Kommt das Pferd langsam in die Jahre, verändern sich auch seine Bedürfnisse. Mit der falschen Fütterung und Haltung ist die Alterungskurve leider sehr steil. Wir haben darum für Sie einen Ratgeber zusammengestellt, was Sie beachten sollten, wie Sie Ihr Tier unterstützen und wie Sie ein altes Pferd füttern, damit es möglich vital bleibt. Erfahren Sie hier mehr!


Wie Sie ein altes Pferd erkennen

Wenn man das Alter eines Pferdes einmal etwa auf Menschenjahre umrechnen möchte, kann man dafür einen Faktor von 3 bis 4 ansetzen. Daran erklärt sich relativ leicht, ab wann ein Tier in der Regel als „alt“ gilt. So wird hier für eine langsame Fütterungsumstellung meist die 20 Jahre Marke (also etwa 60 Menschenjahre) angesetzt.

Alter ist relativ

Doch es ist nicht nur die Zahl, die eine Rolle spielt. Im Gegenteil: Alter ist relativ. Denn während manche Pferde mit 20 noch rumtollen und toben, werden andere schon sehr träge und wirken insgesamt matt. Achten Sie darum auf äußere Indizien. Diese verraten Ihnen deutlich, ob Ihr Pferd langsam alt wird und Sie entsprechende Änderungen bei der Haltung vornehmen sollten. Folgendes sind solche Anzeichen:

  • Rücken senkt sich ab
  • Gewichtsverlust
  • Muskelabbau
  • Haut wirkt trocken und schlaff
  • Trübe Augen
  • Ergrauen des Fells (meist beginnend im Gesicht)
  • Fellwechsel dauert länger an
  • Eintreten von Alterskrankheiten (v.a. Zahn- und Verdauungsprobleme, Hufrehe, Kurzatmigkeit, wetterbedingte Koliken, Spat, Arthrose)
Dem alten Pferd fehlen Muskeln, es hat einen Senkrücken und einen hohen Gewichtsverlust.

Altes Pferd mit Gewichtsverlust, Senkrücken und fehlender Muskulatur.

Grund für diese Erscheinungen ist übrigens der Stoffwechsel. Dieser baut ab etwa dem 20. Lebensjahr deutlich ab. Das führt dazu, dass ein altes Pferd keine so starke Immunabwehr mehr aufweist. Zudem wird die Regenerationsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Das bedeutet auch, dass die Prozesse wie z.B. die Leberentgiftung und die Zellregeneration länger brauchen.

Die Lebenserwartung eines Pferdes

Nun, da Sie wissen, ab wann ein Pferd als alt gilt, ist es vielleicht auch interessant, wie alt es überhaupt werden kann. In der Regel spricht man hier von 25 bis 30 Jahren. Jedoch kann die Lebenszeit durch die richtige Fütterung und Anpassungen in der Haltung deutlich verlängert werden. Natürlich spielt auch die medizinische Versorgung eine Rolle, ebenso wie die Rasse und die Größe des Tieres. Die großen Kalt- und Warmblüter haben meist eine geringere Lebenserwartung als kleinere Artgenossen.

Altes Pferd ist sehr weiß im Gesicht geworden.

Typische Zeichnung für ein hohes Alter sind die weißen Haare im Gesicht des Pferdes.

Übrigens: Das älteste, dokumentierte Pferd der Welt wurde stolze 62 Jahre alt. Old Billy war eine Kreuzung aus einem Shire Horse und Welsh Cob und wurde in Großbritannien im 18. Jahrhundert für über 50 Jahre gearbeitet. Allgemein haben Kleinpferde wie etwa Island- oder Fjordpferde, welche besonders robust gebaut sind, die besten Chancen besonders alt zu werden.

Was alten Pferden füttern?

Ein altes Pferd hat in der Regel einen geringeren Energiebedarf als ein Jungtier. Das bedeutet auch, dass der Grundumsatz sinkt. Wiederum heißt das nicht, dass Sie einfach die Futterration reduzieren können. Stattdessen sollten Sie sie an die Bedürfnisse Ihres Tieres anpassen. Denn ein altes Pferd braucht deutlich mehr essentielle Nährstoffe. Dazu zählen zum Beispiel Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente.

