Sie lieben das Turnen und verbringen zugleich gern Zeit auf dem Rücken der Pferde, denn hier liegt ja bekanntlich das Glück der Erde? Dann ist das Voltigieren bestimmt genau das richtige Hobby! Haben Sie einmal eine wahre Leidenschaft für den Sport entwickelt, liegt die Frage nicht allzu weit, sich ein eigenes Voltigierpferd zuzulegen. Doch offenbaren sich an dieser Stelle oft ganz neue Probleme, bei denen wir Ihnen gern zur Seite stehen!

Das passende Voltigierpferd für den Leistungsanspruch

Voltigieren ist eigentlich noch ein relativ junger Pferdesport – erst seit 1981 finden hier offizielle Wettkämpfe statt. Dabei steht immer der Voltigierer im Vordergrund. Solange das Pferd nicht verweigert, fließt seine Leistung eigentlich nicht weiter in die Turnierwertung mit ein. Trotzdem ist es für Leistungssportler sowie Hobbyvoltigierer unabdinglich, dass die Harmonie zwischen Pferd und Mensch stimmt!

Bei der Wahl des Tieres sind darum erst einmal die eigenen Ansprüche entscheidend. Wollen Sie nur zum Spaß turnen? Dann sind die Anforderungen auf jeden Fall geringer, als wenn Sie am Hochleistungssport teilnehmen möchten. Auch wird oft eine Differenzierung zwischen einem Voltigierpferd für Kinder gegenüber einem für Erwachsene vorgenommen.

Harmonisches Voltigierteam

Die Harmonie zwischen Voltigierpferd und Turner muss stimmen.

Das perfekte Pferd zum Voltigieren

Bevor ein Pferd zum Voltipferd ausgebildet wird, sollten Sie sich seinen Charakter ganz genau anschauen. Ein Voltigierpferd hat eine ruhige, gutmütig-sanfte Ausstrahlung. Es lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen und ist auch von einem oder mehr Reitern, welche darauf herumturnen, nicht abzulenken. Selbst bei Turnierveranstaltung bleibt es voll leistungsfähig.

Zudem lässt es sich sehr gut an der Longe führen und gehorcht Befehlen hier perfekt. Es kann außerdem auch einmal 10 Minuten ruhig und in gleichbleibendem Tempo galoppieren, damit die Voltigierer ihre Übungen ausführen können – dazu braucht es eine gewisse Ausdauer.

Natürlich sind diese Voraussetzungen jenen entsprechend, die ausgebildete Sportpferde sowieso mitbringen sollten. Genau deswegen werden als Voltigierpferde oft jene Tiere eingesetzt, die auf Grund von körperlichen Einschränkungen nicht mehr für den herkömmlichen Turniersport geeignet sind. Um sich an die neue Belastung zu gewöhnen, bedarf es meist 2 bis 3 Jahre vor dem ersten Turnier.

Ein Voltigierpferd ausbilden

Wie schon gesagt, gleichen sich die Anforderungen zwischen Sportpferd und Voltigierpferd in den meisten Punkten. Deswegen ist es wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass ein Pferd zum Voltigieren keine spezielle Ausbildung benötigt. Die klassische Reitpferdausbildung muss es jedoch auf jeden Fall durchlaufen.

Außerdem sollte ein Freizeit-Voltipferd mindestens 5 Jahre, ein Turnierpferd hingegen besser 6 bis 7 Jahre alt sein. Es wird von den erfahrenen Richtern zudem auf Gelassenheit, Gangsicherheit (und -gesundheit) sowie Gutmütigkeit geprüft. Wie auch Reitpferde muss es darum einen ordentlichen Gang erlernt haben, welcher die Gelenke schont und somit Erkrankungen wie Arthritis vorbeugt.

Pferderassen zum Voltigieren

Es gibt Pferderassen, die von Grund aus eben diese Eigenschaften mitbringen. Diese eignen sich dann besonders für Anfänger, denn sie lassen sich kaum aus der Ruhe bringen. Zu diesen gehören zum Beispiel Haflinger, Norweger sowie schwere Warm- und Kaltblüter. Sie sind ebenfalls nicht nachtragend und verzeihen dem Voltigierer problemlos Fehler.

Ein Haflinger beim voltigieren

Mädchen voltigiert auf einem Haflinger

Gerade wenn es darum geht das Voltigieren zu lernen und Spaß daran zu finden, eignen sich diese sehr geduldigen Tiere. Hat man dann einmal den Dreh raus und möchte gern an Turnieren teilnehmen, braucht es ein Pferd mit ein wenig schwungvollerem Gang, welches möglichst in der Dressur ausgebildet wurde. Besonders eignen sich hier Holsteiner, Oldenburger oder Hannoveraner.

