Für die meisten kommt die Diagnose Cushing beim Pferd als Schock. Schließlich gilt die Krankheit als unheilbar. Doch was bedeutet das eigentlich genau? Was verbirgt sich hinter dem Equine Cushing Syndrom und kann es überhaupt therapiert werden? Was Sie als Besitzer wissen müssen und wie Sie Ihr Tier gezielt unterstützen, lesen Sie hier!

Was bedeutet Cushing beim Pferd?

Eigentlich handelt es sich beim Cushing um eine Krankheit namens Equine Cushing Syndrom (kurz: ECS). Im professionellen Rahmen hingegen spricht man hierbei von PPID (Pituitary pars intermedia dysfunction). Diese Bezeichnung deutet auf den betroffenen Bereich hin. Denn hinter der Erkrankung verbirgt sich eine Hormonstörung in der Hirnanhangsdrüse, der Hypophyse oder auch Pituitary pars intermedia.

Diese gibt bei betroffenen Pferden zu viele Hormone ab und bringt den Stoffwechsel damit aus dem Gleichgewicht. Vor allem das adrenokortikotrope Hormon (kurz: ACTH), welches über das Blut die Nebennierenrinde erreicht, kurbelt die Überproduktion weiter an. Denn es steuert die Abgabe von Kortisol, einem Stresshormon. Dadurch erhöht sich der Blutzuckerspiegel.

Im Grunde befindet sich der Körper nun in einem permanenten Zustand der Alarmbereitschaft. Dieser verringert die Abwehrkräfte. Ein Phänomen, welches sich vor allem während des Fellwechsels äußert, aber auch dadurch, dass die Pferde häufiger an Infekten erkranken. Denn das Immunsystem ist geschwächt und kann nicht wie gewohnt reagieren. Das bedeutet also: Während Cushing an sich nicht direkt lebensbedrohlich ist, öffnet es die Türen für weitaus schwerwiegendere Erkrankungen.

Zu viele Hormone bringen den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Das äußert sich während des Fellwechsels.

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Ursachen: ECS als Wohlstandserkrankung?

Wussten Sie, dass mehr als 20 % aller über-15-jährigen Pferde von Cushing betroffen sind? Doch schon ab einem Alter von 7 Jahren kann sich die Krankheit manifestieren. Erschreckende Zahlen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Ursache der Krankheit weitestgehend unerforscht ist. Zwar gehen Tierärzte davon aus, dass ein gutartiger Tumor im Bereich der Hypophyse die Hormonaussteuerung beeinflusst, aber was dessen Ursprung ist, konnte bisher nicht herausgefunden werden.

Jedoch haben Wissenschaftler beobachtet, dass Cushing bei Pferden in freier Wildbahn nicht auftritt. Das Syndrom zählt darum zu den sogenannten Wohlstandserkrankungen. Doch was bedeutet das? Bei vielen gezüchteten Pferden stehen Futter und Bewegung nicht im richtigen Verhältnis. Die Tiere nehmen zu viel Zucker und Kohlenhydrate in sich auf, welche sie nicht in Energie umsetzen und abarbeiten.

Das bestätigt sich auch in diversen Studien. Denn es hat sich gezeigt, dass PPID vor allem Tiere betrifft, die an Übergewicht leiden und/oder nicht genügend beschäftigt werden. Es scheint also, dass die Ernährung sowie die Haltungsbedingungen einen entscheidenden Einfluss auf das Auftreten der Krankheit haben. Auch Stress, Über- und Unterforderung werden oft als signifikante Faktoren aufgeführt.

Symptome: Wie erkennen Sie Cushing beim Pferd?

Vor allem in den Anfangsstadien ist Cushing nur schwer für Laien erkennbar. Haben Sie allerdings einen Verdacht oder wollen Sie auf Nummer Sicher gehen, kann ein spezifischer Bluttest Aufschluss geben. Dieser misst den ACTH-Wert und gilt als sehr zuverlässig bei der Diagnose. Doch was sind überhaupt Indikatoren, dass der Stoffwechsel eines Pferdes gestört ist? Einen Faktor haben wir zuvor schon erwähnt: der Fellwechsel.

Denn in dieser Zeit zeigt sich häufig das deutlichste Symptom. Die Körperbehaarung wächst gelockt und viel länger als gewohnt. Zudem löst es sich deutlich schlechter als üblich. Allgemein wirkt ein Pferd mit Cushing oft zottelig. Kommt noch hinzu, dass Ihr Tier regelmäßig an Hufrehe erkrankt, ist das ein weiterer Hinweis für PPID. Denn etwa 70 % aller Fälle von Hufrehe sind Folge der Stoffwechselerkrankung. Neben diesen Phänomenen beobachten Besitzer oft Folgendes:

  • Lethargisches Verhalten
  • Abnehmende Leistung
  • Muskelabbau (v.a. im Rückenbereich)
  • Fettablagerungen
  • Ständiges Transpirieren und häufiges Urinieren
  • Großer Durst
  • Eingeschränkte Wundheilung
  • Häufige Infekte
  • Diabetes
  • Hufgeschwüre

Allgemein wirken Cushing-Pferde oft eher schlapp und erschöpft, auch wenn sie sich gar nicht groß anstrengen mussten. Jedoch kann das natürlich auch mit dem – meist schon weiter fortgeschrittenen – Alter der Tiere zusammenhängen. Zudem können auch andere Erkrankungen die Ursache sein und sollten entsprechend ausgeschlossen werden. Beobachten Sie also mehrere der beschriebenen Symptome, ist es in jedem Fall Zeit den Tierarzt zu kontaktieren.

