Leider finden sich auf vielen Pferdehöfen immer noch Missstände in der Pferdehaltung – viele Tiere bekommen nur unzureichend Auslauf oder werden in viel zu beengten Räumen gehalten. Um es dem eigenen Pferd so schön wie möglich zu machen, zeigen wir, worauf Sie bei artgerechter Pferdehaltung in der Box mit und ohne Paddock oder Weide achten müssen.

Der Horror pur: Die Ständerhaltung

Die Richtlinien der Pferdehaltung haben in den letzten Jahrzehnten deutliche Fortschritte gemacht. Es ist nicht allzu lange her, da wurden Pferde in der Ständerhaltung gehalten. Das heißt, dass sie nebeneinander angebunden im Stall standen und nur zum Reiten abgebunden wurden. Oft wurden sie vor der ersten Reitstunde gesattelt und aufgezäumt und erst nach dem letzten Schüler vom Sattelzeug befreit.

Weiden und Paddocks waren den meisten Pferden nur in ihren Träumen bekannt und grüne Wiesen sahen sie nur neben dem Reitplatz. Kein Wunder also, dass die Tiere schnell krank wurden und frühzeitig starben. Deswegen wurde die Ständerhaltung Mitte der 1980er langsam abgeschafft und 1995 vollends verboten.

Ein Schritt nach vorn: Die Box

Viele Höfe sind nach diesem Verbot auf die Boxenhaltung umgestiegen. Diese ist sehr wohl eine Verbesserung, bietet aber in den meisten Fällen leider keine Ideallösung. Durchschnittlich sind die Boxen in einem Stall ca. 3×4 m groß und damit ein eher beengter Raum für das bewegungsfreudige Tier. Außerdem kann das Pferd seine Artgenossen durch dicke Metallstäbe vielleicht sehen, aber weder berühren, geschweige denn mit ihnen spielen.

Diese Umstände alleine zeigen, dass die Boxhaltung als eigenständige Haltung selten zu empfehlen ist. Sie sollte nach Möglichkeit mit anderen Haltungsarten kombiniert werden. Wenn das Pferd die Nächte und am Tag einige Stunden in der Box verbringt, ist das kein Problem . Auch hier und da mal ein Tag in der Box wird das Pferd nicht beeinträchtigen. Doch ihm muss auf jeden Fall Abwechslung durch einen Paddock oder eine Koppel geboten werden, damit es Kontakt zu anderen Pferden aufnehmen und sich ausgiebig bewegen kann.

Anders ist das noch bei Arbeits- und Turnierpferden. Diese werden am Tag körperlich so sehr gefordert, dass die Boxhaltung hier meist unproblematisch ist – der Auslauf wird den Tieren über den Tag gegeben. Dennoch sollte darauf geachtet werden, dass den Pferden der Kontakt zu ihren Artgenossen auf einem Paddock oder der Weide geboten wird.

Pferde auf großer Weide-

Leider hat nicht jedes Pferd so viel Weidefläche

Der Duft der Freiheit: Weide und Paddock

Weide und/oder Paddock sind also ein Muss in der Pferdehaltung, denn hier können sich unsere Lieblinge mal so richtig austoben: Sie können sich herumwälzen, nach Herzenslust traben und galoppieren oder einfach nur die Sonne genießen. Wenn einem Pferd die Möglichkeit dieser Freiheit gegeben wird, ist es gleich viel ausgeglichener und wesentlich weniger gestresst, als wenn es den ganzen Tag nur in der Box verbringen müsste.

„Quality Time“ mit Freunden – auch für Pferde wichtig

Wir Menschen kennen es selbst – ab und zu wollen wir mal unsere Ruhe haben, aber dann brauchen wir auch wieder die Gesellschaft von anderen. Genauso geht es dem Pferd – es ist schließlich ein Herdentier und braucht die Zeit mit seinen Artgenossen. Jedes Pferd genießt es, ein bisschen beschnuppert zu werden, sich gegenseitig zu kratzen oder einfach ein wenig Zeit mit anderen Pferden zu verbringen.

Zwei Pferde

Qaulity time mit Artgenossen. Pferde schließen Freundschaften.