Voltigieren als Turniersport

Wir haben jetzt schon oft angesprochen, dass erfahrene Voltigierer auch an Turnieren teilnehmen können. Diese finden international auf verschiedenen Ebenen bis hin zur Weltmeisterschaft und Olympiade statt. Dabei gibt es immer verschiedene Gruppen, die geprüft werden. Bevor wir jedoch dazu kommen, wollen wir einmal in die Geschichte des Sports eintauchen.

Voltigierturnier

Das Voltigierpferd auf dem Turnier

Die Geschichte

Auch wenn das Voltigieren erst seit 1981 offiziell zum Turniersport wurde, hat es eine lange Tradition. Schon in der Antike brachte man so Soldaten bei, wie sie sich auch bei abrupten Sprüngen auf dem Pferd halten konnten. In der Renaissance gewann es den Adel für sich – in Einzel- und Paarübungen schwang man sich elegant auf das Pferd und trug Kunststücke vor.

1920 kam es dann in abgewandelter Form und unter dem Namen „Kunstreiten“ zu den olympischen Spielen. Danach gewann der Sport zunehmend an Beliebtheit und wurde immer öfter genutzt, um Kinder an Pferde heranzuführen. 1953 erschien dann eine Anleitung zum Voltigieren – erstmals unter dem heutigen Namen des Sports.

Das Volti-Training wurde nun auch für Erwachsene wieder interessanter und 1981 wurde Voltigieren zur offiziellen Sportart, für die auch Turniere stattfinden dürfen. Das Regelwerk dazu hat sich über die Jahre immer weiter entwickelt und wird auch heute noch aktualisiert.

Voltigierturniere mit internationalen Standards

Wollen Sie an einem Voltigierturnier teilnehmen, so müssen Sie sich bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung bewerben. Dabei werden Mitglieder des Bundeskaders bevorzugt behandelt, aber prinzipiell hat jeder eine Chance, auch unerfahrene Turnierpaare. Die Regeln sind immer gleich und von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) festgeschrieben. Achten Sie bei Ihrer Bewerbung darauf, dass Sie sich auch für die passende Gruppe einschreiben. Folgende Prüfungen sind möglich:

CVIJ / CH1 & CVIJ / CH2: Junioren Einzel-, Paar- oder Gruppenprüfung, Kinderprüfung
CVI1, CVI2 & CVI3: Senior Einzel-, Paar- oder Gruppenprüfung
CVI-W: Wettbewerbe mit einer Weltmeisterschaftsqualifikation
CVI-Master Class: nur Voltigierer zugelassen, die in den letzten zwei Jahren in einer Meisterschaft gestartet sind / auf Einladung
CVIO 1, CVIO 2 & CVIO 3: Gruppen, die sich einem Team zuordnen, nehmen an einem internationalen Turnier (aus mindestens 4 Nationen) teil

Allgemein gilt zudem folgende Alterseinteilung: Einzelprüfungen der Kategorie „Children“ sind für Teilnehmer zwischen 12 und 14 Jahren freigegeben. Junior Gruppenprüfungen dürfen bis 18 Jahre absolviert werden, während man für Junior Paar- und Einzelprüfung zwischen 14 und 18 Jahre alt sein muss. Alle Seniorenprüfungen dürfen ab 16 Jahre besucht werden.

Turnierbelastung für Pferde

Eines gilt es jedoch vor Antritt eines Turniers bzw. eigentlich schon vor der Anmeldung noch zu bedenken: Ist mein Pferd auch bereit dafür? Denn: Ein Turnier bringt immer eine Menge Stress mit sich. Schon beim Verladen werden einige Pferde ungeduldig und die neue, ungewohnte Umgebung, die vielen Menschen und anderen Tiere können es dann völlig aus der Ruhe bringen.

Trainieren Sie also peu-a-peu die einzelnen Schritte: zuerst einmal das “trocken Verladen” (also ohne wirklich wegzufahren) in den Anhänger. Klappt das ganz gut, fahren Sie einmal los und drehen Sie eine kleine Runde. Hat sich das Pferd auch daran gewöhnt, können Sie mit kleinen, nahen Turnieren beginnen und sich so immer weiter vortasten.

Tatsächlich sollte dieser Prozess bei einem Voltigierpferd meist verhältnismäßig gut verlaufen, da es ja von Grund auf schon ruhiger und sehr stressresistent sein sollte. Achten Sie aber bitte dennoch auf Anzeichen von Überlastung wie zum Beispiel Kotwasser oder eine Schwächung des Immunsystems. Gönnen Sie Ihrem Pferd dann die wohlverdiente Pause, die es braucht.

Quellen
https://www.markt.de/ratgeber/reiten/voltigierpferd/
https://mainschleife1.jimdo.com/unser-pferd/informationen-ausbildung-voltigierpferd-etc/
http://www.paradisi.de/Fitness_und_Sport/Pferdesport/Voltigieren/Artikel/15652.php
https://www.pferd-aktuell.de/voltigieren/internationale-voltigierturniere-cvi/internationale-voltigierturniere-cvi