Ist der Sommer einmal überstanden, bleiben Bremsen und alles Ungeziefer endlich wieder fern. Das glauben zumindest viele Reiter. Leider ist das nicht ganz richtig, denn gerade wenn die feucht-kühle Jahreszeit beginnt, fühlen sich Milben besonders wohl – allen voran die Herbstgrasmilben beim Pferd. Wie Sie diese erkennen, was Sie gegen einen Befall akut und vorbeugend tun können und alles, was Sie sonst noch wissen müssen, erfahren Sie hier!

Ein kurzer Exkurs: Milben verstehen

Um zu verstehen, was Herbstgrasmilben beim Pferd eigentlich sind, wollen wir uns einmal die gesamte Spezies näher betrachten. Denn bei diesem Ungeziefer handelt es sich, neben den ebenfalls weit verbreiteten roten Vogelmilben, um zwei Arten der Klasse der Milben. Einzuordnen sind diese bei den Spinnentieren.

Milben leben parasitisch, das heißt, sie beziehen ihre Nahrung immer von einem Wirt. Herbstgrasmilben im Spezifischen können dabei im Grunde alle Säugetiere befallen. Besonders weit verbreitet sind sie allerdings bei Hunden, Mäusen, Katzen und Pferden. Jedoch sind sie theoretisch auch für den Menschen ansteckend.

Eine Milbe durchläuft immer einen bestimmten Lebenszyklus. Dieser beginnt damit, dass aus dem Ei eine Larve schlüpft, welche sich zu einer Lymphe und schlussendlich zu einer Milbe weiterentwickelt. Dieser Vorgang kann, abhängig von der Milbenart, in oder auf der Haut des Säugers stattfinden. Dadurch wird dieses größte Organ beschädigt und auf lange Dauer das Immunsystem angegriffen.

Die Herbstgrasmilbe kann im Grunde alle Säugetiere befallen, diese dienen ihr als Wirt.

Typische Parasiten bei Pferden: Herbstgrasmilben

Ungeziefer nach dem Sommer: Die Herbstgrasmilbe beim Pferd

Widmen wir uns nun speziell der Herbstgrasmilbe beim Pferd. Dieses Spinnentier ist umgangssprachlich auch unter den Namen Heu- oder Grasmilbe sowie Gras-, Erd- und Pfirsichlaus bekannt. Dabei hat sie weder etwas mit der Grasmilbe zu tun, welche sich von verschiedenen Pflanzen ernährt, noch ist sie mit der Laus verwandt.

Die Herbstgrasmilbe hat ihren Namen daher, dass sie nach dem Sommer im Gras schlüpft. Die Eier wurden von der Vorgeneration hier hinterlassen und die Larven werden aktiv, sobald die Luftfeuchtigkeit zu- und die Temperatur abnimmt. Einmal geschlüpft, suchen sich die Parasiten den nächstmöglichen Wirt. Im Gras tollende Hunde und Katzen sind dabei ebenso beliebt wie Pferde auf der Futtersuche.

Einmal im Maul oder am Bein angekommen, beißt sich die Herbstgrasmilbe am Pferd fest. Ihre Spucke sorgt dafür, dass sich das Hautgewebe entlang der Wunde so verändert, dass es für das Spinnentier fressbar wird. Ist die Milbe satt, wird sie sich fallen lassen und sich nach einiger Zeit einen neuen Wirt suchen. Ihr Pferd muss nun allerdings die Folgen dieses Bisses tragen.

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Kleiner Biss, große Folgen: Grasmilben beim Pferd erkennen

Eigentlich werden Sie nie die Herbstgrasmilben beim Pferd erkennen, sondern eher die Wunden, die diese hinterlassen. Denn das kleine Ungeziefer ist meist schon wieder verschwunden und auf zum nächsten Wirt. Zudem kann es mit dem bloßen Auge sowieso kaum wahrgenommen werden. Was Sie sehen, ist hingegen eine allergische Reaktion auf den Speichel der Spinnentiere. Diese ist bei allen Säugetieren ganz natürlich und sieht in der Regel folgendermaßen aus:

  • Lokale Pusteln um die Bisswunde
  • Krusten oder Knötchen auf der Haut
  • Kahle Stellen
  • Juckreiz an der betroffenen Stelle
  • Vermehrtes Kratzen und dadurch nässende Wundstellen
  • Folgeentzündungen

Krusten auf der Haut und kahl werdende Stellen im Fell des Tieres durch die Milbe.

