielsweise durch Verletzungen verursacht wird. Zum anderen kann eine infektiöse Gelenkentzündung auftreten, bei welcher Bakterien für eine Reizung sorgen.
Traumatische Arthritis beim Pferd
Wie der Name eigentlich schon besagt, entsteht diese Arthritisform durch ein Trauma. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen Sturz, ein Stolpern oder einen Kontakt mit einem stumpfen Gegenstand (z.B. der Hindernisstange) handeln. Außerdem kann eine anhaltende Fehlstellung sowie eine schlechte oder mangelhafte Hufpflege ausschlaggebend sein.

Durch einen oder mehrere dieser Faktoren wird die Gelenkkapsel oder auch der Knorpel direkt beschädigt. Um diese Verletzung zu beheben, produziert der Körper mehr Synovia– es entsteht der sogenannte Gelenkguss.
Jedoch hat diese eine andere Zusammensetzung. Es ist deutlich weniger Hyaluronsäure enthalten, was sie zähflüssiger macht, ihr aber auch die Schmierfähigkeit nimmt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Gelenke beim Pferd nun Schmerzen verursachen, da die Knorpel, die Synovia und Knochen aneinander reiben.

Infektiöse bzw. septische Arthritis
Auch hier gibt der Name eigentlich schon Aufschluss darüber, was in den Gelenken der Pferde passiert: Eine Infektion entsteht, indem Bakterien in die Bewegungsmodule eindringen. Der Körper reagiert darauf mit einer Entzündung, welche dafür sorgen soll, die Bakterien zu töten und zu entfernen. Diese läuft ähnlich ab, wie der Heilungsprozess nach einer Verletzung.
Doch wie kann eine Infektion überhaupt entstehen? Zum einen sind Wunden mögliche Ursachen. Diese müssen jedoch relativ tief liegen, wie zum Beispiel bei einem Nageltritt oder auch während eines operativen Eingriffs. Zum anderen kann auch eine bakterielle Infektion an einer anderen Stelle im Körper Schuld sein. Dazu gehört unter anderem die Fohlenlähme, aber auch Entzündungen an benachbarten Stellen wie eine Schleimbeutelentzündung.

Akute und chronische Gelenkentzündung
Zunächst treten beide Formen der Arthritis akut auf. Bleiben sie jedoch unbehandelt oder unzureichend therapiert, kann sich daraus eine chronische Erkrankung entwickeln. Dabei bildet sich das Gelenk mit Knorpelsubstanz zu. Ist das Wachstum weit fortgeschritten, kann die Synovia das Aufeinandertreffen dieser beiden Knorpel nicht mehr verhindern.
Es entsteht eine erneute Reibung, auf welche der Körper mit einer Entzündung reagiert, welche wiederum dafür sorgt, dass sich mehr Knorpelsubstanz formt. Ein Teufelskreis kommt ins Laufen. Man spricht nun von einer chronisch degenerativen Gelenkentzündung. Während die Entzündung behandelt werden kann, bleiben die Zubildungen bestehen. Dadurch können auch weitere Verletzungen am Gelenk passieren. Es hat sich eine Arthrose entwickelt.
Erfahre, wie du Erkrankungen am Pferdegelenk frühzeitig erkennen kannst und was du dann tun solltest:
- Von Arthrose bis Zeckenbiss – diese Pferdekrankheiten musst du kennen
- Arthrose beim Pferd – was können Sie tun?
- Arthrose im Sprunggelenk: Spat beim Pferd
- Wenn das Pferd lahmt – Symptome und Ursachen
Gelenkentzündungen erkennen & behandeln
Während die genaue Diagnose durch den Tierarzt erfolgen sollte und eine ausgiebige Untersuchung (u. a. Röntgen, Arthroskopie und/oder eine Gelenkpunktion) beinhaltet, kannst du auf einige Symptome achten. Wichtig ist es immer, eine Arthritis schnell zu erkennen, damit sich daraus keine chronische Erkrankung entwickelt.
Geht dein Tier plötzlich lahm? Fühlt sich das Gelenk vom Pferd warm an und ist angeschwollen? Dann besteht ein Verdacht auf eine traumatische Arthritis. Die infektiöse Gelenkentzündung schreitet hingegen in der Regel langsamer voran. Das Pferd lahmt zunächst nur leicht. Jedoch baut sich der Schmerz immer weiter auf und so auch die Lahmheit. Zudem schwillt der betroffene Bereich stark an und es tritt Fieber auf.