Bekommen die Pferde die entsprechende Unterstützung, hilft es ihnen das Immunsystem wieder zu stärken, Regenerationsprozesse zu beschleunigen und die Allgemeingesundheit zu steigern. Doch was bedeutet das für Sie konkret und was sollten Sie nun füttern? Den Stoffwechsel regen Sie damit an. Wir klären auf!

Die wichtigsten Nährstoffe

Wir haben es eben schon angesprochen: Ein altes Pferd hat spezielle Ansprüche an sein Futter. Es sollte besonders reich an essentiellen Aminosäuren, Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen sein. Diese sollten natürlich in qualitativ hochwertiger Form gegeben werden, denn je älter das Tier, desto schlechter nimmt es eben diese Stoffe im Körper auf und verarbeitet sie weiter. Wir können Ihnen dieses Produkt empfehlen.

Magnesium für das Herz

Magnesium sorgt dafür, dass die Herzfunktion gestärkt wird bzw. intakt bleibt. Dadurch können auch angelaufene Beine und Wetterfühligkeit abgemindert werden. Im Umkehrschluss bedeutet das ebenfalls, dass das Risiko einer Kolik gesenkt wird.

Spurenelemente für Haut und Horn

Bemerken Sie, dass das Hufwachstum stagniert, gehäuft Fellprobleme und Juckreiz auftreten oder auch der Fellwechsel gestört wird, können das Hinweise auf einen Mangel an Spurenelementen sein. Dieser äußert sich zudem in einem erhöhten Juckreiz, dem Auftreten eines Ekzems, aber auch durch Appetitlosigkeit und damit einhergehend in der Abmagerung. Besonders essentiell sind dabei für ein altes Pferd Zink, Selen, Mangan, Kupfer und Kobalt. Deren relative Menge sollte entsprechend dem Energiebedarf angepasst werden.

Vitamine für eine gesunde Darmflora

In der Regel regeneriert sich die Darmflora eines Pferdes ganz von selbst. Jedoch kann dieser Prozess bei alten Pferden deutlich eingeschränkt ablaufen. In diesem Fall sollten Sie Ihr Tier mit bestimmten Vitaminen unterstützen. Besonders wichtig sind hier die Vitamine C, B und K, die im jungen Pferd selbst gebildet werden.
Achtung! Nicht zu viel von einigen Nährstoffen

Zusätzlich zu den Nährstoffen, die Sie vermehrt füttern sollten, gibt es auch einige, die es eher zu meiden gilt. Das betrifft vor allem jene, die über die Niere ausgeschieden werden müssen. Denn das Organ nimmt im Alter oft an Leistungsfähigkeit ab. Ist zu viel Calcium, Natrium und/oder Phosphor im Futter enthalten, werden alte Pferde oft anfälliger für Infektionen, wirken insgesamt träge und haben mehr Probleme mit dem Fellwechsel.

Kräuter für mehr Leistungsfähigkeit

Verschiedene Kräuter liefern spezielle sekundäre Pflanzenstoffe, die sich positiv auf den Pferdeorganismus auswirken. Sie können so unter anderem die Entgiftung und die Entschlackung fördern sowie den Bewegungsapparat kräftigen und so für mehr Wohlbefinden sorgen. Besonders gern werden folgende Kräuter beigemengt: Weißdorn, Melisse, Ginseng, Hagebutte, Ingwer, Teufelskralle, Eisenkraut, Brennessel.

Ein altes Pferd mit Kraftfutter auffüttern

Oft neigen unsere Senioren-Pferde dazu, Gewichtsmasse abzubauen. Um das zu verhindern, kann spezielles Kraftfutter helfen. Dabei sollten Sie darauf achten, dass die Inhaltsstoffe besonders leicht verdaulich sowie qualitativ hochwertig sind. So können sie von den Tieren deutlich leichter aufgenommen und verarbeitet werden.