Das Tier ist von Milben befallen und zeigt Krusten und kahl werdende Stellen auf der Haut.

Die Herbstgrasmilben setzen sich dabei bevorzugt an die Bereiche, die sie leicht aus dem Gras heraus erreichen können. Das bedeutet zum einen die Beine, zum anderen aber auch der Kopf- und vor allem Maulbereich. Prüfen Sie diese Regionen also besonders intensiv, wenn Sie den Verdacht haben, dass Grasmilben Ihr Pferd befallen haben könnten. Die etwa 3 mm großen, ausgewachsenen Tierchen sind als helle Punkte bei genauem Hinsehen erkennbar.

Während der Biss an sich zwar nicht weiter gefährlich, sondern eher nervig ist, kann er wie gesagt Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Denn die Wunde kann sich, bleibt sie unbehandelt, entzünden und den perfekten Nährboden für verschiedene Bakterien bieten. Mauke, Schuppen und Pilzbefall sind nicht selten eine Folgeerscheinung von Herbstmilben beim Pferd. Um diese zu verhindern, ist es essentiell, dass Sie die Wundstellen entsprechend pflegen – wie genau, das verraten wir Ihnen im Folgenden.

Grasmilben bekämpfen: So gehen Sie beim Befall vor

Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Pferd von Milben befallen sein könnte, gilt es zunächst den Tierarzt zu kontaktieren. Dieser wird einen Test durchführen, bei dem er ein wenig Haut und Fell ablöst. Diese Probe wird anschließend auf Rückstände des Speichels bzw. die Spinnentiere selbst untersucht. Ist das Ergebnis positiv, können Sie mit der Behandlung beginnen.

Der erste Schritt: Larven entfernen

Bevor Sie mit der eigentlichen Behandlung beginnen können, gilt es die Herbstgrasmilben vom Pferd zu lösen. Denn bleibt das Ungeziefer an Ort und Stelle, werden Sie immer neue Wunden entdecken. Um es also loszuwerden, brauchen Sie einen sehr aufmerksamen Blick und viel Geduld. Untersuchen Sie Ihr Tier am besten einmal täglich auf die kleinen Pünktchen im Fell – am besten geht das beim Putzen.

Haben Sie einmal eine befallene Stelle gefunden, können Sie die Schermaschine ansetzen oder ganz vorsichtig mit einem Rasiermesser die Milben entfernen. Alternativ können Sie auch mit einer Mischung aus Obstessig und Wasser arbeiten. Diese wirkt erstickend für die Larven. Um diese dann wirklich zu entfernen, waschen Sie das Pferd an den betroffenen Stellen gründlich mit Seife und Wasser. Bei besonders empfindlichen Pferden oder wenn der Befall schon sehr aggressiv ist, können Sie auch ein desinfizierendes Shampoo nutzen.

Weiter geht’s: Den Juckreiz behandeln

Wurde Ihr Pferd bereits gebissen, wird meist innerhalb der ersten 24 Stunden der Juckreiz einsetzen. Am besten ist es natürlich, wenn Sie diesen möglichst effizient hemmen können. Denn dann beginnt das Tier gar nicht erst, sich an den befallenen Stellen zu schaben und es entstehen auch keine offenen Wunden.

Der Juckreiz hat eingesetzt. Das Pferd reagiert bereits auf den Biss der Herbstgrasmilbe.

Pferd reagiert mit Juckreiz auf den Biss der Herbstgrasmilbe.

Die Behandlung des Juckreizes erfolgt in der Regel von außen. Dazu können Sie die jeweiligen Regionen beispielsweise mit Schwarzkümmelöl einreiben. Die enthaltenen Inhaltsstoffe sind entzündungshemmend und haben eine antihistamine Wirkung. Auch Propolis und Aloe Vera haben eine beruhigende Wirkung auf die Haut und können so das Jucken durch die Heumilben beim Pferd mindern.