Eine infektiöse Arthritis sollte sofort fachmännisch behandelt werden. Dazu muss das Pferd in die Klinik, wo die Gelenke gespült werden und ein Antibiotikum gegeben wird. Bei einer traumatischen Arthritis hingegen gilt es, das Tier ruhigzustellen. Sorge für eine weiche Einstreu, damit die Gelenke nicht zusätzlich belastet werden. Zudem kann Folgendes sinnvoll sein:
- Kühlverbände anbringen
- entzündungshemmende Cremes auftragen
- Medikamente verabreichen (spritzen oder oral geben)
- Hyaluronsäure spritzen
- Orthopädischen Hufbeschlag anwenden

Weitere Gelenkprobleme bei Pferden
Auch wenn die Arthrose und Arthritis zu den meistgefürchtetsten Erkrankungen zählen, lauern leider noch weitere Gefahren auf dein Tier. Wir wollen hier darum einmal die weitverbreitetsten Gelenkprobleme beim Pferd vorstellen. Zu vielen findest du detailliertere Beiträge in unserem Magazin:
| Erkrankung | Krankheitsbild |
| Hufrehe | Hierbei handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut. Erste Anzeichen sind Lahmheit, Verwehren des Hufgebens, Bewegungsunlust, aber auch die Sägebockstellung. Die Erkrankung kann durch zu hohe Belastung oder eine Vergiftung entstehen. Auch als Begleiterscheinung bei z. B. EMS oder Cushing tritt sie häufig auf. |
| Spat | Hinter dem Namen verbirgt sich die Sprunggelenksarthrose, welche im gleichnamigen Bereich auftritt. Du erkennst diese daran, dass das Pferd verkürzt auftritt, schwunglos wirkt und das Springen öfter verweigert. Zudem kann es passieren, dass es enge Wendungen verwehrt und häufig stolpert. Ursächlich ist meist eine Überbelastung oder eine genetische Prädisposition. |
| Osteochondrose (OCD) | Bei dieser Skelett- und Gelenkserkrankung ist die Verknöcherung gestört. Dabei lösen sich Fragmente – Chips – ab. Diese können bei Fohlen ab einem Monat über Röntgenaufnahmen diagnostiziert werden. Erste Symptome sind warme Gelenke und Lahmheit. Die Ursachen der Erkrankung sind bisher ungeklärt, Forscher gehen aber von genetischen Dispositionen sowie Fütterungsfehlern aus. |
| Gallen | Hierbei sprechen wir von einer Flüssigkeitsansammlung in der Gelenkkapsel. Sie kann auch an einer Sehnenscheide oder am Schleimbeutel auftreten. Nicht zwangsweise sind diese mit Schmerzen verbunden. Wichtiger ist hier eine Behandlung der Ursachen. Dazu zählt z. B. eine Gelenkentzündung beim Pferd, Fütterungsfehler, falsche Ausrüstung oder eine Überbelastung. |

Die Gelenke beim Pferd richtig versorgen
Eine Gelenkentzündung kann gravierende Folgen haben, gerade wenn sie über längere Zeit nicht erkannt und behandelt wurde. Dauerhafte Lahmheit führt oft dazu, dass das Tier nicht mehr geritten werden kann. Um dem also vorzubeugen, ist es wichtig, dass du die Gelenke des Pferdes richtig versorgst. Das hat mehrere Facetten:
- Belastung: Arbeite immer nur dem Trainingsstand entsprechend und überlaste dein Pferd nicht. Achte zudem auf die Bodenverhältnisse.
- Begutachten: Lass die Gliedmaßen regelmäßig durch den Hufschmied begutachten. Dieser kann Stellungsfehler frühzeitig korrigieren.
- Pflegen: Widme dich ausgiebig der Hufpflege. Dadurch erleichterst du das Abrollen und entlastest die Zehengelenke.
- Stärken: Trainiere gezielt die Muskulatur um die Gelenke. Diese trägt zur Stabilisation bei und kann viele akute Verletzungen verhindern.
- Beobachten: Schau dir täglich dein Pferd genau an und untersuche es auf Verletzungen. So können Entzündungen gestoppt werden, bevor sie sich ausbreiten.

Zudem ist auch das Futter entscheidend. Denn es versorgt das Gelenk vom Pferd mit wichtigen Nährstoffen. Diese unterstützen zum einen die Bildung der Gelenkflüssigkeit, zum anderen wirken sie sich aber auch positiv auf die umliegenden Sehnen und Bänder aus. Zu den wichtigsten Nährstoffen gehören:
- Glucosamin (unterstützt den Gelenkknorpel)
- MSM (stellt organischen Schwefel bereit, welcher für die Bindegewebsstrukturen essenziell ist)
- Hyaluronsäure (verbessert die Bildung der Synovia und des Knorpels)
Am besten wendest du eine Mischung dieser Nährstoffe an. Diese ist in den meisten Futtermitteln, welche konkret für den Bereich konzipiert sind, zu finden. Suchst du noch das richtige? Dann sieh dir einmal unsere Ergänzungsfutter für Gelenke an. Hier ist für jedes Tier etwas dabei!
Weiterführende Links
www.stammzellen-pferd.de/gelenkerkrankungen
www.tiermedizinportal.de/…/arthritis-gelenkentzundung-beim-pferd/