Cushing Pferde sind auch ohne große Anstrengung oft schlapp und erschöpft.

Behandlung: Was tun bei PPID?

Bisher gilt Cushing bei Pferden als unheilbar. Das ist auch der Fakt, der bei vielen Tierbesitzern erst einmal den größten Schock verursacht. Jedoch wollen wir an dieser Stelle Entwarnung geben. Denn auch wenn es keine Therapie gibt, heißt das längst nicht, dass ECS ein sofortiges Todesurteil ist. Vor allem wenn die Krankheit früh festgestellt wird, kann mit Medikamenten und der richtigen Haltung sowie Fütterung vieles erreicht werden.

Im Fokus der tierärztlichen Behandlung steht hierbei in der Regel der Wirkstoff Pergolid. Dieser signalisiert der Hypophyse, dass die Hormonausschüttung zurückgenommen werden kann. Schon innerhalb weniger Tage verbessert sich so bei den meisten Pferden das Krankheitsbild und oftmals kann wieder in den Alltag zurückgekehrt werden.

Wichtig bei dieser Behandlung ist, dass die Dosis stetig justiert wird. Denn über die Zeit kann sich der Bedarf verändern. Lassen Sie also im besten Fall die Blutwerte regelmäßig prüfen, um die Lebensqualität Ihres Tieres zu erhalten. Unterstützt wird diese Besserung wie bereits erwähnt durch einen guten Futterplan und ausreichend Bewegung.

Fütterung von Cushing-Pferden

Die Fütterung ist bei Cushing-Pferden also ein entscheidender Faktor. Gerade auch, weil sie als ausschlaggebend für das Ausbrechen der Krankheit an sich betrachtet wird. Das A und O ist es, zu möglichst stärke- und zuckerarmen Varianten zu greifen. Das schließt auch Gras und Heu mit ein. Denn diese enthalten Fruktan, welches ebenfalls den Zuckerhaushalt beeinflusst.

Inzwischen gibt es auf dem Markt viele Ergänzungsmittel, die genau diese Anforderungen erfüllen. Spezielle Seniorenfutter oder auch Sorten für Pferde mit ECS sind meist eine gute Wahl. Suchen Sie aktuell nach solchen, schauen Sie auch gern einmal im Equidocs Online-Shop vorbei. Hier finden Sie eine breite Auswahl an hochwertigen Ergänzungsfuttern.

Leidet Ihr Tier zudem an Übergewicht? Dann kann eine gezielte Diät helfen, die Symptome des Cushings zu mindern. Alles dazu haben wir in unserem Beitrag zum Pferde-Gewicht zusammengefasst.
Pferde mit ESC gezielt unterstützen

Neben Medikamenten und hochwertigem, angepasstem Futter ist auch die Pflege entscheidend. Während diese sowieso immer artgerecht und möglichst intensiv ausfallen sollte, wird dieser Teil bei von ESC betroffenen Tieren noch wichtiger. Werfen Sie am besten täglich einen Blick auf die Hufe und Zähne. Stellen Sie hier Schäden fest oder reagiert Ihr Tier empfindlich in diesen Bereichen, ist es besser frühzeitig zu handeln.

Da das Immunsystem im Allgemeinen bei PPID deutlich geschwächt ist, wird es umso wichtiger, Impfungen und Wurmkuren regelmäßig zu erneuern. Behandeln Sie zudem auch kleinere Wunden zügig, um Infektionen zu vermeiden. Steht der Fellwechsel an, unterstützen Sie Ihr Pferd dabei. Scheren Sie es gegebenenfalls und bürsten die überschüssigen Haare aus. Was Sie in dieser konkreten Situation noch tun können, erfahren Sie auch in unserem Beitrag über den Fellwechsel.

Sehr wichtig! Pferd regelmäßig bewegen.
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Weiterhin essenziell: die Hygiene. Misten Sie Boxen und ggf. auf die Koppel regelmäßig ab. Das beugt vor allem Folgeerkrankungen an den Hufen vor. Schlussendlich gilt es zum einen Stress zu vermeiden, da dieser zu einer zusätzlichen Ausschüttung von Kortisol führen würde. Zum anderen ist es aber auch wichtig, dass Sie Ihr Pferd ausreichend bewegen. Im Idealfall erarbeiten Sie mit professioneller Hilfe einen Trainingsplan, der auf Sie, Ihr Tier und dessen Erkrankung abgestimmt ist.
Cushing bei Pferden vorbeugen

Dadurch, dass die Ursache von Cushing nicht genau bekannt ist, können wir auch nicht sagen, wie genau der Krankheit vorgebeugt werden kann. Klar ist jedoch, dass es sich um ein Phänomen von Haltungstieren handelt. Entsprechend ist es essenziell, dass Sie das Leben Ihres Pferdes möglichst artgerecht gestalten – sprich durch viel Zeit im Freien, viel Bewegung und Futteranpassungen. Übergewicht hingegen sollte am besten vermieden oder möglichst schnell bekämpft werden.

Weiterführende Links
https://www.cavallo.de/medizin/was-tun-bei-cushing/
https://www.tierspital.uzh.ch/de/Pferde/Pferdemedizin/Dienstleistungen/Metabolisch/0-PPID.html
https://www.tiermedizinportal.de/tierkrankheiten/pferdekrankheiten/cushing-syndrom-beim-pferd/440344
https://www.tierarzt-onlineverzeichnis.de/blog/das-cushing-syndrom-bei-pferden/
https://www.tierarztpraxis-zuck-ehrenfels.de/wp-content/uploads/2018/03/Das-Cushing-Syndrom-beim-Pferd.pdf