Übrigens: Der Juckreiz kann – ähnlich wie bei einem Mückenstich – für ein bis zwei Wochen anhalten. Darum sollten Sie die behandelnden Vorgänge auch in diesem Zeitraum täglich wiederholen. So verschaffen Sie Ihrem Tier effektiv Linderung.

Schlussendlich: Die Wunden versorgen

Haben sich doch Wunden gebildet, sollten diese möglichst früh behandelt werden, damit es hier zu keinen Folgeinfektionen kommt. Setzen Sie dazu am besten eine beruhigende Wundheilsalbe ein.

Um dem Befall der Wunden durch Sekundärbakterien vorzubeugen, können Sie zudem Teebaumöl einsetzen. Wichtig ist bei diesen äußeren Behandlungsmethoden aber immer, dass Sie diese im Trockenen durchführen. Kommt die Haut gleich danach mit Wasser (z.B. durch Regen) in Berührung, werden die Wirkstoffe wieder abgespült.

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Herbstgrasmilben beim Pferd vorbeugen

Haben Sie im Vorjahr schon mit Herbstgrasmilben zu kämpfen gehabt, ist es wahrscheinlich, dass diese ihre Eier auf der Weide abgelegt haben. Hier kann es also nicht schaden, vorbeugend einige Maßnahmen einzuleiten. Dazu gibt es neben verschiedenen Parasitenschutzmitteln für die Freifläche auch einige Hausmittel, die effektiv das Ungeziefer vom Pferd fernhalten.

Zum einen empfiehlt es sich natürlich das Fell besonders gründlich und regelmäßig zu untersuchen. An potentiell befallene Regionen können Sie das Fell vorsichtig scheren und die Haut mit etwas Seife und Wasser abspülen. Zudem können unterstützend an besonders empfindlichen Stellen auch pflanzliche Mittel wie etwa Kokos- oder Neemöl eingesetzt werden. Diese haben eine abwehrende Wirkung auf das Ungeziefer.

Betroffene Stellen vorsichtig scheren damit die Hau, die die Herbstgrasmilbe befallen hat, behandelt werden kann.

Pferd wird an der Stelle geschoren an der die Grasmilbe diese befallen hat. Somit kann man die Haut besser pflegen.

Zum anderen ist das richtige Futter ein wichtiger Punkt. Denn mit der Zeit greifen die Herbstgrasmilben beim Pferd das Immunsystem an. Umso wichtiger ist es, dass Sie dieses entsprechend unterstützen. Mineralfutter sollten im Spätsommer und Herbst darum einen höheren Anteil an Zink, Selen und Kupfer enthalten. Auch natürliche Zusatzstoffe wie beispielsweise Echinacea können helfen, die Grasmilbenallergie vorzubeugen.
Fazit: Herbstgrasmilben effizient bekämpfen

Ohne Frage: Herbstgrasmilben sind für Mensch und Tier nervige Plagegeister. Doch einmal entdeckt, können Sie einiges gegen das Ungeziefer unternehmen. Ob nun mit professionellen Insektenschutz- oder altbewährten Hausmitteln – Möglichkeiten gibt es hier vielzählige. Zudem kann es Ihnen auch passieren, dass der Tierarzt zu einer Milbenimpfung rät.

Diese sollten Sie aber in der Regel erst im Ernstfall einsetzen. Denn ein solcher Eingriff stellt immer auch eine hohe Belastung für den gesamten Organismus dar. Zudem muss der Prozess, um wirklich alle Larven zu vernichten, mehrmals wiederholt werden. Es ist hier also immer wichtig, eine individuelle Entscheidung zu treffen, welcher Ansatz der beste ist.

Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Herbstmilbe
https://www.pferdefluesterei.de/milbe-pferd/
https://www.pferde.de/magazin/herbstgrasmilben-beim-pferd/
https://www.pferdebiester.de/herbstgrasmilben/