Weide und Paddock – das ist der Unterschied

Während die Weide von Gräsern und Kräutern geziert wird, ist der Paddock vegetationslos. Hier ist der Boden meist mit Sand oder Sägespänen ausgestattet. Ein Paddock kann die Alternative sein, wenn man keinen geeigneten Platz für eine Weide findet. Hier muss allerdings besonders auf die Sauberkeit geachtet werden. Da der Paddock im Vergleich zur Weide relativ klein ist, sammeln sich hier schnell Kot und Urin. Damit diese nicht zum Paradies für Bakterien werden, muss der Paddock regelmäßig abgeäppelt werden.

Übrigens: Am schönsten ist es, wenn man dem Pferd sowohl Weide, als auch Paddock bieten kann. Ist das allerdings nicht möglich, ist der Paddock oftmals die bessere Variante, da er nicht so schnell verschlammt und den meisten Witterungsbedingungen eher standhält. Während man Pferde direkt nach dem Regenguss nicht auf die Weide stellen sollte, da sie sonst die Grasnarbe kaputt machen, ist das beim Paddock kein Problem.

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Auch nach Regen benutzbar: Ein Paddock mit befestigtem Untergrund.

Das muss beachtet werden

Weide und Paddock müssen nicht nur sauber gehalten werden, sondern den Pferden auch einiges bieten. Zuerst einmal sollten ausreichend Futterstellen gegeben sein, an denen Pferde aller Rangordnungen Platz finden. Weiterhin ist eine Unterstand, entweder natürlich in Form einer Baumgruppe oder künstlich in Form eines Gebäudes, auf der Weide bzw. dem Paddock wichtig.

Außerdem sollten Weide und Paddock abwechslungsreich gestaltet sein und die Pferde mit verschiedenen Sinneseindrücken begeistern. So wird gewährleistet, dass sich die Pferde selbst beschäftigen können und sich nicht langweilen. Eine schöne Möglichkeit der Umsetzung sind die so genannten Paddock Trails, auf denen die Pferde immer neue Abenteuer erleben können.

Das Pferdeparadies: Der Offenstall

Der Offenstall kommt der natürlichen Haltung am nächsten. Dabei wird ein offener Stall am Rand einer Weide bzw. eines Paddocks gestellt. In diese Freifläche können die Pferde je nach Belieben ein- und ausgehen. Somit sind die Tiere ständig in der Herde und können selbst entscheiden, ob sie gerade herumtoben oder sich im Stall ausruhen möchten.

Zu beachten gilt es hierbei vor allem, dass genügend Futterressourcen für Pferde jeden Rangs geboten werden. Außerdem sollte die Fläche groß genug oder die Herde klein genug sein, dass sich die Pferde auch einmal aus dem Weg gehen können.

Pferde im Offenstall

Gemütlich und artgerecht in der Herde im Offenstall

Aber Achtung! Auch wenn die Pferde theoretisch selbst entscheiden können, wann sie sich wo aufhalten wollen, sollten Pferdebesitzer ein Auge auf die Außenflächen haben. Sind diese zu schlammig, müssen sie für eine Zeit abgesperrt werden, damit sie für die Tiere nicht gefährlich werden.

Fazit: So geht artgerechte Pferdehaltung richtig

Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass die Mischung stimmen muss. Nur draußen oder ausschließlich drinnen funktioniert nicht wirklich – zumindest nicht bei unserem mitteleuropäischen Klima. Damit das Leben für Ihren Liebling ideal wird, gibt es allerdings einige Punkte, auf die man bei der artgerechten Pferdehaltung Acht geben sollte:

  • ausreichend Auslauf und Bewegungsmöglichkeiten an der frischen Luft
  • Kontakt zu anderen Pferden und sorgsam zusammengestellte Herden
  • Genügend Futterressourcen, Unterstell- und Ruheplätze für alle Pferde unabhängig vom Rang

Quellen

www.pferdefluesterei.de/pferdehaltung-koppelgang/
www.wege-zum-pferd.de/…/gedanken-zur-pferdehaltung/
www.lwk-niedersachsen.de/
www.kultreiter.de/boxenhaltung/
www.tierfreund.de/stall-und-weide/
www.offenstall.org/offenstall-vorteile/
www.pferdewissen.ch/haltung.php#offen