Besonders hochwertige Energie- und Proteinquellen bringen dabei zum Beispiel verschiedene Pflanzenöle, Sojaschrot sowie Erbsen-, Kartoffel und thermisch aufgeschlossene Getreideflocken mit. Diese sind oft auch in speziellen Senioren-Futter vorhanden.

Wenn ein altes Pferd zudem mit Zahnproblemen zu kämpfen hat, können Sie das Kraftfutter eine Weile in Wasser einweichen lassen. Der Brei lässt sich deutlich leichter futtern. Übrigens: Will Ihr Pferd ihn nicht anrühren, können Sie ihn noch mit einigen Apfel- oder Karottenchips schmackhafter gestalten. Dabei bringen diese gleichzeitig auch noch wertvolle Vitamine und Rohfasern mit auf den Speiseplan.

Alte Pferde ohne Zähne füttern

Ein zusätzliches Hindernis bei der Fütterung kommt dann ins Spiel, wenn ein altes Pferd keine oder kaum noch Zähne hat. Dann wird nämlich auch der gesamte Kauprozess, der vor allem für die Verdauung von Raufutter wie etwa Heu oder Heulage essentiell ist, deutlich eingeschränkt. Wichtig ist es dann, dass Sie diese entsprechend ersetzen.

Im Frühling bis Herbst bedeutet das, dass die Pferde täglich auf die Weide können. Denn das frische Gras ist weicher und kann deutlich leichter gefressen werden. Im Sommer kann ein altes Pferd ruhig auch 24h auf der Weide verbringen – dann kann es nämlich ganz in Ruhe und ungestört fressen.

Gras ist leichter zu fressen für alte Pferde

Frisches Gras ist weicher und das alte Pferd kann es leichter fressen.

Inzwischen gibt es zudem guten Raufutterersatz, welcher mit Wasser angedickt wird und von Pferden ohne Zähne besser aufgenommen werden kann. Wenn es um die Menge geht, gilt hier die gleiche Regel wie auch bei der regulären Futtergabe: Etwa 1,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts sollten täglich an Raufutter aufgenommen werden.

Für ein vitales, altes Pferd: Tipps & Tricks

Abschließend wollen wir Ihnen noch einige Tipps mit auf den Weg geben, auf die Sie bei der Fütterung achten sollten. Mit diesen können Sie den Alterungsprozess Ihres Tieres in der Regel deutlich entschleunigen.

  • Gewichtserhalt: hohe Anteile an Rohprotein & Aminosäuren (v.a. Lysin) füttern
  • Stoffwechselprobleme vorbeugen: auf zu viel Zucker & Stärke verzichten
  • Für mehr Energie: pflanzliche Öle beimengen
  • Immunsystem stärken: größere Mengen an Vitamin C & E geben
  • Bessere Nahrungsaufnahme: organische statt anorganische Spurenelemente einsetzen
  • Gute Verdauung: besonders hochwertige Rohfasern füttern

Appetitlosigkeit ist zudem eine häufige Begleiterscheinung des Alterns. Dieser können Sie entgegenwirken, indem Sie das Futter mit frischen Früchten besonders schmackhaft gestalten. Zudem sollte die Futtermittel immer leicht aufzunehmen und zu verdauen sein. Das bedeutet auch, dass sie möglichst staubfrei daherkommen.

Quellen

https://www.tierklinik-gessertshausen.de/fileadmin/pdf/fuetterung_von_alten_pferden.pdf
http://www.tierarzt-praxisfuerpferde.de/pferd/altes_pferd.html
http://www.pferdemedizin-osteopathie-weber.de/files/docs/weber-fachtexte/Fuetterung/4%20die%20Fuetterung%20des%20alten%20Pferdes%20fertig.pdf
https://www.tierarztpraxis-zuck-ehrenfels.de/wp-content/uploads/2018/03/Die-Fuetterung-des-alternden-Pferdes.pdf